Audienz im Vatikan Obamas Freundschaftsangebot an den Papst

Kleiner Gipfel in Rom: Papst Benedikt XVI. hat US-Präsident Obama erstmals im Vatikan empfangen. Nach dem Zerwürfnis über die Abtreibungspolitik der neuen US-Regierung Anfang des Jahres waren beide nun deutlich um Versöhnung bemüht.


Rom - Es war ein herzlicher Empfang: "Willkommen, Herr Präsident", begrüßte Papst Benedikt XVI. seinen besonderen Gast. "Vielen Dank, es ist eine große Ehre, vielen Dank", erwiderte Barack Obama. Der US-Präsident gab Benedikt die Hand, verneigte sich und lächelte charmant.

Geschenke für die Gäste: Papst Benedikt XVI. überreicht Michelle Obama eine in weißem Leder gebundene signierte Ausgabe der jüngsten Sozialenzyklika
AP

Geschenke für die Gäste: Papst Benedikt XVI. überreicht Michelle Obama eine in weißem Leder gebundene signierte Ausgabe der jüngsten Sozialenzyklika

Das anschließende Gespräch unter vier Augen dauerte 35 Minuten. Präsident Barack Obama war direkt vom G-8-Gipfel in L'Aquila in den Vatikan gefahren, um sich dort mit dem katholischen Kirchenoberhaupt zu treffen. Bei dem Termin in der Privatbibliothek des Papstes informierte Obama Benedikt XVI. über die Ergebnisse der G-8-Runde. Das Treffen im mittelitalienischen L'Aquila sei "sehr produktiv und konkret" gewesen, erläuterte Obama dem Papst. So wollten die führenden Industrie- und Schwellenländer den Bauern in den ärmsten Ländern der Welt mit 20 Milliarden US-Dollar unter die Arme greifen. Einen Tag vor Beginn des G-8-Gipfels hatte der Papst in seiner Sozialenzyklika "Caritas in Veritate" (Die Liebe in der Wahrheit) ethische Prinzipien auch in der Wirtschafts- und Finanzwelt angemahnt.

Im Mittelpunkt der Privataudienz standen Themen wie die Weltwirtschaftskrise und die Situation im Nahen Osten, aber auch die Entwicklungspolitik in Afrika und Südamerika sowie die internationale Bekämpfung des Drogenhandels, gab der Heilige Stuhl bekannt. Auch heikle Themen wie Abtreibung, Stammzellforschung und Bioethik erörterten Obama und Benedikt.

Gerade bei diesen Themen hatte es in den vergangenen Monaten Streit zwischen dem Weißen Haus und dem Vatikan gegeben. Obama hatte kurz nach seinem Amtsantritt im Januar einen liberaleren Kurs bei den Bestimmungen zu Abtreibung und Stammzellforschung als sein Vorgänger George W. Bush eingeschlagen. Als erste Amtshandlung als Präsident hob er eine Verordnung auf, die Finanzhilfen für internationale Organisationen untersagte, die Abtreibungen unterstützen oder ausführen. Der Vatikan hatte ihn deswegen mehrfach scharf kritisiert.

Er wolle sich um eine Senkung der Zahl der Abtreibungen in den USA bemühen, habe Obama dem Papst versprochen, erklärte Vatikansprecher Federico Lombardi nach der Audienz. Schon kurz vor der Audienz hatte es offenbar Signale der Entspannung gegeben. Der einflussreiche Schweizer Kurienkardinal Georges Cottier schrieb kürzlich in der Zeitschrift "30 Giorni", Obama gehe "in die Richtung, das Übel zu verringern". Das sei natürlich nur ein Minimum - aber ein wertvolles Minimum, hieß es in dem Artikel weiter. Er sei bewegt von der Sprache des neuen US-Präsidenten. "Sie zeigt einen Blick auf die Politik, der starke Berührungspunkte mit wesentlichen Elementen der katholischen Soziallehre hat", schrieb Cottier. Auch italienische Zeitungen hatten bereits im Vorfeld des Besuchs getitelt: "Nach der großen Kälte Zeichen der Freundschaft".

Der Kirchenstaat hofft darauf, in Obama einen Verbündeten in vielen Themen zu finden. So etwa beim Kampf gegen den Hunger, gegen wirtschaftliche Benachteiligungen und beim Dialog zwischen den Religionen. Große Erwartungen setzt der Vatikan auch in Bezug auf den Nahost-Konflikt in Obama. Möge Obama die Kraft haben, einen dauerhaften Frieden auf der Basis einer Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten durchzusetzen, hieß es kurz vor dem Treffen aus dem Vatikan. Man teile die Ansichten über die Situation im Nahen Osten, hieß es nach der Privataudienz.

Das Ehepaar Obama hatte den Papst gemeinsam begrüßt. Während des Treffens wartete Obamas Frau Michelle, ganz in Schwarz gekleidet und mit transparentem schwarzen Schleier, im Damaskus-Hof des Vatikans. In einer schwarzen Wagenkolonne verließ das Paar den Kirchenstaat, am Abend wurde es in dem westafrikanischen Staat Ghana erwartet.

ler/dpa

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