Atomstreit USA wollen Belege für Irans Atombombe vorlegen

Einen Tag vor der entscheidenden Sitzung der Atomenergiebehörde IAEA kündigen die USA brisante Neuigkeiten an. Laut dem Nachrichtenmagazin "Time" wollen sie dem Uno-Sicherheitsrat Dokumente vorlegen, die konkrete Pläne Irans zum Bau einer Atombombe belegen sollen.


Washington/Hamburg - Die USA seien in den Besitz eines Laptop-Computers gelangt, auf dem ein iranischer Ingenieur Pläne für den Bau einer Atombombe gespeichert habe, meldete "Time" heute unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten US-Diplomaten. Die Zeichnungen erinnerten an die ersten einfachen Atombomben amerikanischer Bauart. "In Hinblick auf Größe, Gewicht, Schlagkraft und Explosionshöhe kann es sich hier nur um eine Atombombe handeln", zitiert "Time". Aus Regierungskreisen hieß es, das Material sei bedrohlich, aber es sei nicht die smoking gun, der unwiderlegbare Beweis für eine iranische Atombombe.

Eine Skizze zeige einen metallischen Körper mit 61 Zentimetern Durchmesser und 200 Kilogramm Gewicht. Auf einer anderen Zeichnung sei eine mit Sprengstoff versehene Außenhülle zu sehen, die den Kern der Bombe zur Zündung bringen könne. Die Bauart ähnele der Bombe "Fat Man", mit der die USA im Jahr 1945 die japanische Stadt Nagasaki zerstört hatten. Der Laptop soll dem iranischen Ingenieur laut "Time" gestohlen worden sein. Anschließend habe ihn die CIA "erhalten".

Laut einem vergangene Woche veröffentlichten Bericht von IAEA-Generaldirektor Mohamed al-Baradei haben iranische Offizielle allerdings einige der auf dem Laptop gespeicherten Dokumente als konstruiert bezeichnet.

Morgen tritt in Wien der Gouverneursrat der IAEA zu mehrtägigen Beratungen zusammen. Al-Baradeis Bericht über das iranische Atomprogramm steht voraussichtlich am Dienstag oder Mittwoch auf der Tagesordnung. Laut al-Baradei konnten die "Ungewissheiten" über Umfang und Natur des Atomprogramms in den vergangenen drei Jahren nicht ausgeräumt werden. Der Bericht wird nach den Beratungen automatisch an den Uno-Sicherheitsrat weitergeleitet, der schon am 4. Februar über den Atomstreit informiert worden war. Eine Resolution räumte jedoch eine Frist bis zum 6. März für diplomatische Verhandlungen ein. Der Sicherheitsrat kann Sanktionen gegen Teheran verhängen.

USA erwägen Ultimatum an Iran

Die USA brachten heute abermals ein Ultimatum an die Islamische Republik ins Gespräch. Sein Land erwäge, dass der Uno-Sicherheitsrat Iran auffordere, sein umstrittenes Atomprogramm aufzugeben, sagte ein US-Vertreter. Iran solle dann "ein Zeitraum zwischen 30 und 60 Tagen für eine Antwort" eingeräumt werden. Danach müsse der Sicherheitsrat im Zweifel überlegen, was zu tun wäre, um den Druck weiter zu erhöhen. Der Sicherheitsrat kann wirtschaftliche, aber auch militärische Sanktionen beschließen.

Der US-Botschafter bei der Uno, John Bolton, sagte heute in einer Rede vor einer jüdisch-amerikanischen Gesellschaft, der Sicherheitsrat werde zunächst noch keine Sanktionen verhängen. Sollte der Iran seine Schritte zur Urananreicherung aber fortsetzen, müsse das Land "mit schmerzhaften Konsequenzen" rechnen. Die USA würden in diesem Fall "alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel" nutzen.

Unterdessen bekräftige Iran heute seine Absicht, sein Atomprogramm unter allen Umständen fortzusetzen. Sollte sich der Uno-Sicherheitsrat mit dem Thema befassen, werde man die Uran-Anreicherung wieder voll aufnehmen, sagte der iranische Atomunterhändler, Ali Laridschani, in Teheran. In der iranischen Hauptstadt demonstrierten heute wieder Tausende für das iranische Atomprogramm.

har/afp/rtr/dpa



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