Atomgipfel mit Iran: Aufmarsch der Egoisten

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Droht im Nahen Osten ein neuer Krieg? Am Wochenende startet die Weltgemeinschaft einen neuen Anlauf, Teheran diplomatisch zum Einlenken im Atomstreit zu bewegen. Die Zeit drängt, aber eine rasche Einigung der Kontrahenten ist schwer vorstellbar.

Irans Atomprogramm: Ein Konflikt, viele Interessen Fotos
REUTERS/ DigitalGlobe

Die Ölexporte sinken, Devisen bleiben aus, die eigene Währung sackt ab. Es sind die scharfen internationalen Sanktionen, die Iran mehr und mehr unter Druck setzen. Israel scheint bereits kurz vor einem Militärschlag. US-Präsident Barack Obama hält sich alle Optionen offen. Und was macht das Teheraner Regime? Verfolgt bisher stoisch sein Atomprogramm, das den Bau der Bombe ermöglichen könnte.

Doch nun gibt es Hoffnung, wenigstens ein bisschen. Erstmals seit mehr als einem Jahr beginnen am Samstag in Istanbul neue Gespräche zwischen Iran und der Gruppe der fünf Veto-Mächte im Uno-Sicherheitsrat plus Deutschland. Die internationale Gemeinschaft fordert vor allem einen Stopp der Urananreicherung, die Iran in unterirdischen Bunkern betreibt. Denn am Ende eines solchen Prozesses kann kernwaffenfähiges Material stehen. Das Regime um Präsident Mahmud Ahmadinedschad, das die Vernichtung Israels beschwört, beteuert zugleich, es handele sich nur um ein ziviles Programm.

Die neue Verhandlungsrunde ist womöglich der letzte Anlauf, den Konflikt diplomatisch zu lösen. Seit fast zehn Jahren fühlt sich der Westen von Teheran in Sachen Atomprogramm an der Nase herumgeführt. Vor allem die Israelis verlieren die Geduld. Sollte es in den kommenden Monaten trotz der neuen Gespräche keine Bewegung geben, dürfte Israel den Druck auf seine Verbündeten erhöhen, militärische Schritte zu unterstützen. Das weiß man auch in Washington und in den europäischen Hauptstädten. Doch eine rasche Einigung ist schwer vorstellbar. Zu sehr ist der Iran-Poker zu einem Machtspielchen zwischen den Weltmächten geworden. Jeder Akteur, der an den Verhandlungen beteiligt ist, verfolgt seine eigenen Interessen, ist auf den eigenen Vorteil bedacht.

Welche Ziele verfolgen die Beteiligten?

US-Präsident Obama droht Zur Großansicht
DPA

US-Präsident Obama droht

Präsident Obama verfolgt zwei Ziele: erstens Iran vom Bau der Atombombe abzuhalten und zweitens einen militärischen Alleingang der Israelis zu verhindern. Eine Nuklearwaffe in Händen des Teheraner Regimes - das hat Obama stets deutlich gemacht - würden die USA nicht tolerieren: Seine Politik sei mit Blick auf Iran nicht eine der "Eindämmung", sondern der Prävention, so Obama. Primäres Interesse der USA ist ein Ende der Produktion hochangereicherten Urans sowie die Schließung der gerade erst errichteten unterirdischen Atomanlage in Fordo. Das Treffen in Istanbul soll aus US-Sicht einen diplomatischen Prozess in Gang setzen. Zugleich hat Obama laut "Washington Post" in einem Brief an Ajatollah Ali Chamenei, Irans geistlichem Oberhaupt, signalisiert, dass die USA ein ziviles iranisches Atomprogramm akzeptieren könnten.


Irans Präsident pokert Zur Großansicht
REUTERS

Irans Präsident pokert

Iran will mit der Wiederaufnahme der Atomverhandlungen vor allem eines: Zeit gewinnen. So lange die Gespräche Teherans mit den Uno-Vetomächten und Deutschland laufen, ist ein israelischer Angriff unwahrscheinlich, und das Regime kann sein Nuklearprogramm weiter vorantreiben. Daneben geht es der iranischen Führung um internationale Anerkennung: Der Westen solle respektieren, dass Iran als Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrags das Recht habe, ein ziviles Nuklearprogramm zu betreiben. Außerdem verlangt das Regime von den USA eine Bestandsgarantie. Washington solle Pläne für einen Regimewechsel in Teheran ad acta legen und Iran als wichtige Macht im Nahen und Mittleren Osten anerkennen.

