Atomstreit mit Iran: Rice fordert von Uno Drohung mit Waffengewalt

Die Vereinigten Staaten fordern im Atomstreit harte Sanktionen gegen Iran: US-Außenministerin Condoleezza Rice forderte den Weltsicherheitsrat auf, eine Resolution zu verabschieden, die einen Militäreinsatz ausdrücklich einschließt.

Washington - Rice sagte, der Sicherheitsrat solle einen Beschluss entsprechend Kapitel VII der Uno-Charta fassen. Darin sind wirtschaftliche und diplomatische Sanktionen, aber auch Militäroperationen gegen einen Staat vorgesehen, der den Weltfrieden und die internationale Sicherheit gefährdet. Damit wiederholte die US-Außenministerin die Forderung des amerikanischen Botschafters bei den Vereinten Nationen, John Bolton. Bolton hatte bereits gestern Sanktionen gemäß der Uno-Charta gefordert und erwogen, noch vor Ablauf des Ultimatums am 28. April auf die jüngsten Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad zu reagieren.

Bislang hatte sich Rice stets für eine diplomatische Lösung ausgeprochen, ohne je ein militärisches Eingreifen auszuschließen. Vor wenigen Tagen hatte es Presseberichte gegeben, wonach das US-Militär Angriffspläne gegen Iran ausarbeitet. Die Regierung in Washington hatte die Darstellung zurückgewiesen. Wegen der erneuten Eskalation ist der Ölpreis zuletzt auf Rekordhöhen gestiegen.

Der Sicherheitsrat hatte Iran im Streit um dessen Atomprogramm Ende März eine 30-tägige Frist gesetzt, alle seine Aktivitäten zur Urananreicherung zu beenden. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte kürzlich erklärt, sein Land habe erfolgreich Uran angereichert. Iran sei nun eine Atommacht und werde mit anderen Ländern ausschließlich aus dieser Position heraus verhandeln, bekräftigte er heute. Diese Ankündigungen werden nahezu weltweit als Provokation empfunden.

In Teheran führte der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed el Baradei, erste Gespräche mit iranischen Vertretern, um Iran zum Einlenken zu bringen. Er könne vorerst nicht bestätigen, dass Iran tatsächlich Uran in niedriger Konzentration angereichert habe, betonte el Baradei. Die Inspektoren der Atomenergiebehörde hätten bereits Proben genommen, welche noch überprüft werden müssten.

Die islamische Republik bemühe sich allerdings um die Beantwortung offener Fragen, sagte el Baradei. Er setze weiterhin auf eine friedliche Lösung. Ein hoher IAEA-Vertreter sagte in Wien, es gebe Anzeichen dafür, dass Teheran bereit sein könnte, einige der noch fehlenden Informationen preiszugeben.

Die iranische Regierung wies erneut die internationalen Forderungen nach einem Stopp seines Atomprogramms zurück.

agö/afp/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback