Attentat Sarkozy ruft Frankreichs Truppen zum Weiterkämpfen auf

Er verneigte sich vor den Gefallenen und sprach mit den Verwundeten: Nach dem Attentat auf französische Truppen hat Staatschef Sarkozy in Kabul für die Fortsetzung des Afghanistan-Einsatzes geworben. Doch in Paris wird über den Einsatz heftig gestritten.


Kabul - Gedenkfeier mit Nicolas Sarkozy: Nach dem Tod von zehn französischen Soldaten in Afghanistan besuchte der französische Staatspräsident die Streitkräfte in Kabul. "Ich bin gekommen, um ihre Trauer zu teilen und ihnen zu sagen, dass ganz Frankreich erschüttert ist", sagte der Präsident bei einem Treffen mit Militärangehörigen.

Sarkozy (r.) mit Karzai (l.): "Kopf heben und professionell handeln"
REUTERS

Sarkozy (r.) mit Karzai (l.): "Kopf heben und professionell handeln"

Rund hundert Taliban-Kämpfer hatten am Montag eine Patrouille der Schutztruppe Isaf 50 Kilometer westlich von Kabul in einen Hinterhalt gelockt und neun französische Fallschirmjäger sowie ein Mitglied der Fremdenlegion getötet. 21 weitere französische Soldaten wurden verletzt.

Sarkozy besuchte mit Verteidigungsminister Hervé Morin und Außenminister Bernard Kouchner die Kapelle des Stützpunktes Camp Warehouse in einem Vorort der Hauptstadt Kabul. Dort waren die Särge mit den zehn getöteten Soldaten aufgebahrt. Der Präsident verneigte sich vor den Gefallenen und sprach mit Verwundeten.

"Die beste Weise, euren Kameraden die Treue zu halten, ist es, weiterzumachen, den Kopf zu heben, professionell zu handeln", sagte Sarkozy. Der Afghanistan-Einsatz sei unerlässlich im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. "Warum sind wir hier? Weil es hier um einen Teil der Freiheit in der Welt geht", sagte der Präsident.

Die französischen Truppen kämpften nicht gegen die Afghanen, sondern mit ihnen, "um sie nicht der Barbarei zu überlassen". Auch er habe nach dem Tod der zehn Soldaten bei Kämpfen gegen die Taliban "unter Schock" gestanden. Dennoch würde er sich trotzdem wieder dafür entscheiden, den von seinem Vorgänger beschlossenen Einsatz französischer Truppen in Afghanistan fortzusetzen.

Sarkozy hatte im April in einem umstrittenen Alleingang entschieden, die Zahl von derzeit rund 3000 französischen Soldaten am Hindukusch zu erhöhen. Nach dem Attentat brach er seinen Urlaub ab, um den Truppen in Afghanistan zur Seite zu stehen. Seine Entschlossenheit im Kampf gegen den Terrorismus werde durch den "harten Schlag für Frankreich" nicht erschüttert, hatte er bereits am Dienstag bekräftigt.

Die bisher schwersten französischen Verluste in Afghanistan lösten in Frankreich eine politische Debatte über den Sinn des Engagements aus. Die Sozialisten fordern eine parlamentarische Debatte. Die KPF und die Nationale Front verlangen den Rückzug der Truppen. Die Regierungspartei UMP verteidigt den Einsatz und warnt davor, mit der Debatte "in die Falle der Taliban" zu gehen.

Nach der Gedenkfeier traf Sarkozy zu Gesprächen mit seinem afghanischen Kollegen Hamid Karzai zusammen. Außerdem war ein Gespräch mit dem Kommandeur der französischen Isaf-Truppen in der Region von Kabul, Michel Stollsteiner, geplant.

als/AFP/dpa/AP

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