Seoul/Pjöngjang - Es dauerte nicht lange, bis die Fahnen brannten. Um 12 Uhr Ortszeit wurden die ersten Erschütterungen aus Nordkorea gemeldet, schon kurz darauf war klar, dass es sich wohl kaum um ein natürliches Erdbeben in dem isolierten Land gehandelt hat. Stattdessen hat Machthaber Kim Jong Un seine Drohung wahr gemacht - und den dritten Atomtest in der Geschichte seines Landes veranlasst. Aus aller Welt setzt es seit den ersten Meldungen heftige Proteste, US-Präsident Barack Obama sprach von einer Gefährdung des Weltfriedens. Und in Seoul, der Hauptstadt des Nachbarn Südkorea, verbrannten Demonstranten Flaggen und Kim-Poster.
Die schärfsten Proteste gegen die nordkoreanische Provokation kamen bisher aus Washington. Dort nannte Obama den Test einen "höchst provokativen Akt", der die "Stabilität in der Region gefährdet". Die Zündung sei eine Bedrohung für die USA und die gesamte Welt. Daher müssten nun "rasche und glaubhafte Schritte" der internationalen Gemeinschaft getroffen werden. Diese könnten schon am Dienstag auf den Weg gebracht werden. Dann tritt der Uno-Sicherheitsrat zu einer Krisensitzung zusammen.
Sogar aus China, eigentlich eines der wenigen Unterstützerländer des Regimes in Pjöngjang, setzte es Kritik an dem unterirdischen Bombentest. Man "missbillige die Entscheidung stark", teilte das Außenministerium mit. Zugleich rief die Führung in Peking alle Betroffenen auf, besonnen zu bleiben und die Probleme im Dialog zu lösen. Von konkreten Schritten gegen das Regime war keine Rede.
Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat den jüngsten Atomtest Nordkoreas "als einen erneuten eklatanten Verstoß gegen Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats" auf "das Schärfste" verurteilt. Westerwelle erklärte am Dienstag in Berlin, "weitere Sanktionen gegen das Regime in Pjöngjang" müssten "jetzt ins Auge gefasst werden".
Der Außenminister begrüßte, dass der Uno-Sicherheitsrat schon im Laufe des Tages zu einer Dringlichkeitssitzung zusammentreten werde. Eine klare Haltung müsse die Antwort der internationalen Gemeinschaft "auf diese erneute Provokation sein", hieß es in der Erklärung Westerwelles weiter. Auch der EU-Außenministerrat wird am kommenden Montag darüber beraten. Proteste kamen zudem aus Frankreich, Großbritannien, Russland, Indien und von der EU.
Test kommt zu besonders schlechtem Zeitpunkt
Der Test dürfte auch das traditionell schwierige Verhältnis Pjöngjangs zu Südkorea weiter verschlechtern. Dort steht in zwei Wochen der Amtsantritt der neuen Präsidentin Park Geun Hye an. Diese hatte, anders als ihr Vorgänger Lee Myung Bak, schon im Vorfeld einen möglichen Dialog mit dem Norden in Aussicht gestellt. Der Test vom Dienstag macht diesen kaum einfacher.
Südkoreanische Beobachter gehen davon aus, dass der Test eine Sprengkraft von sechs bis sieben Kilotonnen TNT gehabt haben könnte, sagte der Ministeriumssprecher in Seoul. Erste Schätzungen hatten bei zehn Kilotonnen gelegen. Zum Vergleich: Die Bombe, die 1945 über Hiroshima niedergegangen war, hatte eine Sprengkraft von 13 bis 16 Kilotonnen.
Es war der dritte Atomtest in der Geschichte des Landes nach 2006 (eine Kilotonne) und 2009 (zwei Kilotonnen), aber der erste unter dem neuen Diktator Kim Jong Un.
Nordkoreas Regime feiert die umstrittene Aktion unterdessen als vollen Erfolg. Die Explosion sei "sicher gewesen und perfekt verlaufen", hieß es. Wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA weiter meldet, habe es sich um "einen miniaturisierten Sprengsatz mit großer Stärke" gehandelt. Dieser sei zudem deutlich leichter gewesen als bei den beiden Tests in der Vergangenheit.
jok/AP/dpa/Reuters
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Nordkorea | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH