Atomstreit China warnt Nordkorea vor weiterer Eskalation

Die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea halten an. China mahnte Pjöngjang, den Konflikt nicht weiter zu eskalieren. Aus Kreisen der US-Regierung wurde ein Bericht dementiert, Washington sei zu einem Präventivschlag bereit.

US-Flugzeugträger "Carl Vinson"
REUTERS

US-Flugzeugträger "Carl Vinson"


Ein Vertreter der US-Regierung hat einen Medienbericht über die Vorbereitung eines Angriffs gegen Nordkorea dementiert. Der Bericht des TV-Senders NBC sei schlicht falsch, hieß es am Donnerstag. Ein anderer Regierungsvertreter sagte, der Beitrag sei "bestenfalls spekulativ". Das Verteidigungsministerium lehnte eine Stellungnahme ab. Man diskutiere mögliche Szenarien grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit.

NBC hatte unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise berichtet, die USA seien zu einem konventionellen Angriff auf Nordkorea bereit, wenn die Verantwortlichen von einem bevorstehenden neuen Atomwaffentest überzeugt seien.

Nordkoreas Vize-Außenminister beklagte gegenüber der Nachrichtenagentur AP den "boshafteren und aggressiveren" Stil der US-Regierung unter Präsident Trump. "Trump provoziert mit seiner aggressiven Wortwahl", sagte Han Song Ryol in einem Interview. "Wenn sie (die USA) das wollen, werden wir in den Krieg ziehen".

China warnte Nordkorea indes vor einer weiteren Eskalation des Konflikts. "Das Problem ist nicht durch einen Militäreinsatz lösbar", sagte Außenminister Wang Yi in Peking. "Wir werden auch inmitten dieser Spannungen einen Weg finden, zu Gesprächen zurückzukehren."

Zuletzt hatte es Hinweise gegeben, dass Nordkorea nach mehreren Raketentests einen neuen Atomwaffentest unternehmen könnte - möglicherweise sogar bereits zum 105. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung an diesem Samstag. Das US-Korea-Institut der Johns-Hopkins-Universität berichtete, Satellitenbilder des Testgeländes im Nordosten zeigten anhaltende sowie neue Aktivitäten.

Die USA haben bereits einen Flottenverband in die Region entsandt. Zwei US-Zerstörer, bewaffnet mit Marschflugkörpern des Typs Tomahawk, halten sich dem NBC-Bericht zufolge derzeit in der Nähe der Koreanischen Halbinsel auf. Einer davon sei etwa 480 Kilometer von dem mutmaßlichen Atomtestgelände entfernt.

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un
AFP

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un

"Ein rauchendes Trümmerfeld mit Millionen von Leichen"

China, das als Schutzmacht von Diktator Kim Jong Un gilt, hatte US-Präsident Donald Trump eindringlich vor einem Militärschlag gegen das abgeschottete kommunistische Land gewarnt. Trump verwies seinerseits darauf, dass der Flugzeugträger USS "Carl Vinson" in die Krisenregion unterwegs sei. "Wir schicken eine Armada, sehr schlagkräftig", sagte er dem TV-Sender Fox.

Experten warnen vor den unabsehbaren Folgen einer militärischen Eskalation in der Region. "Am Ende wird die koreanische Halbinsel ein rauchendes Trümmerfeld mit Millionen von Leichen sein, von den geopolitischen Konsequenzen ganz zu schweigen", sagte der Nordkorea-Analyst Rüdiger Frank der Nachrichtenagentur dpa. Dabei wäre Nordkorea nach Überzeugung von Frank bereit, über sein umstrittenes Atomprogramm zu verhandeln. Dazu müsse der Westen aber verstehen, dass Pjöngjang bestimmte Garantien brauche.

Videoanalyse zu Nordkorea: "Es würde um Millionen von Opfer gehen!"

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jok/Reuters/AFP/dpa



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