Attacke auf US-Präsident Bush TV-Sender lobt den Schuhwerfer von Bagdad

"Das ist der Abschiedskuss, du Hund!", rief Muntader al-Zaidi - und schleuderte in Bagdad seine Schuhe auf den US-Präsidenten Bush. Nun sitzt der irakische TV-Journalist in Gewahrsam. Sein Sender al-Bagdadija steht voll hinter dem Korrespondenten - und nicht nur der.


Bagdad - Sein Ziel hat er knapp verfehlt, ein Held ist er für viele in seiner Heimat dennoch. Der irakische TV-Journalist Muntader al-Zaidi bekommt für seine ungewöhnliche Schuhwurfattacke auf George W. Bush Zuspruch von seinem Arbeitgeber, von Kollegen und anderen Landsleuten.

Der Sender al-Bagdadija, für den Zaidi berichtet, veröffentlichte eine Erklärung in eigener Sache zu dem Zwischenfall. Darin rief al-Bagdadija die internationale Presse zur Solidarität mit dem Korrespondenten auf. Eine große Zahl politischer Figuren und Intellektueller, heißt es in dem Statement, habe sich bereits hinter Zaidi gestellt. Auch Parlamentsabgeordnete und Stammesführer hätten sich in diesem Sinne geäußert.

Zaidi hatte Bush am Sonntag während einer Pressekonferenz mit dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki in Bagdad mit seinen Schuhen beworfen. Dabei rief er unter anderem: "Das ist der Abschiedskuss, du Hund!" Bush duckte sich, und weder er noch Maliki wurden getroffen. Dass es sich um Schuhe der Größe 44 gehandelt habe, sei alles, was er zu dem Zwischenfall sagen könne, witzelte Bush später.

US-amerikanische und irakische Sicherheitskräfte überwältigten den Werfer und führten ihn ab. Im Bagdader Büro von al-Bagdadija hieß es am Montagmorgen, dass Zaidi noch nicht wieder auf freiem Fuß sei. Ein irakischer Regierungsvertreter sagte der Nachrichtenagentur AP, Zaidi werde derzeit verhört und auf Alkohol und Drogen getestet. Man wolle zudem herausfinden, ob jemand den Schuhangreifer für seine Tat bezahlt habe.

Schon unmittelbar nach der Schuhattacke hatte der Sender al-Bagdadija, der zwar ein Büro in Bagdad betreibt und Irakern gehört, seinen Sitz aber in Kairo hat, sich mit seinem Mitarbeiter solidarisiert und die irakischen Sicherheitsbehörden aufgefordert, den Journalisten schnellstmöglich freizulassen.

Die regierungskritische irakische Nachrichtenagentur INA übermittelte Zaidi Glückwünsche: "Wir gratulieren ihm zu seinem mutigen Auftreten", erklärte INA am Montag. Der sunnitische Rat der Religionsgelehrten sprach von einem "historischen Moment", in dem Bush und der Weltöffentlichkeit gezeigt worden sei, "was die Iraker von der Besatzung halten".

Kritik kam vom Vorsitzenden der irakischen Organisation für Pressefreiheit, Ziad al-Adschili. Er verurteilte das "unprofessionelle Auftreten" des Journalisten.

Bush verteidigt Irak-Krieg

Bush betonte auf der Pressekonferenz mit Maliki, auch fast sechs Jahre nach seinem Beginn sei der Krieg im Irak noch nicht vorbei. Gemeinsam mit dem irakischen Regierungschef unterzeichnete er ein Sicherheitsabkommen, das am 1. Januar in Kraft tritt.

Es sieht einen Abzug der US-Kampfeinheiten bis Juni aus den irakischen Städte und binnen drei Jahren aus dem gesamten Land vor. Das Abkommen sei eine solide Basis für die künftigen Entwicklungen im Irak, erklärte Bush.

Der designierte US-Präsident Barack Obama will innerhalb von 16 Monaten alle US-Truppen aus dem Irak nach Hause holen. Derzeit sind fast 150.000 amerikanische Soldaten im Irak stationiert, mehr als 4200 wurden dort seit Kriegsbeginn getötet. Der Krieg hat die amerikanischen Steuerzahler bislang 576 Milliarden Dollar gekostet.

Bush reiste nach seinem überraschenden Besuch im Irak nach Afghanistan weiter. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Bagram traf er mit mehr als tausend amerikanischen und anderen Soldaten zusammen. Anschließend sprach er in Kabul mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai.

"Afghanistan ist ein dramatisch anderes Land als vor acht Jahren. Wir machen hoffnungsvolle Fortschritte", sagte Bush am frühen Montagmorgen vor den Militärangehörigen. Karzai sicherte er die weitere Unterstützung der USA zu: "Genauso, wie sie auf diese Regierung zählen konnten, werden sie auch auf die nächste Regierung zählen können." Karzai erklärte, Afghanistan wolle nicht für immer von internationaler Hilfe abhängig sein, brauche aber noch für einige Zeit Unterstützung aus dem Ausland.

Die USA haben derzeit rund 31.000 Soldaten in Afghanistan stationiert. Kommandeure haben eine Verstärkung um mindestens weitere 20.000 Soldaten gefordert. Der künftige US-Präsident Barack Obama hat sich ebenfalls für eine Truppenverstärkung in Afghanistan ausgesprochen.

phw/AP

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