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Aufruhr im Nahen Osten: Bahrains Herrscherfamilie zieht Militär ab

Soldaten verlassen die Hauptstadt, der König bietet Gespräche an - entspannt sich die Situation in Bahrain? In den vergangenen Tagen hatte es massive Proteste gegen das Herrscherhaus gegeben, es gab Tote und Verletzte. Zuletzt hatte auch US-Präsident Obama den Monarchen zur Zurückhaltung ermahnt.

Militär in Bahrains Hauptstadt Manama: Herrscherhaus bietet Gespräche an Zur Großansicht
AP

Militär in Bahrains Hauptstadt Manama: Herrscherhaus bietet Gespräche an

Manama/Bengasi/Kairo - Nach gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten in Bahrain hat die Herrscherfamilie die Soldaten am Samstag aus den Straßen der Hauptstadt Manama abgezogen. Der Befehl trete mit "sofortiger Wirkung" in Kraft, hieß es in einer Erklärung der bahrainischen Regierung. Anstelle des Militärs solle nun wieder die Polizei für die Aufrechterhaltung der Ordnung sorgen.

Bei Protesten von Regierungsgegnern hatten die Truppen am Freitag das Feuer auf Tausende Demonstranten eröffnet. Mindestens 50 Menschen wurden nach Angaben von Ärzten verletzt. Am Donnerstag waren bei der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten fünf Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden. Für Samstag waren weitere Demonstrationen angekündigt.

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Unruhen in Bahrain: Rückzug des Militärs
Das Militär hatte insbesondere den Lulu-Platz im Zentrum Manamas besetzt, von dem die Proteste gegen die Regierung ausgegangen waren. Unmittelbar nach dem Abzug der Soldaten versuchten Demonstranten, den Platz wieder in Besitz zu nehmen. Sie wurden nach Beobachtungen eines Reuters-Journalisten von der Polizei mit Schlagstöcken sowie Tränengas- und Rauchgranaten angegriffen.

Regierung bietet Gespräche an

In der Nacht zuvor hatte es weitere Auseinandersetzungen gegeben. Dutzende Regierungsgegner standen in den Morgenstunden vor dem Salmanija-Krankenhaus in Manama, in das die meisten Verletzten der Zusammenstöße gebracht wurden. Nach Angaben des Gesundheitsministers Faisal Jakub al-Hamar wurden in der Nacht zum Samstag sechs Menschen verletzt. Ärzte im Salmanija-Krankenhaus sprachen von mindestens 66 Verletzten.

Das bahrainische Königshaus bot der Opposition am Samstag Gespräche an. Das berichteten arabische Fernsehsender am Samstag. Die oppositionelle schiitische Wafik-Gesellschaft lehnte dies jedoch zunächst ab, solange die Regierung nicht zurücktrete und das Militär aus dem Zentrum von Manama abgezogen sei. Am Samstag rief die wichtigste Gewerkschaft des Landes für Sonntag zum Generalstreik auf.

Die Proteste werden vor allem von unzufriedenen Schiiten getragen. Rund zwei Drittel der Bahrainer sind Schiiten; das Königshaus und die Regierung sind hingegen sunnitisch. Der kleine Inselstaat im Golf ist darüber hinaus ein strategisch wichtiger Partner der USA. Manama ist der Hafen der fünften US-Flotte, die vor allem im Persischen Golf und im Indischen Ozean eingesetzt wird.

US-Präsident Barack Obama hatte die Gewalt in dem Golfstaat zuvor am Freitag verurteilt und König Hamad Al Chalifa in einem persönlichen Telefongespräch zu Zurückhaltung aufgefordert. Obama verlangte auch, dass diejenigen, die für die Gewalt verantwortlich waren, zur Rechenschaft gezogen werden müssten. Bahrain müsse die "universellen Rechte" der Menschen respektieren und sinnvolle Reformen einleiten, forderte Obama weiter.

Schwere Unruhe in Libyen

Derzeit erschüttern Unruhen in mehrere Staaten den Nahen Osten und Nordafrika. Neben Bahrain ist vor allem Libyen betroffen. Dort ist es am Samstag erneut zu blutigen Zusammenstößen zwischen Gegnern von Staatschef Muammar al-Gaddafi und Sicherheitskräften gekommen. In der östlichen Küstenstadt Bengasi begannen Elitetruppen damit, Kundgebungen mit Waffengewalt aufzulösen, berichtete ein Augenzeuge dem Fernsehsender BBC. Zuvor sei die Stadt fast zur Gänze von Anhängern der Protestbewegung kontrolliert worden, sagte der Mann aus Bengasi. Opferzahlen wurden zunächst nicht bekannt.

Allein am Freitag soll es in der zweitgrößten Stadt Libyens zahlreiche Todesopfer gegeben haben. Polizei und Mitglieder der Gaddafi-treuen Volkskomitees seien mit Gewalt gegen Oppositionelle vorgegangen. In der libyschen Metropole Tripolis kam es am Samstag nur zu kleineren Protesten, berichteten arabische Medien.

