Neue Atomwaffen Moskau kritisiert "kriegerischen Charakter" von US-Plänen

Rüstungspläne der USA empören die russische Regierung: Washington will zur Abschreckung kleinere Atomwaffen entwickeln. Das Papier des Pentagons strotze vor "antirussischen Klischees", schimpft Moskau.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow
AP

Russlands Außenminister Sergej Lawrow


Moskau hat die Ankündigung der US-Streitkräfte zur Modernisierung ihres Atomwaffenarsenals scharf kritisiert. Das russische Außenministerium äußerte sich "zutiefst enttäuscht" und erklärte, der "kriegerische und antirussische Charakter" des entsprechenden Dokuments springe bei der ersten Lektüre ins Auge. Es sei der Versuch der USA, Russlands "Notwehrrecht in Frage zu stellen" und die eigene Verantwortung für die Verschlechterung der internationalen und regionalen Sicherheitslage auf andere abzuwälzen.

In einem Pentagon-Papier zur US-Atomwaffendoktrin, das am Freitag vorgestellt wurde, heißt es, neue Nuklearwaffen von kleinerer Größe sollten entwickelt werden und in erster Linie der Abschreckung Russlands dienen. Die neuen taktischen Atomwaffen seien die Antwort auf die Ausweitung der russischen Nuklearwaffenkapazität. Die bisherigen Atomwaffen würden durch neue Sprengkörper ersetzt. Das US-Atomwaffenarsenal werde dadurch nicht ausgeweitet.

Russische Regierung spricht von "abwegigen Beschuldigungen"

In der Erklärung des russischen Außenministeriums heißt es, das 75-seitige Pentagon-Papier strotze vor "antirussischen Klischees" - angefangen von "abwegigen Beschuldigungen über ein 'aggressives Verhalten' und alle möglichen 'Einmischungen' bis hin zu ebenfalls unbegründeten Beschuldigungen über 'Verletzungen' der ganzen Liste von Abkommen zu Waffenkontrollen".

Russland versichere, seine Verpflichtungen bezüglich aller internationaler Verträge einzuhalten und sei trotz allem bereit, mit Washington zugunsten einer "stabilen Beziehung" und dem "Erhalt der strategischen Stabilität" zusammenzuarbeiten.

In dem Pentagon-Dokument werden zwar auch die Sorgen der US-Regierung hinsichtlich der Atomprogramme in Nordkorea, in Iran und in China unterstrichen. Doch der Schwerpunkt liegt eindeutig auf Russland.

cte/AFP



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