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Aufruhr in Kairo: Reporter fürchten Attacken des Mobs

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Immer mehr Journalisten berichten von Schikanen, Drohungen und offener Gewalt: In Kairo, Alexandria und Suez greifen gewalttätige Demonstranten Berichterstatter aus dem Ausland an. Eine Ursache sind wohl Berichte des staatlichen Fernsehens - seit Tagen macht es gezielt Stimmung.

Ägypten: Blutige Schlacht in Kairo Fotos
AP

Berlin - Im Hintergrund hallen vereinzelt Schüsse durch Kairo. Man hört die Rufe der Demonstranten. Der ZDF-Journalist Dietmar Ossenberg steht in einem Hotelzimmer mit Blick über die Stadt, er ist live ins "heute journal" nach Mainz geschaltet. Im Büro sei es zu gefährlich geworden, sagt der 60-Jährige, deshalb habe sich das Team ins Hotel zurückgezogen.

Das Interview mit Moderatorin Marietta Slomka läuft gerade zwei Minuten und 17 Sekunden am Mittwochabend, da stockt Ossenberg. Er bemerkt einen Laserstrahl im Zimmer.

"Jetzt machen wir das Licht aus bitte", sagt er. Es wird dunkel. "Entschuldigung", sagt der nur noch schemenhaft zu erkennende Ossenberg ins Mikrofon, "wir wurden hier mit einem Laserstrahl angestrahlt, und da denke ich, da ist das Risiko zu groß." Er will weitermachen, aber Slomka stoppt ihn, bricht die Schalte ab: "Passen Sie auf sich und ihre Kollegen gut auf."

Was war geschehen? Eine Waffe mit Laser-Zieloptik? Eher unwahrscheinlich in Ägypten. Eine Art Laserpointer, um die Journalisten einzuschüchtern? Man weiß es nicht.

Die Situation in Ägypten ist unklar, sie verändert sich von Stunde zu Stunde ( siehe Live-Ticker ...). Die Nervosität ist hoch, die Lage unübersichtlich. Doch eine Tendenz der letzten 24 Stunden ist zumindest klar: Immer öfter werden nun auch ausländische Reporter zum Ziel von Attacken - und Opfer von Gewalt.

Klar ist: Dieses Risiko nehmen Reporter in Kauf, wenn sie aus Krisengebieten berichten. In Ägypten allerdings häufen sich in diesen Stunden die Attacken, für die Journalisten stellt sich die Lage zunehmend unberechenbar dar. Viele Medien räumen deshalb ihre Büros in der Innenstadt von Kairo. Reporter berichten von Schikane, von aggressiven Bedrohungen, von purer Gewalt. Viele werden beschuldigt, ausländische Spione zu sein.

Ägyptisches TV macht Stimmung gegen ausländische Reporter

Die Angreifer? Sie kommen von beiden Seiten, aber vor allem das Lager des in die Enge getriebenen Staatschefs Husni Mubarak tritt internationalen Journalisten seit dem Mittwochmorgen aggressiv entgegen. Eine Ursache ist wohl die Berichterstattung des ägyptischen Staatsfernsehens. Seit Tagen macht es Stimmung gegen ausländische Reporter und berichtet, die internationalen Berichterstatter seien nur da, um den Präsidenten zu stürzen und die Opposition hochzuschreiben.

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Kairo: Gewalt auf Kairos Tahrir-Platz
"Diese Sicht hat sich bei den Mubarak-Unterstützern sehr eingeprägt", sagt SPIEGEL-ONLINE-Reporter Matthias Gebauer vor Ort in Kairo. "Auch ich wurde angeschrien. Die Leute waren aggressiv, aber nicht gewalttätig." Grundsätzlich seien jedoch die Regimegegner gerade der westlichen Presse gegenüber sehr offen eingestellt. "Immer wieder kommen junge Menschen zu mir und bitten darum, dass wir über die Wahrheit berichten", sagt Gebauer. Man könne spüren, "wie sehr sie den ägyptischen Staatsmedien, die die Proteste bisher völlig verzerrt wiedergeben, misstrauen und sich eine faire Berichterstattung wünschen".