In Bengasi versammelte sich auch am Samstag eine große Zahl von Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude, wie ein Einwohner der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon berichtete. "Sie haben beschlossen, nicht wegzugehen", sagte er. Die BBC berichtete ebenfalls unter Berufung auf Einwohner Bengasis, in Teilen der Stadt sei der Strom ausgefallen. Vor dem Gerichtsgebäude stünden Panzer. "Spezialkräfte, die zu Gaddafis Gefolgschaft zählen, kämpfen weiter verzweifelt, um Kontrolle und Boden zu gewinnen", wurde ein Einwohner zitiert. "Die Leute bekämpfen sie Straße für Straße."

In Libyen sieht sich Machthaber Muammar al-Gaddafi mit den stärksten Unruhen seiner 40-jährigen Amtszeit konfrontiert. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wurden bei den Protesten der vergangenen Tage mindestens 84 Menschen getötet. Bei Auseinandersetzungen in Bengasi im Osten des Landes hätten Sicherheitskräfte am Freitagabend 35 Menschen getötet, teilte die in New York ansässige Organisation am Samstag unter Berufung auf Krankenhausvertreter mit.

Schüsse bei Beerdigungsprozessionen

Sicherheitskräfte hätten das Feuer auf Demonstranten eröffnet, die an Beerdigungsprozessionen für frühere Gewaltopfer teilgenommen hätten. Offizielle Angaben zur Totenzahl gab es nicht. Das Ausmaß der Proteste ist schwer abzuschätzen, da die Medien einer strengen staatlichen Zensur unterliegen. Ausländische Journalisten sind nicht zugelassen, einheimischen wurde die Reise nach Bengasi verwehrt. Mobilfunkverbindungen in Städte im Osten des Landes waren häufig unterbrochen.

Die Unruhen scheinen sich auf den östlichen Landesteil Cyrenaika zu beschränken, wo die Unterstützung für Gaddafi traditionell schwach ist. Die Region fühlt sich vom Machthaber vernachlässigt, da ein Großteil der Erlöse aus dem Verkauf der reichen Erdölvorkommen in den Westen des Landes fließt. Aus der nahe bei Bengasi gelegenen Stadt Baida waren von Menschenrechtsgruppen Auseinandersetzungen mit mindestens 15 Toten berichtet worden. Verlässliche Berichte über Proteste in anderen Landesteilen lagen nicht vor. In der Hauptstadt Tripolis gab es nach Berichten staatlicher Medien Kundgebungen von Gaddafi-Anhängern.

Ausschreitungen im Jemen

Der arabische Fernsehsender al-Dschasira berichtete, dass sein Satellitensignal in Libyen auf mehreren Frequenzen blockiert worden sei, ebenso der Zugang zu seiner Internetseite. In Ägypten hatte die inzwischen gestürzte Regierung auf ähnliche Weise versucht, den in der arabischen Welt viel beachteten Sender an der Berichterstattung über die Massenproteste zu hindern.

Auch im Jemen gab es einen Toten und mehrere Verletzte. Sondereinsatzkräfte der Polizei im Jemen haben bei neuen Protesten in der Hauptstadt Sanaa am Samstag nach Angaben von Sanitätern einen Demonstranten erschossen und fünf weitere verwundet. Die Polizisten eröffneten das Feuer auf die Menge aus tausenden Demonstranten.

Die Menschen zogen von der Universität zum Justizministerium. Sie forderten den Rücktritt des langjährigen Präsidenten Ali Abdullah Saleh. "Die Menschen wollen den Abgang des Regimes", skandierten sie. Die Polizei ging mit Tränengas, Steinen und scharfer Munition gegen die Demonstranten vor.

Seit Beginn der Protesten vor eineinhalb Wochen im Jemen kamen bislang sieben Menschen ums Leben, mehr als 150 wurden verletzt. In der Hafenstadt Aden sind die Sicherheitskräfte nach Angaben von Bewohnern am Samstag aus dem Straßenbild verschwunden. Gruppen von Männern griffen Regierungsgebäude an und setzten sie in Brand, Polizisten oder Soldaten seien in der Hafenstadt nicht zu sehen.

