Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Atomanlage Fordo: Diplomat warnt vor Irans neuem Uran-Coup

Iran will sein Programm zur Urananreicherung offenbar deutlich intensivieren. Wie ein westlicher Diplomat der BBC sagte, sollen in einer unterirdischen Anlage nahe der Stadt Ghom Tausende neue Zentrifugen installiert werden. Damit lasse sich Uran schneller und effizienter anreichern als bisher.

Iranische Atomanlage (Archiv): Neue Zentrifugen sollen Anreicherung beschleunigen Zur Großansicht
REUTERS/IRIB Iranian TV

Iranische Atomanlage (Archiv): Neue Zentrifugen sollen Anreicherung beschleunigen

London/Teheran - Großbritanniens Außenminister warnt vor einem weltpolitischen Desaster, Israel denkt offen über einen Militärschlag nach: Das iranische Atomprogramm droht im Nahen Osten einen Flächenbrand auszulösen. Iran zeigt sich davon zumindest nach außen unbeeindruckt und provoziert seine Gegner mit einer geplanten Ausweitung seiner Urananreicherung. Offenbar sollen Tausende neue Zentrifugen in der unterirdischen Anlage Fordo nahe der Stadt Ghom in Betrieb genommen werden. Das berichtet die BBC.

Der britische Sender beruft sich auf einen Diplomaten am Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien. Durch derartige Anlagen kann dem Bericht zufolge die Urananreicherung Irans sehr viel schneller und effizienter vorgenommen werden als bisher. Allerdings sei Iran bereits mit den jetzigen Anlagen in der Lage, spaltbares Material für Waffensprengköpfe herzustellen. Angereichertes Uran wird sowohl für Atomkraftwerke als auch für Atombomben gebraucht.

Die IAEA hat sich bislang nicht zu dem Bericht geäußert.

Laut BBC verfügt die Anlage in Ghom nun über die erforderliche Energieversorgung und Rohrsysteme, um die neuen Zentrifugen zu betreiben. Allerdings seien diese noch nicht installiert worden. Die Nachrichtenagentur Associated Press berichtete unter Berufung auf Diplomaten, es sei unwahrscheinlich, dass das Ganze ein taktisches Manöver sei. Teheran habe keinen Grund, die Anlage für bessere Zentrifugen auszurüsten, wenn diese hinterher nicht genutzt werden sollten. Bereits am Mittwoch hatte Teheran bekanntgegeben, in einer anderen Anlage 3000 neue Zentrifugen in Betrieb genommen zu haben.

"Nicht nur Bedrohung für Israel, sondern für die ganze Welt"

Irans offizielle Linie ist, nur für zivile Zwecke nukleare Forschung zu beschreiben. Der Westen verdächtigt die Regierung in Teheran dagegen, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms am Bau einer Atombombe zu arbeiten. Iran weist dies zurück.

Die Möglichkeit von Nuklearwaffen in den Händen Irans birgt vor allem deswegen Brisanz, weil Israel eine die Existenz des jüdischen Staates in Frage stellende Atommacht in seiner Nachbarschaft kaum ohne Gegenwehr hinnehmen dürfte. Und die Zeit drängt - laut dem israelischen Verteidigungsminister Ehud Barak wird Iran in wenigen Monaten sein Atomprogramm, darunter die Anlage mit den neuen Zentrifugen, weitgehend selbst gegen die stärksten bunkerbrechenden Waffen geschützt haben. Konkret bedeutet dies, dass Iran sein Atomprogramm 80 bis 90 Meter unter mehrere Granitschichten verlegen könnte.

Barak bekräftigte am Samstag bei einem Besuch in Tokio erneut die Haltung seines Landes. "Ein nuklear bewaffneter Iran ist nicht nur eine Bedrohung für Israel, sondern für die ganze Welt." Sollte der Iran erst einmal im Besitz einer Atombombe seien, würden auch andere Staaten in der Region wie Saudi-Arabien, Ägypten oder die Türkei Nuklearwaffen haben wollen. Ein solches Wettrüsten müsse verhindert werden.

Israel gilt als das einzige Land im Nahen Osten, das im Besitz von Atomwaffen ist. Die Regierung hat dies aber weder bestätigt noch dementiert. Der Status als alleinige Atommacht in der Region gilt als für die Sicherheit des Landes zentral. Deshalb scheint Israel gewillt zu sein, die iranischen Forschungen notfalls auch mit militärischen Angriffen zu unterbinden, selbst um den Preis eines Flächenbrandes im Nahen Osten. Israels Militärstabschef Benny Gantz sagte am Samstag im staatlichen Fernsehen, das Land werde letztlich die Entscheidung über einen Angriff selbst treffen. Israel sei "der zentrale Garant seiner eigenen Sicherheit".