Die Organisation Reporter ohne Grenzen vermutet hinter den Angriffen auf Journalisten "Racheakte gegen internationale Medien", die die Forderungen der Demonstranten nach einem Rücktritt Mubaraks übermitteln würden", so deren Generalsekretär Jean-François Julliard.

Reporter Gebauer berichtet: Als im Laufe des Tages die Situation auf dem zentralen Tahrir-Platz immer gewalttätiger wurde, beide Gruppen sich schwere Straßenschlachten lieferten, seien mehrere ausländische Pressefotografen geschlagen worden - auch von jenem Mob, der sich auf die Seite der Opposition geschlagen hat. Einige Kameras gingen zu Bruch. Gebauer: "Es ging wohl darum, dass die Männer vermeiden wollten, bei ihren Gewaltexzessen gefilmt oder abgelichtet zu werden."

Die britische BBC zitiert ebenfalls einen Journalistenbericht vom Tahrir-Platz: Viele Reporter seien sehr besorgt, ein französisches Fernsehteam habe ihm berichtet, es sei von Mubarak-Anhängern auseinandergetrieben worden. Ein Kameramann sei mit einem Messer am Hals bedroht worden.

CNN-Reporter Anderson Cooper berichtet auf der Web-Seite des Senders über einen Angriff auf ihn, seine Produzentin und seinen Kameramann. Sie hätten versucht, auf dem Tahrir-Platz zwischen die Fronten von Mubarak-Gegnern und -Anhängern zu gelangen. "Dann wurden wir auf den Kopf geschlagen", sagt Cooper. Männer hätten versucht, die Kamera zu zerstören. "Uns war klar, die Situation würde sehr schnell sehr schlimm werden." Das Team versuchte, den Ort ruhig zu verlassen. Aber die Menge wuchs, immer wieder Schläge, Tritte. Am Ende zückte einer ein Messer. "Es war die Hölle", sagt Cooper.

Drangsalieren, attackieren, festnehmen

Es gibt zahlreiche solcher Fälle. Mal sind es gewalttätige Demonstranten, mal die Polizei oder die Armee, die Journalisten drangsalieren, festnehmen, an ihrer Arbeit hindern.

  • Zwei Journalisten des kanadischen CBC-Netzwerks wurden vom Mob verprügelt, bis die ägyptischen Streitkräfte sie in Sicherheit gebracht haben. "Ohne sie wären wir vermutlich totgeschlagen worden", sagte der Reporter Jean-Francois Lepine.
  • Christiane Amanpour vom US-Fernsehsender ABC wurde beim Versuch eines Interviews mit einem Mubarak-Unterstützer von einer Gruppe junger Männer eingekreist. Die Männer schrien: "Wir hassen Amerikaner!" und "Geh' zur Hölle!"
  • Ein Team des amerikanischen TV-Senders CBS wurde von Sicherheitskräften mit vorgehaltener Waffe zum Hotel zurückgebracht. Die Reporter wollten die Krawalle filmen. Zurück auf die Straße durften sie nur ohne Kamera. Die CBS-Reporterin Lara Logan sagt: "Es ist das erste Mal seit einigen Tagen, dass wir spüren, was Diktatur wirklich bedeutet."
  • Mubarak-Anhänger stachen einen griechischen Reporter mit einem Messer ins Bein; sein Fotograf wurde verprügelt.
  • Ein türkischer Fox-Mitarbeiter wurde verschleppt, konnte erst von der Polizei wieder befreit werden. Die Kidnapper waren mit Knüppeln und Messern bewaffnet.
  • Ein Reporter der französischsprachigen belgischen Tageszeitung "Le Soir" wurde während der Berichterstattung über eine Pro-Mubarak-Demonstration geschlagen und von Unbekannten in einen Militärposten gebracht. Von dort sei es ihm gelungen, seine Redaktion zu informieren. "Sie beschuldigen mich, ein Spion zu sein", zitiert ihn die Zeitung im Internet.
  • Eine auch für das ZDF arbeitende Journalistin kam nach Informationen des Senders erst nach 20 Stunden Haft in Kairo wieder frei. Die Frau war am Mittwoch auf der Fahrt von Alexandria nach Kairo festgenommen und in einem Hochsicherheitstrakt festgesetzt worden.
  • Ein französischer Reporter des Senders Arte wurde gemeinsam mit zwei Kollegen bei einem Kontrollpunkt des Militärs festgenommen. Ihnen wurden laut Arte Handys und Arbeitsmaterial abgenommen. Anschließend wurden sie wegtransportiert.
  • Das Büro des Senders al-Arabija wurde von Angreifern verwüstet, Mitarbeiter angegriffen. Korrespondent Ahmed Abdullah musste blutüberströmt in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Besonders im Visier der Behörden indes stehen die Reporter des arabischen Fernsehsenders al-Dschasira: Am Montag waren in Ägypten sechs seiner Journalisten vorübergehend festgenommen und erst nach intensiven Interventionen aus dem Westen wieder freigelassen worden. Am Vortag hatten die ägyptischen Behörden ein Empfangsverbot für den in Katar ansässigen Satellitensender ausgesprochen, nachdem dieser umfassend über die regierungskritischen Proteste berichtet hatte.

