Attacke in Jerusalem Terrorbrigaden bekennen sich zu Bulldozer-Todesfahrt

Er pflügte mit einem Bagger über Autos, Menschen wurden regelrecht zerquetscht: Ein Palästinenser hat in Jerusalem in einer blutigen Amokfahrt vier Menschen getötet und Hunderte in Panik versetzt. Mehrere militante Gruppen bekennen sich zu dem Anschlag, die Hamas nimmt den Attentäter in Schutz.

Von , Naharija


Naharija - Anfangs sah es so aus, als sei das Ganze ein Unfall, ein Missgeschick, sagten Augenzeugen später. Doch als der Bagger gezielt Autos, Busse und Fahrzeuge aufs Korn nahm, war klar: Am Steuerrad des Bulldozers, der kurz nach 12 Uhr durch die Menschenmenge auf Jerusalems belebter Jaffa-Straße pflügte, sitzt entweder ein Amokläufer - oder ein Terrorist.

Der Baggerführer tötete mehrere Menschen, verletzte über 40, überrollte Autos, stieß zwei voll besetzte Busse um. Dann schaffte es ein 18-jähriger Soldat außer Dienst, auf das schwankende Fahrzeug aufzuspringen und den Mann zu erschießen.

Beim Täter, der als Baggerfahrer bei einer lokalen Baufirma beschäftigt war, fanden die Beamten einen blauen Personalausweis, wie ihn Palästinenser bekommen, die in Ost-Jerusalem leben und mit dem sich die Inhaber in Israel bewegen können. Hossam D. aus dem Ost-Jerusalemer Vorort Jebl Mukaber soll Vater zweier Kinder und bei der Polizei aktenkundig gewesen sein. Zeugen sagen, der 32-Jährige hätte eine Pistole bei sich gehabt und vor seinem Tod noch auf einen Elite-Polizisten gefeuert.

Zu der Tat haben sich drei Organisationen bekannt: Die al-Aksa-Märtyrer-Brigaden, die lose mit der Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas verbunden sind; "die Brigaden der freien Menschen von Galiläa", denen Verbindungen zur Hisbollah nachgesagt werden; und eine militante linksradikale Gruppierung. Die Hamas sprach in einer ersten Reaktion davon, dass der Anschlag eine "natürliche Reaktion auf Israels Angriffe" sei. Die Palästinenserorganisation gab allerdings an, sie wisse nicht, wer hinter dem Attentat stecke.

Immer wieder blutige Anschläge auf der Jaffa-Straße

Die Jaffa-Straße, auf der sich die Amokfahrt ereignete, ist eine der Hauptverkehrsadern der israelischen Metropole. Sie führt von den Toren der Stadt durch die Innenstadt mit der Haupteinkaufszone zur historischen Altstadt. Derzeit wird parallel zur Straße eine Tramlinie gebaut, weshalb Bagger und Planierraupen Teil des Alltags entlang der Straße sind.

Während der zweiten Intifada kam es in der Gegend um die Jaffa-Straße immer wieder zu blutigen Selbstmordanschlägen - wohl auch, weil in einem nahen Hochhaus die meisten ausländischen Fernsehsender ihre Büros haben. Die auf Öffentlichkeit erpichten Attentäter konnten darauf zählen, dass Minuten nach einem Anschlag die ersten Bilder über die Bildschirme liefen.

So war es auch dieses Mal: Ab Mittag zeigten Israels TV-Sender in Endlosschleifen, wie der Bagger einen Kleinwagen zermalmt, wie Männer im vergeblichen Versuch, die Todesfahrt zu stoppen, hinter dem Fahrzeug herhetzen, wie sich ein junger Mann ans Führerhäuschen klammert und in die Kabine greift. Dann spritzt plötzlich Blut von innen gegen die Windschutzscheibe, der Fahrer sackt zur Seite.

Fernsehbilder von einem blutüberströmten Baby

In der Innenstadt herrschte nach dem Attentat Panik: Hunderte Menschen rannten in Angst davon. Am Unglücksort lagen Verletzte zwischen Glassplittern und Blutlachen auf dem Asphalt. Ein blutüberströmtes Baby war auf den Fernsehbildern zu sehen, eine Frau rief nach ihrem Kind. Etwa ein Dutzend Autos standen zerquetscht auf der Straße und auf den Bürgersteigen. "Das war ein Alptraum", sagte der 19 Jahre alte Soldat Ben Schimon. "Der Mann rammte alles, was er kriegen konnte. Er hatte eine Pistole und begann, auf einen Polizisten zu schießen."

Die 52-jährige Esther Valencia, die zu Fuß auf der Jaffa-Straße unterwegs war, konnte dem Fahrer in letztem Moment entkommen: Jemand habe sie rechtzeitig aus dem Weg geschubst, sagt Valencia. "Es war ein Wunder, dass ich da raus kam."

Der Anschlagsort liegt nur wenige hundert Meter von der Mercaz-Harav-Religionsschule entfernt. Dort starben im März acht Studenten, als ein radikaler Palästinenser die Schule stürmte und wild um sich schoss. Israelische Medien gaben an, dass der heutige Attentäter aus dem gleichen Stadtviertel stammt wie der damals Erschossene.

mit Material von AFP/AP/dpa



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