Irans Chefunterhändler Said Dschalili hat angekündigt, er werde bei den Verhandlungen in Istanbul "neue Initiativen" vorstellen. Möglicherweise könnte Teheran künftig darauf verzichten, Uran auf mehr als 20 Prozent anzureichern. Uran, das so hoch konzentriert ist, lässt sich leicht auf mehr als 80 Prozent anreichern. Dann kann es zur Herstellung von Atomwaffen verwendet werden. Doch für jedes Entgegenkommen erwartet Iran Zugeständnisse. Ganz oben steht dabei eine Aufhebung des Ölembargos seitens der EU, das am 1. Juli in Kraft tritt.


Europäer führen Regie Zur Großansicht
AP

Europäer führen Regie

Für Europa sitzen Frankreich, Großbritannien und Deutschland mit am Verhandlungstisch. Alle drei eint: Sie wollen eine militärische Auseinandersetzung unbedingt verhindern, denn sie fürchten unkalkulierbare Auswirkungen für die gesamte Region. Den Europäern kommt in dem Konflikt eine Schlüsselrolle zu. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton führt bei den Verhandlungen über das Nuklearprogramm Regie. Sie soll Teheran zum Einlenken bewegen.

Mit einem Mix aus Gesprächen, Anreizen und Sanktionen will Brüssel den Druck auf Iran erhöhen. Man setzt darauf, dass das Ölembargo die Verhandlungsbereitschaft Teherans erhöht. Ein Einlenken, so ist in den europäischen Hauptstädten zu hören, könnte der iranischen Regierung mit Angeboten schmackhaft gemacht werden, bei der Aufrüstung des veralteten Atomkraftwerks Buschehr sowie beim Anti-Drogen-Kampf zu helfen.

Dass sich die Gespräche womöglich über Monate hinziehen werden, ist aus Sicht von Berlin, Paris und London eher ein Vorteil. Das Kalkül: Verhandelt man über die US-Wahl hinaus, kann auch Präsident Barack Obama, der im Wahlkampf auf die innenpolitische Debatte in den USA Rücksicht nehmen muss, wieder befreiter auftreten.


Israels Premier verliert Geduld Zur Großansicht
DPA

Israels Premier verliert Geduld

Wenn es nach Israel geht, ist 2012 "das Jahr, in dem Iran gestoppt wird". So beschrieb es der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak Anfang April. Zu wichtigen Schritten soll sich Teheran nach Jerusalems Willen bei den anstehenden Nukleargesprächen in Istanbul selbst verpflichten.

Was Israel vorschwebt: Iran soll seinen etwa 120 Kilo schweren Vorrat von bis auf 20 Prozent angereichertem Uran in einem neutralen Land deponieren. Auch den Großteil der etwa fünf Tonnen auf 3,5 Prozent angereicherten Urans soll Iran außer Landes bringen, nur eine für Energiegewinnung notwendige Menge soll in Iran verbleiben dürfen. Zudem drängt Israel darauf, die unterirdische Anreicherungsanlage in Fordo stillzulegen. Große Hoffnungen, dass Iran den israelischen Forderungen nachkommen wird, äußerte Barak nicht. "Aber ich freue mich darauf, überrascht zu werden, sollten die Gespräche mit Iran Erfolg haben", sagte er.

Israel behält sich auch einen Angriff auf iranische Atomanlagen vor. Jerusalem ist skeptisch, dass Teheran wegen der Sanktionen von seinen nuklearen Ambitionen abrücken wird. Als Deadline für einen Präventivschlag wird in Jerusalem derzeit 2013 gehandelt. Danach könnten die iranischen Anlagen so tief unter die Erde verlegt worden sein, dass sie außerhalb der Reichweite selbst bunkerbrechender Waffen sein könnten.


Chinas Jiabao will das Öl Zur Großansicht
Getty Images

Chinas Jiabao will das Öl

Mit China hat Iran einen treuen Verbündeten in der internationalen Arena - und das hat vielerlei Gründe. Zum einen sind die Chinesen - im Gegensatz zu Amerikanern und Europäern - nicht davon überzeugt, dass Irans Wissenschaftler überhaupt in der Lage sind, eine Atombombe zu bauen. Sie pochen auf das international verbriefte Recht einer jeden Nation, die Atomkraft zu friedlichen Zwecken zu nutzen.

