Atomstreit: EU beschließt schärfste Iran-Sanktionen

Teheran soll zu Verhandlungen über sein Atomprogramm gezwungen werden - mit neuen Sanktionen. Die Europäische Union hat sich auf neue Strafmaßnahmen verständigt. So sollen unter anderem Investitionen in die iranische Öl- und Gasindustrie verboten werden.

Brüssel - Im Atomstreit mit Iran hat die Europäische Union die bisher umfangreichsten Sanktionen gegen das Land beschlossen. Sie gehen weit über die im Juni vom Uno-Sicherheitsrat beschlossenen Strafmaßnahmen hinaus.

Die EU wolle der Regierung in Teheran unmissverständlich deutlich machen, dass sie an den Verhandlungstisch zurückkehren müsse, sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP). "Dass Europa hier zusammensteht und auch eine klare Sprache spricht, das wird nicht ohne Wirkung jenseits der Rhetorik in Iran sein." Iran hatte der EU am Wochenende mit einer harten Antwort gedroht.

Die EU-Außenminister verabschiedeten in Brüssel eine umfangreiche Sanktionsliste, sie soll schon in den kommenden Tagen gelten. Vorgesehen sind:

  • ein Verbot von Investitionen in die iranische Öl- und Gasindustrie
  • Handelsbeschränkungen für Güter, die sowohl zivil als auch militärisch verwendet werden können
  • Verbot von Export-Kreditgarantien mit einer Laufzeit von über zwei Jahren
  • Verbot von Frachtflügen in die EU
  • Bank-Überweisungen von mehr als 40.000 Euro werden genehmigungspflichtig
  • Die Liste mit Funktionären und Organisationen der iranischen Revolutionswächter erweitert, deren Konten eingefroren sind und deren Reisefreiheit eingeschränkt ist.

Iran überreichte am Montag als Antwort auf die von der EU beschlossenen Sanktionen einen offiziellen Brief an die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien. Der iranische IAEA-Botschafter Ali Asghar Soltanieh sagte vor Journalisten in Wien, sein Land mache in dem Brief deutlich, dass es zu weiteren Verhandlungen über das für einen Forschungsreaktor in Teheran benötigte Uran bereit sei. Die IAEA teilte mit, sie habe das Schreiben an die Regierungen von Frankreich, Russland, den USA sowie Brasiliens und der Türkei weitergeleitet.

Die Weltgemeinschaft verdächtigt Iran, unter dem Deckmantel der nuklearen Stromerzeugung an Atomwaffen zu arbeiten. Die Regierung in Teheran wies den Vorwurf stets zurück, erschwerte in der Vergangenheit aber immer wieder unabhängige Kontrollen seiner Atomanlagen. Anfang Juli hatten bereits die USA schärfere Sanktionen gegen die Islamische Republik verabschiedet.

Anfang September will Iran mit den fünf Uno-Vetomächten und Deutschland nach fast einem Jahr Stillstand wieder über sein Atomprogramm verhandeln, kündigte Außenminister Manuchehr Mottaki am Wochenende an. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und der Chef-Unterhändler Irans zum Atomprogramm, Said Dschalili, haben bereits Kontakt miteinander aufgenommen.

