Atomstreit in Nahost Sarkozy warnt Iran vor israelischem Militärschlag

Frankreichs Präsident Sarkozy warnt vor einer "Katastrophe": Wenn Iran sich weiterhin atomare Militärtechnologie aneigne, werde Israel angreifen - das sei die sichere Konsequenz, sagte er bei einem Gipfeltreffen in Damaskus.


Damaskus - Harte Worte Richtung Teheran: Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat Iran vor einer "Katastrophe" gewarnt, sollte das Land weiter nach Atomwaffen streben. Falls es das tue, gehe Teheran ein "großes Wagnis" ein - in diesem Fall sei ein israelischer Militärschlag programmiert, sagte Sarkozy am Donnerstag in Damaskus.

Frankreichs Präsident Sarkozy: Iran muss aufpassen
DPA

Frankreichs Präsident Sarkozy: Iran muss aufpassen

Bei dem Mini-Gipfel erörterte Sarkozy mit Vertretern von Syrien, Katar und der Türkei den Nahost-Konflikt und den Atomstreit mit Iran. Sollte Israel eingreifen, stelle sich nicht mehr die Frage, "ob das legitim oder besonders intelligent ist", führte der französische Staatschef weiter aus. Die Frage sei vielmehr, "was wir dann machen? Das wäre eine Katastrophe. Wir müssen diese Katastrophe verhindern." Dies ginge aber nur, wenn Iran auf sein Programm zur Urananreicherung verzichte.

Am zweiten Tag seines Besuchs in der syrischen Hauptstadt bot Sarkozy Israel und Syrien seine Unterstützung an, wenn sie von indirekten zu direkten Friedensgesprächen übergehen würden. Syrien und Israel hatten im Mai bekanntgegeben, dass über diplomatische Mittler Friedensgespräche führen. Wichtiger Streitpunkt sind die Golanhöhen, die Israel 1967 erobert und 1981 annektiert hatte.

Es sei nicht falsch, sich zunächst um einen der vielen Konflikte im Nahen Osten zu kümmern, sagte Sarkozy, "denn alle Konflikte in der Region verstärken sich gegenseitig". Bei dem Treffen kamen aber auch die Lage im Libanon und im Irak, die Krise in der sudanesischen Provinz Darfur und der Kaukasus-Konflikt zur Sprache.

Assad berichtete, Israel und Syrien bemühten sich derzeit um eine "Grundsatzerklärung für den Friedensprozess, die eine Grundlage für direkte Verhandlungen sein wird". Die dafür entscheidende fünfte Runde indirekter Gespräche, die für Sonntag in Istanbul geplant gewesen war, habe Israel jedoch abgesagt.

Syrien warte nun die Wahl des parteiinternen Nachfolgers von Israels Premier Ehud Olmert am 17. September ab, der wegen einer Korruptionsaffäre seinen Rücktritt angekündigt hatte. Auch eine neue US-Regierung, die an den Friedensprozess glaube, könne eine "wichtige Rolle" spielen, sagte Assad weiter.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der als Vermittler vor Ort war, teilte später mit, die nächste Verhandlungsrunde finde am 18. und 19. September statt. Den Ort des Treffens gab er nicht bekannt.

fat/Reuters/AFP/AP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.