Kontrolleure reisen erneut nach Iran

Viele westliche Länder, etwa die USA und England, fürchten eine derartige Eskalation. Doch ihre Bemühungen, Israel zum Verzicht auf die militärische Option zu bewegen, waren bislang vergebens - und dürften angesichts der aktuellen Entwicklung immer weniger Chancen haben.

Iran hatte zuletzt damit begonnen, Teile seiner umstrittenen Urananreicherung in eine unterirdische Bunkeranlage zu verlegen. Die USA und die Europäische Union verschärften daraufhin ihre Sanktionen gegen die Islamische Republik drastisch und erließen umfangreiche Strafmaßnahmen gegen den Öl- und Finanzsektor des Landes.

Zuletzt signalisierte die iranische Regierung in einem Brief an die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton ihre Gesprächsbereitschaft, was jedoch von vielen Beobachtern als taktisches Manöver gewertet wurde.

US-Präsident Barack Obama entsandte am Wochenende seinen nationalen Sicherheitsberater Tom Donilon zu Gesprächen nach Israel. Themen des zweitägigen Aufenthalts seien vor allem Iran und Syrien, teilte das US-Präsidialamt mit. Zudem soll Anfang kommender Woche erneut eine Delegation der IAEA nach Iran reisen. Im vergangenen Monat war Kontrolleuren der Zugang zu manchen Nuklearforschungsanlagen und Wissenschaftlern verwehrt worden.

ulz/Reuters/AFP/AP

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 140 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ein kriegerischer Einsatz ist wohl "alternativlos"
Litajao 19.02.2012
Zitat von sysopREUTERS/IRIB Iranian TV Iran will sein Programm zur Urananreicherung offenbar deutlich intensivieren. Wie ein westlicher Diplomat der BBC sagte, sollen in einer unterirdischen Anlage nahe der Stadt Ghom Tausende neue Zentrifugen installiert werden. Damit lasse sich Uran schneller und effizienter anreichern als bisher. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816198,00.html
Also wenn schon ein ungenannter "westlicher" Diplomat aus Wien dies sagt, muss es doch stimmen!!! Dass sich BBC und nun auch noch SPON an dieser Kriegshetze beteiligen, ist schon traurig, egal wie man zu diesem Unrechtsregime im Iran steht.
2. Oh Gott, es wird
alleswirdbesser 19.02.2012
Zitat von sysopREUTERS/IRIB Iranian TV Iran will sein Programm zur Urananreicherung offenbar deutlich intensivieren. Wie ein westlicher Diplomat der BBC sagte, sollen in einer unterirdischen Anlage nahe der Stadt Ghom Tausende neue Zentrifugen installiert werden. Damit lasse sich Uran schneller und effizienter anreichern als bisher. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816198,00.html
schon wieder gezündelt. Wenn sich die IAEA schon nicht dazu äußert, dann nennt wenigstens den Namen dieses Diplomaten. Nennt den Namen, damit der Soiegel den mal interviewen und dem auf den Zahn fühlen kann. Kann das der Spiegel noch? Langsam kommt mir das vor wie übelste Hetzkampagne. Will man im Westen eigentlich eine diplomatische Annäherung und Lösung?! Ich behaupte nein: da gibt es etliche Mächte, die endlich mal wieder rumballern wollen. Gnade uns Gott, wenn das passiert.
3. Seltsame Sache das Ganze
vostei 19.02.2012
Davon abgesehen, dass der Iran in Sachen Atom taktiert, obwohl er eigtl. dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten ist: Was mich dabei wundert ist, dass Israel mit seinem Negev Nuclear Research Center im Grunde selbst ziemlich gefährdet dasteht, sollte es von einer größeren Anzahl KONVENTIONELL bestückter Raketen attackiert werden. Bis der Iran überhaupt eine Atomwaffe konstruiert hat - und diese dann auch noch miniaturisiert, zwecks Raketenfähigkeit vergehen doch Jahre - aber Raketen haben die - und Bunkerbrecher sind weitaus einfacher zu bauen. Wieso also diese Fixierung auf Atomwaffen????
4. nixversteh
freixen 19.02.2012
Zitat von sysopREUTERS/IRIB Iranian TV Iran will sein Programm zur Urananreicherung offenbar deutlich intensivieren. Wie ein westlicher Diplomat der BBC sagte, sollen in einer unterirdischen Anlage nahe der Stadt Ghom Tausende neue Zentrifugen installiert werden. Damit lasse sich Uran schneller und effizienter anreichern als bisher. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816198,00.html
Diese Urananreicherungsanlagen sollen zur friedlichen Nutzung der Kernenergie dienen. Laut Atomwaffensperrvertrag hat die Völkergemeinschaft den jedes Land beim Aufbau von Atomkraftwerken zu unterstützen. Der Skandal liegt also eher im Verhalten der USA und deren europ. Verbündeten. Es gibt absolut keinn Anhaltspunkt, dass der Iran an Atomwaffen baut. Die Grafik des Spiegels zu dem Thema ist völlig fehlplatziert.
5. ???
brinom 19.02.2012
Zitat von sysopREUTERS/IRIB Iranian TV Iran will sein Programm zur Urananreicherung offenbar deutlich intensivieren. Wie ein westlicher Diplomat der BBC sagte, sollen in einer unterirdischen Anlage nahe der Stadt Ghom Tausende neue Zentrifugen installiert werden. Damit lasse sich Uran schneller und effizienter anreichern als bisher. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816198,00.html
wozu brauchen wir den britischen Diplomaten (wer das alles sein mag) um das ganze zu wissen? Der Iran hat das doch selbst alles angekündigt! Und warum sollte der Iran das nicht tun, nachdem der Westen sich letztes Jahr geweigert hat (entgegen der Konvention) den Bedarf Irans am 20%-igem Uran zu decken? Jetzt kommt die Frage, wozu brauchen die Iraner 20-iges Uran......, die Iraner sagen für Nuklearmedizin. Das Gegenteil gehört erst mal bewiesen. Der Satz im Artikel, dass Irans Atomprogramm den Nahen Osten in einen Flächenbrand treibt finde ich auch lustig. Es ist der Iran, der ständig bedroht wird und nicht umgekehrt. Und jetzt wird sicher die Sache mit Israel und Landkarte eingewendet. Dafür braucht der Iran keine Atombombe. Es genügen freie Wahlen im gesamten Gebiet von Israel mit Beteiligung aller dort lebeneden Menschen. Ich wünsche Euch allen einen schönen Sonntag Brinom
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Iran: Kalter Krieg im Nahen Osten