kgp/dpa/AFP/apn/Reuters

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insgesamt 1666 Beiträge
Ernst August 12.06.2010
Die Antwort gibt "der kleine iranische Mann" von der Straße selbst. Neben 118 von 189 NPT Staaten (UNO Atomwaffenspervertrag und für Abrüstung) die voll hinter dem Iran stehen erklären selbst Indien, Pakistan und [...]
Zitat von sysopDie angedrohten Sanktionen gegen Iran sind gestartet, doch es gibt Skeptiker, die deren Wirksamkeit bezweifeln. Können mit den Maßnahmen die Atompläne des Landes gestoppt werden?
Die Antwort gibt "der kleine iranische Mann" von der Straße selbst. Neben 118 von 189 NPT Staaten (UNO Atomwaffenspervertrag und für Abrüstung) die voll hinter dem Iran stehen erklären selbst Indien, Pakistan und andere eher "westliche" Staaten dass sie die Sanktionen für falsch halten.
no_not_now 12.06.2010
...auf welchem Parallelplaneten leben Sie denn ? Sind Sie hier der Märchenonkel ? Falls Sie ernst genommen werden wollen, sollten Sie zwischendurch mal 'ne Zeitung aufschlagen...
Zitat von Ernst AugustNeben 118 von 189 NPT Staaten (UNO Atomwaffenspervertrag und für Abrüstung) die voll hinter dem Iran stehen...
...auf welchem Parallelplaneten leben Sie denn ? Sind Sie hier der Märchenonkel ? Falls Sie ernst genommen werden wollen, sollten Sie zwischendurch mal 'ne Zeitung aufschlagen...
Ernst August 12.06.2010
Sorry - den kleinen Mann auf der Straße vergessen. Hier der Link. [...]
Zitat von Ernst AugustDie Antwort gibt "der kleine iranische Mann" von der Straße selbst. Neben 118 von 189 NPT Staaten (UNO Atomwaffenspervertrag und für Abrüstung) die voll hinter dem Iran stehen erklären selbst Indien, Pakistan und andere eher "westliche" Staaten dass sie die Sanktionen für falsch halten.
Sorry - den kleinen Mann auf der Straße vergessen. Hier der Link. http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1066572/Atom-Sanktionen-Iraner-sind-gelassen?bc=sts;stt#/beitrag/video/1066572/Atom-Sanktionen-Iraner-sind-gelassen
tao chatai 12.06.2010
Saudi Arabien hat (http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/middle_east/article7148555.ece) der Luftwaffe Israels einen Flugkoridor zum ueberfliegen fuer die geplante Atacke auf den Iran zur Verfuegung gestellt.
Zitat von Ernst AugustSorry - den kleinen Mann auf der Straße vergessen. Hier der Link. http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1066572/Atom-Sanktionen-Iraner-sind-gelassen?bc=sts;stt#/beitrag/video/1066572/Atom-Sanktionen-Iraner-sind-gelassen
Saudi Arabien hat (http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/middle_east/article7148555.ece) der Luftwaffe Israels einen Flugkoridor zum ueberfliegen fuer die geplante Atacke auf den Iran zur Verfuegung gestellt.
anathema 12.06.2010
Höchstwahrscheinlich nicht und sie haben allem Anschein nach auch nicht diese Intention. Es sind nämlich – genau genommen - nur Inszenierungen für militärische Maßnahmen und man folgt damit nur dem Beispiel des mit aller [...]
Zitat von sysopDie angedrohten Sanktionen gegen Iran sind gestartet, doch es gibt Skeptiker, die deren Wirksamkeit bezweifeln. Können mit den Maßnahmen die Atompläne des Landes gestoppt werden?
Höchstwahrscheinlich nicht und sie haben allem Anschein nach auch nicht diese Intention. Es sind nämlich – genau genommen - nur Inszenierungen für militärische Maßnahmen und man folgt damit nur dem Beispiel des mit aller Gewalt und Ranküne eingefädelten Irakkrieges unter der Regie derselben Kriegsagitatoren. Überdies haben sich Sanktionen bisher stets als kontraproduktiv erwiesen, ganz gleich wie raffiniert man sie in Szene gesetzt hat. De facto sind sie Erpressungen, werden als alternativlos dargestellt und stehen bewusst diplomatischen Regelungen und damit nötig werdenden Kompromissen – wie etwa der Schaffung einer atomwaffenfreien Nahostregion - von vornherein im Wege. Es handelt sich somit nur um eine weitere militärische Machtdemonstration der sich nach dem Kalten Kriege exorbitant immer höher rüstenden Militärmacht des Planeten, die unbeirrbar und ad infinitum an der Spirale der Gewalt nach Belieben dreht.
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  • Montag, 26.07.2010 – 14:24 Uhr
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Irans Atomprogramm
AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 74,962 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Mahmud Ahmadinedschad

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Uran und Atomwaffen
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.




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