Peking plädiert für einen Mittleren Osten ohne Atomwaffen. Sanktionen aber brächten nichts, beteuern Pekings Politiker. Erfolgversprechender sei es, die Iraner mit Verhandlungen von ihren Plänen abzubringen. Pekings Diplomaten halten dabei Washington wie Brüssel Heuchelei vor: Während sie die Iraner mit Boykott bestrafen wollten, nähmen sie Israels Atombomben-Arsenale seit Jahren klaglos hin.

Vor allem ist es Chinas Wirtschaftsboom, der beide Länder einander näher bringt. Denn um das Wachstum zu bewahren, müssen die Chinesen Energie importieren, und Iran ist ein wichtiger und williger Lieferant. China ist der zweitgrößte Konsument von Rohöl in der Welt, es nimmt Iran mittlerweile rund ein Fünftel seiner gesamten Ausfuhren ab. Zudem kaufen die Chinesen Gas, jüngst schlossen beide Länder einen Liefer- und Fördervertrag über 3,2 Milliarden Dollar.

Nicht nur wegen Öl und Gas halten die Chinesen fest zu den Iranern: In Teheran sehen sie eine Macht, die um unabhängige Außenpolitik bemüht ist und die Amerikanern wie Europäern Paroli bietet. Chinesen und Iraner haben ein gemeinsames Ziel: Den Einfluss Washingtons auf den Nahen und Mittleren Osten sowie auf Zentralasien einzudämmen. Beide sind vereint in ihrem Verdacht, die Amerikaner wollten in ihren Ländern Jasmin-Revolutionen wie in Nordafrika fördern.


Russlands Putin mahnt Zur Großansicht
AP/ RIA

Russlands Putin mahnt

Als Irans Präsident Ahmadinedschad vor drei Jahren nach seiner von schweren Protesten begleiteten Wiederwahl nach Russland reiste, empfing ihn der Kreml mit höchsten Ehren. Seither aber hat sich das Verhältnis merklich abgekühlt. Anders als das Assad-Regime in Syrien, kann Teheran nicht auf bedingungslose Rückendeckung aus Russland hoffen.

Russland will eine atomare Bewaffnung Irans verhindern, aber nicht um jeden Preis. Moskau lehnt einen Militärschlag ab. "Auf militärischem Wege sollte man besser überhaupt nichts lösen", betont Präsident Wladimir Putin. Russland fürchtet, ein Krieg gegen Iran könnte nicht nur den Nahen Osten, sondern auch den angrenzenden Kaukasus destabilisieren, den Russland traditionell zu seiner Einflusszone zählt.

Dass Moskaus Bedenken nicht unbegründet sind, zeigt das Beispiel Aserbaidschans, das israelischen Geheimdienstkommandos als Operationsbasis dient und sich offenbar Vorteile von einem Militärschlag gegen seinen Nachbarn Iran erhofft. Moskau wird nicht müde, Irans Recht auf eine friedliche Nutzung der Kernenergie zu betonen. Das ist auch im Interesse des Kremls: Russische Ingenieure arbeiten am Kernkraftwerk in Buschehr, und Teheran hat Russlands Rosatom-Konzern bereits Interesse an bis zu fünf weiteren Reaktoren signalisiert. Der Auftragswert: 40 Milliarden Dollar. Dennoch: Russland steht nicht bedingungslos an Teherans Seite. Sollte Teheran nicht einlenken, könnte Russland sogar Sanktionen unterstützen.


Türkeis Erdogan will Prestige Zur Großansicht
REUTERS

Türkeis Erdogan will Prestige

Die Türkei engagiert sich aus zwei Gründen für eine Lösung des Atomstreits mit Iran. Zum einen erhofft sich Ankara eine weitere Aufwertung als wichtiger Machtfaktor und Vermittler in der Region. Zum anderen hat die Türkei als Irans Nachbarland ein ureigenes Interesse daran, den Konflikt friedlich zu lösen. Ein atomar bewaffneter Iran würde das Machtverhältnis im Nahen Osten zu Ungunsten der Nicht-Atommacht Türkei verändern, ein Militärschlag gegen Teheran auch Ankara empfindlich treffen. Nach Syrien würde ein weiteres Nachbarland destabilisiert, noch mehr Flüchtlinge kämen ins Land, die Wirtschaft und vor allem der Handel mit Iran würden geschwächt.