Grafik - Der Weg zur Bombe Zur Großansicht
DER SPIEGEL

Grafik - Der Weg zur Bombe

Interaktive Grafik
SPIEGEL ONLINE
Nuklearwaffen: Alle Atommächte und ihre Arsenale

Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 79,476 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Hassan Rohani

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia

Fotostrecke
Globaler Index: Die Sicherheit nuklearer Materialien

Uran und Atomwaffen
Uran
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.
Anreicherung
Uranerz wird nach dem Abbau zunächst zu einem gelblichen Pulver verarbeitet, dem sogenannten Yellowcake. Es dient zur Herstellung von Brennelementen für Reaktoren, kann aber zwecks Anreicherung auch in Uran-Hexafluorid (UF6) umgewandelt werden, das bis 56 Grad Celsius in kristalliner Form vorliegt und darüber gasförmig ist.

Die meisten Anreicherungsanlagen weltweit basieren auf der Gasdiffusion: Gasförmiges Uran-Hexafluorid wird durch halbdurchlässige Membrane gepresst, wobei sich das Uran 235 vom Rest trennt. Das Verfahren gilt inzwischen jedoch aufgrund seines hohen Energiebedarfs als veraltet.

Eine modernere Methode ist die Gaszentrifuge, an der auch in Iran experimentiert wird. Bei ihr macht man sich den Massenunterschied zwischen beiden Uran-Isotopen zunutze: Wird Uran-Hexafluorid in die Zentrifugen gegeben, sammeln sich die schwereren Uran-238-Moleküle bei bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute außen in den Zylindern, die Uran-235-Moleküle bleiben innen.
Einsatz in Atomwaffen
Für den Einsatz in Kernreaktoren genügt es bereits, wenn Uran 235 zu drei bis fünf Prozent in den Brennelementen angereichert ist. Ab 20 Prozent ist von hochangereichertem Uran die Rede. Für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 80 Prozent erforderlich, da sonst eine zu große Uranmenge notwendig wäre.

Uran 235 kam in der ersten jemals eingesetzten Atombombe, die am 6. August 1945 Hiroshima zerstörte, als Sprengstoff zum Einsatz. Die Sprengkraft lag bei rund 13 Kilotonnen TNT. Die Bombe, die drei Tage später auf Nagasaki abgeworfen wurde, erreichte 20 Kilotonnen TNT. In ihr kam allerdings nicht Uran zum Einsatz, sondern Plutonium 239, das per Neutronenbeschuss in Brutreaktoren aus Uran 238 gewonnen wird.

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: