Atomgipfel in Den Haag Gastgeber Rutte warnt vor schmutziger Bombe

2000 Tonnen waffenfähiges radioaktives Material sind im Umlauf - die Sorge, dass Terroristen davon etwas in die Hände fällt, ist groß. Maßnahmen gegen diese Gefahr erörtern Staats- und Regierungschefs aus mehr als 50 Ländern in Den Haag auf einem Atomgipfel.

Niederlandes Ministerpräsident Mark Rutte: "Terroristen werden jede Waffe nutzen, die sie in die Hände bekommen"
AFP

Niederlandes Ministerpräsident Mark Rutte: "Terroristen werden jede Waffe nutzen, die sie in die Hände bekommen"


Den Haag - Zum Auftakt des dritten Weltgipfels zur nuklearen Sicherheit, bei dem sich Staats- und Regierungschefs aus mehr als 50 Ländern beraten, hat der niederländische Ministerpräsident und Gastgeber Mark Rutte vor den Gefahren durch sogenannte schmutzige Bomben gewarnt. "Skrupellose Terroristen werden sich nicht scheuen, jede Waffe zu nutzen, die sie in die Hände bekommen", sagte er am Montag zu der möglichen Beimischung von radioaktivem Material zu herkömmlichen Sprengsätzen. In den vergangenen Jahren habe es echte Fortschritte bei der Sicherung von Strahlenquellen gegeben. 2000 Tonnen waffenfähiges Material seien aber noch immer im Umlauf.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft um Abbau und Sicherung von Atommaterial trotz erster Erfolge mit klaren Worten als unbefriedigend. Von der Vision Barack Obamas, dass es keine nuklearen Gefahren mehr gebe, "sind wir leider noch weit entfernt", sagte Merkel. Es gebe schon erste Erfolge wie bei der Sicherung medizinischer Strahlenquellen, denn auch daraus könnten schmutzige Bomben gebaut werden, aber die Fortschritte ließen "sehr zu wünschen übrig".

US-Präsident Obama sagte in einem Interview zum Gipfel, es gebe immer noch zu viel nukleares Material in der Welt, "das in die falschen Hände fallen könnte. Deshalb ist dieser Gipfel so wichtig." Er hatte das Format initiiert, bei dem diesmal Staats- und Regierungschefs aus 53 Ländern diskutieren, wie verhindert werden kann, dass Terroristen in den Besitz von Nuklearmaterial oder Atombomben gelangen.

Zu den Teilnehmern gehören unter anderem der chinesische Präsident Xi Jinping, Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye und Japans Regierungschef Shinzo Abe. Die Konferenz endet am Dienstag, am Nachmittag soll eine Abschlusserklärung zum Treffen veröffentlicht werden.

Überschattet wurde der Gipfel vom Konflikt um die Annexion der völkerrechtlich zur Ukraine gehörenden Krim durch Russland. Die Staatschefs der sieben wichtigsten westlichen Industrienationen (G7) trafen sich deswegen am Rande zu einem Sondertreffen.

An einem der großen Erfolge der vorherigen beiden Atomsicherheitsgipfel in den USA und in Südkorea hatte noch der abgesetzte ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch mitgewirkt. Er veranlasste in Abstimmung mit Obama, sämtliches hoch angereichertes Uran aus dem Land bringen zulassen. Russland hatte im Vorfeld zugesichert, das Material zu schwach angereichertem Uran abzubauen, das nicht zur Herstellung von Atomwaffen verwendet werden kann. Eine ähnliche Abmachung wurde auch mit Mexiko umgesetzt.

sun/dpa

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ANDIEFUZZICH 24.03.2014
1. Sofortmassnahme
Alle Reaktoren weltweit stilllegen, danach die Bomben reduzieren bis auf einfache Overkillkapazität. Fahndung weltweit nach dem letzen Krümmel Atommüll. Atommüll sicher kontrollieren. Uranförderung stoppen. Erneuerbare Energien weltweit massiv fördern. Atomirrgauben aufgeben.
cirkular 24.03.2014
2. Die aktuellen Machthaber in der Ukraine
wollen inzwischen wohl den Atomspervertrag kündigen und sich wieder eigene Atomwaffen zulegen, damit die Welt sicherer wird.
Newspeak 25.03.2014
3. ...
Von der Vision Barack Obamas, dass es keine nuklearen Gefahren mehr gebe, "sind wir leider noch weit entfernt", sagte Merkel. Ja, unter anderem deshalb, weil Barack Obama die amerikanischen Nuklearwaffen modernisieren lässt. Es gab selten einen größeren Heuchler auf Gottes Erdboden.
unsgehtsgut 25.03.2014
4. Ganz ehrlich?
Das ist wieder so eine Angstmach-Veranstaltung. Wenn so eine Bombe irgendwo hoch geht gehe ich eher davon aus, dass diese von westlichen Geheimdiensten gezündet wurde als von Terroristen...wobei der Unterschied eigentlich nicht groß ist. Das hatten wir alles schon in den 70ern und 80ern. Überall wenden sich die Menschen von der gemachten Politik immer mehr ab (siehe z.B. Frankreich). Da kann man die entlaufenen Schäfchen natürlich wunderbar mit so einem Horror-Bömbchen wieder auf Linie bringen und ganz nebenbei wieder irgendwo einmarschieren. Terroristen wird es immer geben. Es gibt immer ein Restrisiko. Seit Jahrzehnten verschwinden radioaktive Materialien z.B. aus Krankenhäusern und da gab es auch keine Gipfel deswegen. Nur...wohin diese Materialien verschwunden sind kann uns natürlich niemand sagen...merkwürdig eigentlich bei der ganzen Abhör- und Verfolgungswut der Geheimdienste. Sonst findet man doch auch alles. Ich bin mir sicher, dass westliche Geheimdienste solche Anschläge inszenieren um die Menschen unter Angst zu halten und somit unter Kontrolle genauso wie sie z.B. in Syrien "Rebellen" ausrüsten und finanzieren um Länder zu destabilisieren und Regierungen zu stürzen. Wie schon erwähnt, ist es bereits erprobtes Verhalten.
nomadas 25.03.2014
5. Mit hoher Wahrscheinlichkeit
Herr Rutte riecht den Braten zwar durchaus richtig, doch sollte er statt nach den bösen Terroristen mal lieber Monsieur Hollande zu diesem Thema ansprechen, falls er sich taut. Denn, "geschrieben steht", dass es im "Raum Lyon" zum SuperGau kommen wird. Nun, nicht ganz verkehrt, wenn man sich mal dort alles genau ankuckt, was die liebe EDF so alles be-treibt,an altem, schludrigem Atomkraftwerksgewimmel:Bugey, Crey-Malville, St.Alban, Cruas, Tricastin und Marcoule. Wau, da kann echt mal so ein frensh egg in die Luft gehen. Ohl la la, Monsieur le président, très mal aimé!
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