Attentat in Kairo Polizei nimmt nach Anschlag zwei Verdächtige fest

Sie wollten noch schnell Souvenirs besorgen - da schlugen die Attentäter zu: Bei einem Anschlag auf einen Kairoer Basar ist ein Sprengsatz inmitten einer französischen Jugendgruppe explodiert, eine Schülerin starb. Unter den Verletzten ist auch ein Deutscher. Die Polizei nahm zwei Verdächtige fest.


Kairo - Blutiger Anschlag auf ein Touristenziel: Bei einem Bombenanschlag auf einen belebten Basar ist am Sonntag in Kairo eine 17 Jahre alte Französin getötet worden. Mehr als 20 Menschen, darunter ein Deutscher, wurden nach ägyptischen Angaben verletzt.

Nach Angaben der Sicherheitskräfte wurden drei Verdächtige festgenommen. Der US-Fernsehsender CNN berichtet allerdings, es seien nur zwei Personen, ein Mann und eine Frau. Zur Identität der Verdächtigen teilten die ägyptischen Sicherheitsbehörden keine Einzelheiten mit. Bekannt hat sich zu dem Anschlag allerdings noch niemand. In der Vergangenheit hatten die Islamistengruppe Dschamaa Islamija und die Gruppe Tawhid wal-Dschihad mehrere folgenschwere Anschläge in Ägypten verübt.

Letzte Einkäufe vor dem Rückflug - dann der Anschlag

Die ägyptischen Sicherheitskräfte sprachen von 25 Verletzten, unter ihnen 17 französische Jugendliche, ein 37-jähriger Deutscher, drei Saudi-Araber sowie drei Ägypter. Die Franzosen gehörten zu einer Reisegruppe aus dem Pariser Vorort Levallois-Perret. Nach Angaben französischer Medien gehörte auch das getötete Mädchen zu der Jugendgruppe. Die Schüler waren gerade dabei, ihre letzten Einkäufe vor dem Rückflug zu erledigen. Bis auf drei konnten alle das Krankenhaus bis Mitternacht wieder verlassen. Die Gemeinde im Département Hauts-de-Seine richtete ein Krisenzentrum zur Betreuung der Angehörigen ein, berichtet die Zeitung "Le Parisien".

14 der jungen Franzosen sollten noch am Montagvormittag in Paris eintreffen. Ein Franzose befindet sich nach ägyptischen Behördenangaben in kritischem Zustand, er soll in Kairo operiert werden. Zwei weitere wurden weiter im Krankenhaus behandelt. Die Eltern der getöteten Französin und des Schwerverletzten werden am Montag in Kairo erwartet.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte am Sonntagabend, der Deutsche leicht verletzt worden. Er wurde zunächst in ein Krankenhaus in der ägyptischen Hauptstadt eingeliefert, am Montag Vormittag aber entlassen worden. Die deutsche Botschaft in Kairo sei eingeschaltet.

Zu dem Hergang der Explosion sagte ein Polizist nach Angaben des arabischen Fernsehsenders al-Dschasira: "Es war ein Sprengkörper, vielleicht eine Handgranate." Augenzeugen berichteten, der Sprengkörper sei aus einem Hotel auf die Menschen geworfen worden. Nach offiziellen Angaben allerdings war der Sprengkörper unter einer Bank aus Stein versteckt, hieß es bei CNN.

"Es gab einen lauten Knall"

Passanten wurden durch umherfliegende Steinsplitter und Marmorteile verletzt. Auf dem Platz vor der Moschee waren Blutspuren zu sehen. Einen zweiten Sprengsatz konnten die Sicherheitskräfte den Angaben zufolge entschärfen.

"Ich habe gebetet, und es gab einen lauten Knall", sagte Augenzeuge Mohammed Abdel Asim dem Sender. "Die Leute liefen in Panik aus der Moschee. Dann kam die Polizei und sperrte den Haupteingang. Wir sind aus der Hintertür ins Freie gelangt."

Es war zunächst unklar, wer die Täter waren und ob gezielt Touristen getroffen werden sollten. Die Moschee wurde evakuiert, das Gelände abgeriegelt. Die Verletzten wurden in Krankenhäuser in der Nähe gebracht. Sprengstoffspürhunde suchen die Umgebung ab.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Premierminister François Fillon verurteilte den Anschlag scharf. Die "blinde Gewalt" des Verbrechens zeige dessen Absurdität, erklärte Fillon. Frankreich stehe im Kampf gegen den Terrorismus "mehr denn je" an der Seite Ägyptens. Auch in Ägypten wurde der Anschlag scharf verurteilt. Die Urheber dieses Verbrechens seien "Verräter an ihrer Religion und ihrem Land", sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Mena Scheich Mohammed Sajjed al-Tantawi, der ranghöchste religiöse Führer der Sunniten.

Der Khan-al-Khalili-Basar befindet sich in der Kairoer Altstadt unweit der historischen Hussein-Moschee. Zuletzt waren im April 2005 in diesem Viertel bei einem Bombenanschlag mehrere Touristen getötet und 18 weitere verletzt worden.

In den neunziger Jahren war Ägypten Schauplatz einer Serie blutiger Anschläge ägyptischer Terrorgruppen gegen Touristen. Im September 1997 starben bei einem Anschlag auf einen Touristenbus vor einem Museum in Kairo neun Deutsche. Der folgenschwerste Anschlag auf ausländische Ägypten-Reisende ereignete sich zwei Monate später: In Luxor wurden am 17. November jenes Jahres am Hatschepsut-Tempel 62 Menschen getötet, unter ihnen 58 Touristen, die überwiegend aus der Schweiz und Japan stammten. Der bislang jüngste Anschlag ereignete sich im April 2006: Bei einem Attentat im Badeort Dahab auf der Sinai-Halbinsel waren 20 Menschen getötet worden, unter ihnen sechs Ausländer.

ffr/dpa/AFP/AP



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