"Duschen Sie mit viel Seife" Wie Guam seine Bürger auf den Atomangriff vorbereitet

Keine Gefahr aus Nordkorea? Auf der Pazifikinsel Guam haben die Behörden jetzt ein Merkblatt verteilt, das Bürgern Ratschläge gibt, wie sie sich im Falle einer Attacke mit Atomwaffen verhalten sollen.

Pazifikinsel Guam
AP

Pazifikinsel Guam


Die Verwaltung der Pazifikinsel Guam bereitet ihre Bewohner auf einen möglichen Atomwaffenangriff durch Nordkorea vor - mit einem Merkblatt, das an die Zeit des Kalten Kriegs erinnert. "Legen Sie sich flach auf den Boden und bedecken Sie Ihren Kopf", lautet einer der Tipps der Heimatschutz-Behörde auf dem Außengebiet der USA.

Für den Fall eines Kontakts mit radioaktiven Stoffen heißt es: "Duschen Sie mit sehr viel Seife und Wasser." Allerdings sollten die Inselbewohner keine Haarspülung benutzen, "denn diese bindet radioaktives Material in Ihrem Haar".

Auch für den Fall eines Atomangriffs am helllichten Tag gibt es Ratschläge: "Sollten Sie im Freien überrascht werden, schauen Sie nicht in den Blitz oder in den Feuerball. Dadurch können Sie erblinden." Stattdessen sei es gut, sofort in Deckung zu gehen, "hinter irgendetwas, das Schutz bietet".

Vorsorglich rufen die Heimatschützer von Guam auch zur Geduld auf: Eventuell sei es bei einem Raketenbeschuss nötig, mindestens 24 Stunden im Haus zu bleiben - "außer, die Behörden ordnen etwas anderes an".

Auf der Insel sind 6000 US-Soldaten

Guam ist gut 3000 Kilometer von Pjöngjang entfernt und misst rund 550 Quadratkilometer, auf der hügeligen und stark bewaldeten Insel leben rund 162.000 Menschen. Mit ihren malerischen Stränden ist sie vor allem für Japaner und Südkoreaner ein beliebtes Urlaubsziel. Etwa ein Drittel der Bevölkerung arbeitet im Tourismussektor. Der internationale Flughafen nahe der Hauptstadt Hagatña ist Drehscheibe im Luftverkehr zwischen Asien und Nordamerika.

US-Truppen hatten Guam 1898 im Spanisch-Amerikanischen Krieg erobert. Durch den 1899 ratifizierten Friedensvertrag von Paris wurde die Insel Kolonie der USA. Im Dezember 1941, kurz nach dem Überraschungsangriff Japans auf den US-Stützpunkt Pearl Harbour auf Hawaii, landeten japanische Truppen auf Guam. Bis Juli 1944 war die Insel japanisch besetzt. Danach unterstand sie wieder den USA.

Derzeit sind etwa 6000 US-Soldaten auf Guam stationiert. Auf der Insel befinden sich mehrere US-Militärstützpunkte, darunter die strategisch wichtige Anderson Air Force Base und die Naval Base Guam.

"Stehen tausendprozentig zu euch"

Nach jüngsten Angaben des Weißen Hauses sind die US-Armeeeinheiten auf einen möglichen Angriff Nordkoreas auf Guam vorbereitet. US-Präsident Donald Trump sicherte Gouverneur Calvo in einem Telefonat zu, dass die US-Armee bereit stehe, die Sicherheit der Menschen in Guam zu gewährleisten: "Wir stehen tausendprozentig zu euch, ihr seid sicher."

Bei einem Zwischenstopp auf der Insel hatte US-Außenminister Rex Tillerson noch am vergangenen Donnerstag gesagt, er glaube nicht, dass es eine unmittelbare Bedrohung gebe, die Amerikaner könnten ruhig schlafen.

mbö/AFP



insgesamt 58 Beiträge
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bildungsbürger1 13.08.2017
1.
Duck and cover
michael_aus_norwegen 13.08.2017
2. Und was ist mit der aktentasche?
In den 50ern und 60er Jahren wurde den bundesrepublikanischen Bürgern geraten, den Kopf mit einer Aktentasche zu schützen. Das har man hier scheinbar vergessen, aber der Tip mit der Haarspühlung ist richtig gut...
keine-#-ahnung 13.08.2017
3. Gehörte zu meinen Zeiten ...
... zum Lehrstoff aller Schulen. Trotzdem habe ich mich persönlich nie vor Krieg beschützter gefühlt als zu Zeiten des Kalten Krieges. Das mit der Haarspülung ist allerdings neu für mich - wieder was gelernt :-) !
MisterD 13.08.2017
4. Naja nun... was soll man den Leuten sonst sagen?
Man kann ja schlecht verlautbaren "Stellen Sie sich aufrecht ins Freie, gucken Sie in den Blitz, genießen Sie die schöne Pilzwolke, Sie werden ohnehin sofort oder an Strahlenkrankheit sterben"?
checkitoutple 13.08.2017
5. Der Angriff auf Guam wäre natürlich Idiotisch
Die Insel ist bestens mit Abwehr Raketen versorgt, die Wahrscheinlichkeit das dort eine Langstrecken Rakete in die Nähe der Insel kommen kann ist gleich Null. Die würden schon hunderte von KM vorher abgeschossen.
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