suc/dapd/Reuters/dpa

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1. Witz?
stefansaa 19.02.2011
5 Tote und 200 Verletzte? Ich weiß ja nicht woher Sie ihre Angaben bekommen aber die Bilde, die zum Teil auf Al jazira gezeigt wurden, zeigten Straßen voller Leichen. Panzer und Maschinengewehre die in die menge feuerten. Man kommt sich hier immer mehr verarscht vor und eher bei der Bild-Zeitung als bei einer serösen Quelle von Informationen...
2. Fliegt er oder nicht?
amir2204, 19.02.2011
Der König muss Gespräche anbieten. Die Schiiten bilden rund 70% der Bevölkerung. Der sunnitische König kann das langfristig nicht übersehen, trotz Einbürgerungen von Ausländern z.B. aus Syrien, Asien, Sudan oä. Demographie kann man nicht einfach so verändern. Ich wünsche den Sturz weiterer Herrscher, vor allem Libyens Diktator, trotz Unterstützung aus Europa und USA. Menschenrecht und Demokratie sind im westlichen Verständnis nur Theorien, die man beliebig anwenden kann.
3. Aufruhr im Nahen Osten !
paoloDeG 19.02.2011
Aufstände im Nahen Osten: Amerika bangt um Bahrain und nicht zu Unrecht! Die Netzwerke von Islamisten samt al-Qaida mischen sich unten dem Volk, die nach Freiheit und Gleichheit strebt! Aber diese Terroristen-Netze haben das Gegenteil im Sinne! Sie wollen profitieren um neue Mitglieder zu gewinnen und um ihre Ziele weiter zu verfolgen! Untem Volk von Unterdrükten gemischt, es ist für sie leicht Anhänger zu gewinnen! Sie wollen aus Unterdrückten Unterdrückern machen! Ein Beispiel haben wir aus Egipten Kairo, CBSNews: Februar 11 - 2011, Ägypten Tahrir Platz in Kairo: gerade als Mubarak abgedankt hatte, Lara Logan, im Ausland als Chef-reporter, ist aus ihrem Team und ihrer Sicherheitswache mit gewalt getrennt worden und von 200 schreienden und rufenden Islamisten umzingelt und brutal angegriffen und für eine Zeit lange sie hat durch diese Islamisten brutale Geschlechtsagressionen erfahren, bevor sie von egyptischen Soldaten befreit wurde! Dies ist ein brutales Ritual im Namen Allah, das normalerweise für die westlichen und/oder christlichen Frauen reserviert ist! Das Blut muß bis zur Ohnmacht oder Tode der Frau fließen! Dies ist eine potentielle tödliche Art der Unterdrückung, eine Handlung um die Macht des Islams und um den Islam als alleiniger Herrscher über die Menschheit darzustellen! In Europa, besonders in Frankreich in Cannes, der Staat und die Gemeinde helfen und sie ermutigen islamistische internationale Mafia-Netze, die nicht zögern mit barbarischen Methoden zu entführen, vergewaltigen, rauben, einbrechen, praktizieren Sklaverei Zuhälterei, Pädophilie, Pédopornographie, Folterungen, Eigentums- und Vermögens-Erpressung, Menschenhandel u.s.w.! Diese kriminellen Netze profitieren über mehrere Methode, um ihre Opfer unter Kontrolle zu halten, besonders die Gewalt, die sexuelle Gewaltätigkeiten, die erbitterte Quälerei, Drohungen von Gewalt und sie gewinnen nur an der Côte d'Azur en France zwieschen 100 in 200 Millionen Euros täglich, steuerfrei! Nur ein kleiner Teil der erwirtschafteten Gewinne wird im Ort in legalen Geschäften angelegt (so genannte Geldwäsche). Hierbei nehmen die kriminellen Organisationen Einfluss auf Politik, Medien und alle gesellschaftliche Gruppen. Alle diese stark hierarchisch strukturiert kriminellen Organisationen genießen also ein wirkliches Gefühl von Straflosigkeit, das sich in den Geistern wurzelt.
4. Nun Mal Langsam.
ratxi 19.02.2011
Zitat von stefansaa5 Tote und 200 Verletzte? Ich weiß ja nicht woher Sie ihre Angaben bekommen aber die Bilde, die zum Teil auf Al jazira gezeigt wurden, zeigten Straßen voller Leichen. Panzer und Maschinengewehre die in die menge feuerten. Man kommt sich hier immer mehr verarscht vor und eher bei der Bild-Zeitung als bei einer serösen Quelle von Informationen...
SPON bezieht sich auf Berichte und andere Quellen, und von Toten wird dann gesprochen, wenn sie von einer Stelle bestätigt worden sind. Dass es in der Realität meist schlimmer ist ist, ist jedem klar. Selbst wenn wir ein Video sehen, wo "in die Menge geschossen wird", können wir, wenn wir sachlich bleiben, von Toten nur "spekulieren". Vielleicht erschliesst sich Ihnen die Berichterstattung der BILD ja tatsächlich besser...
5. herr obama,der friedensnobelpreisträger...
atock 19.02.2011
er ist das zeichen,das kpopf auf den kopf zeichen,für den desolaten zustand von dem was uns von unseren eliten als demokratie,als soziale gerechtigkeit verkauft wird. das volk wurde jahrzehntenlang manipuliert. hokuspokustitel wie den nobelpreis sind nichts anderes als reine propagandainstrumente des westens. der grösste terrorstaat auf diesem planeten,hat irrsinnigerweise die meissten hokuspokus friedensnobelpreistitel eingeheimst. dem weltpolitische hollywood,wird jetzt die maske abgezogen und das was zum vorschein kommt ist absolut hässlich/widerlich...
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