Atomstreit mit Iran Ahmadinedschad kündigt Widerstand gegen den Westen an

Irans Präsident Ahmadinedschad reagiert mit scharfen Worten auf Sanktionsdrohungen des Westens im Atomstreit: Der wachsende Druck auf Teheran sei eine Beleidigung des iranischen Volkes - sein Land werde widerstehen.

Ahmadinedschad (links) mit Ecuadors Präsident Correa: "Wir brauchen keine Bomben"
AP

Ahmadinedschad (links) mit Ecuadors Präsident Correa: "Wir brauchen keine Bomben"


Quito/Washington - Die politische Führung in Iran setzt im Atomkonflikt mit dem Westen offenbar weiter auf Eskalation. Präsident Mahmud Ahmadinedschad kündigte am Freitag Widerstand seines Landes gegen jeglichen Druck auf Teheran an. Der Westen habe sich für weitere Strafmaßnahmen entschieden: "Sie beleidigen unser Land und unser Volk. Es ist klar, dass das iranische Volk widerstehen wird", sagte Ahmadinedschad bei einem Besuch in Ecuadors Hauptstadt Quito.

Die Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Atomprogramm seien nur ein Vorwand, betonte der Präsident. "Alle Welt weiß, dass Iran keine Atomwaffen baut." Sein Land sei nicht so unklug, Atomwaffen zu bauen, das ginge gegen die Moral der Menschheit. "Wir brauchen keine Bomben", erklärte Ahmadinedschad. Das eigentliche Problem für den Westen seien der "Fortschritt und die Unabhängigkeit" des Landes.

Zusammen mit Ecuadors Staatschef Rafael Correa sei er sich einig, eine gemeinsame Front gegen die Bedrohung des Völkerrechts zu bilden, erklärte Ahmadinedschad bei einer gemeinsamen Pressekonferenz nach dem Treffen. Correa bekräftigte seinerseits seine Ablehnung der Sanktionen gegen Iran wegen dessen Atomprogramms.

Ahmadinedschad erklärte bereits bei seiner Ankunft im Regierungspalast Carondelet, die "Dekadenz der Imperialismen" werde nicht durch "diesen Lärm" aufgehalten - in Anspielung auf die aktuelle Verschärfung des Konflikts zwischen Iran und den USA.

Erst am Donnerstag hatte Washington den Druck auf Teheran erhöht und Sanktionen gegen drei Unternehmen in China, Singapur und in den Vereinigten Arabischen Emiraten verhängt, die mit Iran Geschäfte machen.

Die Europäische Union will ein Ölembargo gegen Iran beschließen, hat den Zeitpunkt des Inkrafttretens jedoch noch nicht festgelegt. Nach Angaben von Diplomaten vom Freitag in Brüssel wollen die Außenminister der 27 EU-Staaten am 23. Januar den Stopp der Öleinfuhren aus Iran beschließen. Ebenso soll es schärfere Sanktionen gegen iranische Banken geben.

Vor allem Italien und Griechenland wollen möglichst lange Übergangsfristen, weil bis zu 14 Prozent ihrer Öleinfuhren aus Iran kommen. EU-Diplomaten sagten, es gebe bisher noch keinen Konsens über das Datum des Inkrafttretens von Maßnahmen. Allerdings gebe es durchaus Anzeichen dafür, dass man sich möglicherweise auf einen Zeitraum von sechs Monaten zwischen der Entscheidung über das Embargo und dessen Anwendung einigen könnte. Es sei aber auch möglich, dass diese Frage erst von den Ministern persönlich entschieden werde.

Teheran hatte zuletzt mit einer Blockade der wichtigen Seestraße von Hormus gedroht, sollte der Westen weitere Sanktionen gegen Iran beschließen. Washington reagierte jetzt mit einer ungewöhnlichen Drohung gegen Iran: Laut einem Bericht der "New York Times" ließ US-Präsident Barack Obama über geheime Kanäle eine Botschaft an Ajatollah Ali Chamenei übermitteln - eine Blockade der Seestraße komme der Überschreitung einer "roten Linie" gleich, sie würde eine Reaktion Washingtons provozieren, heißt es dem Zeitungsbericht zufolge in Obamas Drohung an den geistlichen Führer Irans. Die "New York Times" berief sich in ihrem Bericht auf namentlich nicht genannte US-Regierungsvertreter.

Durch die Straße von Hormus gehen rund 40 Prozent des weltweit auf dem Seeweg transportierten Öls. Die USA hatten zuletzt zwei Kriegsschiffe in die Region entsandt - es handele sich um eine Routinemaßnahme, hieß es dazu offiziell in Washington. Dennoch wird der Schritt von Beobachtern auch als Warnsignal Richtung Teheran gewertet.

hen/dpa/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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nurmeinsenf 13.01.2012
1. Knallköpfe und Zündler
Nein, eigentlich richtet sich der Druck mehr gegen die, die sich immer wieder als unberechenbare und gefährliche Zündler betätigen. Aber das werden weder die Ahmadinedschads noch die Kim Jong Sonstwas dieser Welt je verstehen...wollen.
c.wudi@gmx.de 13.01.2012
2. Kurzumfrage
Wird es Krieg mit dem Iran geben? Über den Link gelangen Sie zur Umfrage: Wird es Krieg mit dem Iran geben? | graph.me Umfrage (http://graph.me/p66021728/q)
überzwerg 13.01.2012
3.
Eine Beleidigung für das iranische Volk ist eher diese Präsident und die bigotte Theokratie, unter das Volk schon 30 Jahre zu leiden hat.
MoonofA 13.01.2012
4. ...
Zitat von sysopIrans Präsident Ahmadinedschad reagiert mit scharfen Worten auf Sanktionsdrohungen des Westens im Atomstreit: Der wachsende Druck auf Teheran sei eine Beleidigung des iranischen Volkes - sein Land werde widerstehen. Atomstreit mit Iran: Ahmadinedschad kündigt Widerstand gegen den Westen an - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,808925,00.html)
Der U.S. Verteidigungsminister hat vergangenen Sonntag im fernsehen ausdrücklich gesagt das der Iran KEIN Projekt zum Bau von Nuklearwaffen hat. Was sollen also die Sanktion und Boykotts wenn nicht das Regierungssystem Iran's stürzen. Zu wessen Gunsten würde das geschehen? Sicherlich nicht zu dem des iranischen Volkes. Das ist nach allen Umfragen mit gro0er Mehrheit mit dem System zufrieden.
zakalwe. 13.01.2012
5.
Ein furchtbarer Mensch. Er wird sein Land noch in den totalen Untergang führen. Ich bin mir ziemlich sicher, das es einen Atom-Iran nicht geben wird. Gott sei Dank.
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