Atomkonflikt Iran droht USA mit "Leid und Schmerzen"

Im Streit über sein Atomprogramm hat Iran den USA massiv gedroht. Sollten die Amerikaner den Weltsicherheitsrat einschalten, kämen "Leid und Schmerzen" auf die Vereinigten Staaten zu, warnte die Regierung in Teheran in einem Statement.


Wien - "Die USA haben zwar die Macht, Leid und Schmerzen zuzufügen, aber sie sind auch selber anfällig dafür", heißt es in einer Erklärung Irans, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. "Wenn die USA sich für diesen Weg entscheiden, dann soll der Ball entsprechend rollen."

Unbeirrbar auf Konfrontationskurs: Irans Präsident Ahmedinedschad.
AP

Unbeirrbar auf Konfrontationskurs: Irans Präsident Ahmedinedschad.

Der iranische Chefunterhändler in Wien, Dschawat Waidi, sagte der Nachrichtenagentur AFP, sein Land lasse sich durch US-Drohungen nicht einschüchtern: "Die USA haben die Macht, Leid und Schaden zuzufügen, doch sind sie selbst gegen Leid und Schaden nicht gefeit. Wenn sie diesen Weg einschlagen, dann werden sie schon sehen." Waidi betonte, sein Land halte an seinem Recht zur Urananreicherung fest, hoffe aber weiterhin auf einen Kompromiss.

Die USA hatten zuvor eine umgehende Tagung des Sicherheitsrates gefordert. "Die Zeit zum Handeln ist jetzt für den Sicherheitsrat gekommen", sagte der US-Botschafter bei der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), Gregory Schulte, heute vor dem Gouverneursrat der Organisation in Wien. Es gilt als möglich, dass das Gremium schon in der kommenden Woche zusammentritt. Der Gouverneursrat berät seit dem Vormittag über den kritischen Iran-Bericht des IAEA-Generaldirektors Mohammed al-Baradei und mögliche Konsequenzen.

Iran drohte außerdem mit einem Öl-Lieferstopp, sollte die Uno Sanktionen verhängen. Der Ölexport müsse in einem solchen Fall "überprüft" werden, hieß es.

Auch der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad warnte die westlichen Länder. "Wenn jemand die Rechte der iranischen Nation verletzen will, wird er es bald bereuen", sagte der ultrakonservative Staatschef heute bei einer im Fernsehen übertragenen Rede in der westlichen Provinz Lorestan. "Iran wird politischem Druck und Erpressung nicht nachgeben", bekräftigte Ahmadinedschad die unnachgiebige Haltung seines Landes im Atomstreit.

"Sie versammeln sich zu dritt, dann zu fünft, danach zu fünfzehnt, aber das wird nichts ändern", sagte Ahmadinedschad mit Blick auf das EU-Vermittlertrio aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Die USA und die EU fordern von Iran den vollständigen Verzicht auf die Urananreicherung.

Der Uno-Sicherheitsrat wird sich voraussichtlich schon in der kommenden Woche mit dem Streit um das iranische Atomprogramm befassen. Dies sagte ein Diplomat am Sitz der IAEA in Wien. Dort begann der IAEA-Gouverneursrat am Vormittag mit den abschließenden Beratungen zu einem kritischen Iran-Bericht von IAEA-Generaldirektor Mohammed al-Baradei. Nach den Beratungen wird der Bericht automatisch an den Uno-Sicherheitsrat weitergeleitet.

Der Uno-Sicherheitsrat könnte Sanktionen gegen Teheran beschließen; eine Option, die vor allem von Washington vorangetrieben wird. Der Westen verdächtigt die Islamische Republik, unter dem Deckmantel der friedlichen Nutzung von Kernenergie heimlich am Bau von Atomwaffen zu arbeiten.

als/lan/Reuters/afp



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