Die Regierung versucht deshalb seit Jahren, zwischen Iran und dem Westen zu vermitteln und ist auf einen Ausgleich bedacht. Premier Recep Tayyip Erdogan hat in der Vergangenheit zwar das Anrecht des iranischen Regimes auf ein Nuklearprogramm unterstrichen, gleichzeitig aber Teheran zu mehr Transparenz gegenüber der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aufgefordert. Außerdem hat die Türkei als Nato-Staat auf ihrem Territorium Radaranlagen stationiert, die vor möglichen Raketenangriffen Irans warnen sollen.


Indiens Singh braucht Importe Zur Großansicht
AFP

Indiens Singh braucht Importe

Indien, das selbst nicht mit am Verhandlungstisch sitzt, ist daran interessiert, den Konflikt mit Iran nicht eskalieren zu lassen. Das Land braucht wegen seiner wachsenden Wirtschaft dringend Energie und ist auf Erdöllieferungen aus Iran angewiesen. Derzeit zählt Indien neben China zu den größten Importeuren iranischen Erdöls. Ohne Mitwirkung Chinas und Indiens dürften die Sanktionen deshalb kaum greifen.

Iranische Erdöllieferungen an Indien haben einen Wert von knapp zehn Milliarden Dollar jährlich, etwa ein Achtel des indischen Verbrauchs. Zudem ist Iran geostrategischer Partner Indiens. Beide Länder unterstützen in Afghanistan die Gegner der Taliban. Durch den großen schiitischen Bevölkerungsanteil in Indien pflegen beide Länder traditionell gute Beziehungen.

Andererseits will Indien die USA nicht verprellen. Beide Staaten wollen ihre Wirtschaftsbeziehungen ausbauen. Der Druck aus Washington auf Indien, auf Geschäfte mit Iran zu verzichten, wächst. Noch verweisen die Inder darauf, dass die Sanktionen den Ölmarkt nicht beträfen. Bitten der EU, den Handel mit Iran einzudämmen, wies Premierminister Manmohan Singh kürzlich zurück.

