Atomwaffentests 15.000 Krebstote in den USA

Eine bisher unveröffentlichte Regierungsstudie bringt es an den Tag: Hunderte von Atomtests haben in den USA mindestens 15.000 Menschen das Leben gekostet. Das sind wesentlich mehr als bisher angenommen.


Atompilz beim Test einer H-Bombe auf den Marschall-Inseln
AP

Atompilz beim Test einer H-Bombe auf den Marschall-Inseln

Washington - "Duck and cover", hieß es in den fünfziger und sechziger Jahren in den USA, wenn es darum ging, über die Gefahren einer Atombombe aufzuklären. Als ob es im Falle eines Super-GAU genügte, sich unter dem Wohnzimmertisch zu verbergen. Die Gefahr wurde offenbar anfangs nicht nur unterschätzt - die tödlichen Folgen eigener Atomversuche wurden bis heute verharmlost und zurückgehalten.

Die Zeitung "USA Today" berichtet jetzt, auf dem Gebiet der USA sei wesentlich mehr radioaktiver Niederschlag niedergegangen als bislang angenommen. Besonders betroffen sei der Bundesstaat Nevada.

Doch nicht nur in den USA wurde in Sachen Atomtest nicht mit offenen Karten gespielt. Ähnliches gelte für die ehemalige Sowjetunion und die Pazifikinseln, berichtet die Zeitung. Eine Studie des US-Gesundheitsministeriums liege der Redaktion in Auszügen vor.

Danach starben 15.000 nach 1951 geborene Amerikaner an Krebs, der direkt auf radioaktive Verstrahlung durch Atomwaffentests zurückgeführt werden könne. 20.000 nicht tödlich verlaufene Krebserkrankungen seien ebenfalls wahrscheinlich direkte Folge der Tests. Die überirdischen Atomtests wurden erst 1963 verboten.

Die Studie sei von der US-Gesundheitsbehörde CDC in Atlanta durchgeführt worden, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Donnerstag in Washington. Bei der CDC war zunächst niemand zu erreichen, der über die Studie Auskunft geben konnte.



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