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insgesamt 120 Beiträge
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1. Was ich nicht verstehe...
pennywise_the_clown 13.04.2012
Zitat von sysopDroht im Nahen Osten ein neuer Krieg? Am Wochenende startet die Weltgemeinschaft einen neuen Anlauf, Teheran diplomatisch zum Einlenken im Atomstreit zu bewegen. Die Zeit drängt, aber eine rasche Einigung der Kontrahenten ist schwer vorstellbar. Atomgipfel mit Iran: Aufmarsch der Egoisten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826967,00.html)
Soviel ich weiß, sind doch alle modernen Nuklearsprengköpfe nicht mehr auf dem Gun-Design (sprich Uran) basierend, auch weil sowas zu schwer wäre um es auf eine Rakete zu packen. Und ein Bomber würde Israel nie und nimmer erreichen. Also braucht der Iran Plutonium, das ja nicht angereichert wird sondern aus Reaktoren entnommen wird. Weshalb nun dieses TamTam um die Uran Anreicherung? Oder denkt man, der Iran packt ein Uran Bombe in einen Container, schickt den in einen Israelischen Hafen und schickt dort ne Pilzwolke hoch?
2. Allen Grund besorgt zu sein.
sorata 13.04.2012
Zitat von pennywise_the_clownSoviel ich weiß, sind doch alle modernen Nuklearsprengköpfe nicht mehr auf dem Gun-Design (sprich Uran) basierend, auch weil sowas zu schwer wäre um es auf eine Rakete zu packen. Und ein Bomber würde Israel nie und nimmer erreichen. Also braucht der Iran Plutonium, das ja nicht angereichert wird sondern aus Reaktoren entnommen wird. Weshalb nun dieses TamTam um die Uran Anreicherung? Oder denkt man, der Iran packt ein Uran Bombe in einen Container, schickt den in einen Israelischen Hafen und schickt dort ne Pilzwolke hoch?
Es ist ja nicht so, als ob in Israel nicht bereits seit Jahren öffentlich über einen Atomschlag gegen den Iran diskutiert wird und die Iraner deshalb allen Grund haben, besorgt zu sein. "Letzte Chance ist eine israelische Atombombe" - Israel - derStandard.at (http://derstandard.at/3325698)
3.
munkelt 13.04.2012
Zitat von sysopDroht im Nahen Osten ein neuer Krieg? Am Wochenende startet die Weltgemeinschaft einen neuen Anlauf, Teheran diplomatisch zum Einlenken im Atomstreit zu bewegen. Die Zeit drängt, aber eine rasche Einigung der Kontrahenten ist schwer vorstellbar. Atomgipfel mit Iran: Aufmarsch der Egoisten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826967,00.html)
Einige Zitate aus dem Link: ...Eine Nuklearwaffe in Händen des Teheraner Regimes - das hat Obama stets deutlich gemacht - würden die USA nicht tolerieren Denn um das Wachstum zu bewahren, müssen die Chinesen Energie importieren, und Iran ist ein wichtiger und williger Lieferant Russland fürchtet, ein Krieg gegen Iran könnte nicht nur den Nahen Osten, sondern auch den angrenzenden Kaukasus destabilisieren, den Russland traditionell zu seiner Einflusszone zählt. Ein atomar bewaffneter Iran würde das Machtverhältnis im Nahen Osten zu Ungunsten der Nicht-Atommacht Türkei verändern Indien, das selbst nicht mit am Verhandlungstisch sitzt, ist daran interessiert, den Konflikt mit Iran nicht eskalieren zu lassen. Das Land braucht wegen seiner wachsenden Wirtschaft dringend Energie und ist auf Erdöllieferungen aus Iran angewiesen... Da kocht aber wirklich so jeder sein eigenes Süppchen. Deshalb wird das nix.
4. Diese Tam Tam Trommel wird seit fast 40 Jahren geschmettert.
sorata 13.04.2012
Zitat von pennywise_the_clownWeshalb nun dieses TamTam um die Uran Anreicherung? Oder denkt man, der Iran packt ein Uran Bombe in einen Container, schickt den in einen Israelischen Hafen und schickt dort ne Pilzwolke hoch?
"Schon in zwei Jahren seien die Iraner in der Lage, eine selbstgebaute Atombombe einzusetzen, schrieb die Londoner Zeitschrift "Jane's Defense Weekly" 07.05.84, Bericht im SPIEGEL „Iran hat die Atombombe“ (Focus 25.01.1993) „… werden nun die Entwicklung einer eigenen Atombombe vorangetrieben.“ (Welt 03.11.1998) „… USA sehen Iran noch mindestens ein Jahr von Atombombe entfernt.“ (Zeit 30.9.1998) „Binnen eines Jahres könnte Iran laut dem US-Verteidigungsminister Leon Panetta eine Atombombe herstellen“ (Handelsblatt 2.1.2000) „Iran steht offenbar kurz vor Bau einer Atombombe“ (Spiegel 4.8.2003) „Irans Atombombe bedroht auch Deutschland“ (Welt 26.9.2004) „Iran könnte schon bald Atombombe bauen ...“ (Spiegel 19.1.2006) Iran: „Atombombe in fünf Jahren“ (Stern 3.5.2006) „Exklusiv: Der Filmbeweis - Iran baut die Atombombe“ (Welt 12.4.2007) „BND-Information: Iran drei Monate vor der Atombombe?“ (BZ-Zeitung 15.7.2009) Aber wer sucht, findet noch unzählig weitere Berichte im Internet. So hält man die Leute mit Angst auf Trab, bis sie überzeugt sind, dass ein Atomschlag gegen den Iran praktisch nur Notwehr ist.
5. zu dumm
saxae 13.04.2012
Niemals wird sich irgenein mensch oder Land ewig abhalten lassen, dass zu entwickeln was andere schon haben. Die Diplomatie in diese Richtung ist völlig erfolg- und aussichtslos. Ich verstehe nicht, wieso sich die Menschheit nicht wenigstens in der Frage einig sein kann, keine Voraussetzungen zu schaffen, um Waffen herzustellen oder zu besitzen, die mit einem Schlag sie selber ausrotten kann. Da kommt man wieder schnell auf die Frage zurück, ob wir das klügste oder doch dümmste Lebewesen dieser Erde sind.
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Irans Atomprogramm
Streit
AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
REUTERS
Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
dpa
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.

Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 74,962 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Hassan Rohani

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