"Journalisten sind kein Freiwild", sagte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Michael Konken. Die Kollegen vor Ort dürften an ihrer Berichterstattung nicht gehindert werden.

Aus Ägypten aber kommen stündlich neue Meldungen über Attacken auf Reporter.

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1. So einen Anfang. . .
Transmitter, 03.02.2011
Zitat von sysopSchikanen, Drohungen und offene Gewalt: In Kairo, Alexandria und Suez greifen gewalttätige Demonstranten gezielt Journalisten aus dem Ausland an. Die Täter kommen aus beiden Lagern, sind Anhänger und Gegner Mubaraks. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743360,00.html
. . . gab es auch im Iran. Die "jungen" studentischen "Revolutionäre" wurden schnell islamische Religionswächter und die linken Mudschaheddin-Kämpfer Asylanten in Deutschland. Fällt Ägypten, fällt der Rest in den Machtbereich der Hardliner. Und dann gnade den "Journalisten" Gott. Auch hier bei uns!
2. sarrazineske islamophobie
psypunk 03.02.2011
Zitat von Transmitter. . . gab es auch im Iran. Die "jungen" studentischen "Revolutionäre" wurden schnell islamische Religionswächter und die linken Mudschaheddin-Kämpfer Asylanten in Deutschland. Fällt Ägypten, fällt der Rest in den Machtbereich der Hardliner. Und dann gnade den "Journalisten" Gott. Auch hier bei uns!
ah ja... - muslime sind eben böse und können keine tolle revolution, wie die deutschen, gelle? *kopfschüttel
3. blaba
Shimodax, 03.02.2011
---Zitat--- "Journalisten sind kein Freiwild", sagte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Michael Konken. Die Kollegen vor Ort dürften an ihrer Berichterstattung nicht gehindert werden. ---Zitatende--- Da lach ich ja schlapp, als ob es ein gottgegebenes Recht auf Berichtserstattung gäbe. So wichtig wie die Rolle der Presse sein mag, dass man die Presse in einem Krisengebiet nicht an der Berichterstattung hindern *darf* ist doch lächerlich.
4. Mutige Frauen und Männer sind das!
Europa! 03.02.2011
Bei ntv wurde klar gesagt, dass Mubaraks Geheimpolizei die Hotels nach Journalisten durchsucht und Kameras beschlagnahmt hat, um die Berichterstattung zu unterbinden. Die Opposition braucht die Weltöffentlichkeit nicht zu scheuen.
5. ...
Stancer81 03.02.2011
Zitat von psypunkah ja... - muslime sind eben böse und können keine tolle revolution, wie die deutschen, gelle? *kopfschüttel
Ja schauen sie sich doch mal solch einen Muslimen an. Die tragen keine Markenjeans, legen keinen Wert auf übertriebene Schönheitsideale, legen grossen Wert auf Familie, stürmen keinen Laden um ein Iphone zu ergattern..... Die können doch nur böse sein.... Wo ist eigentlich der Schlaumeier, der mich heut Mittag per privater Nachricht beleidigt hat, weil ich gesagt hatte, das die Gewalt von beiden Lagern ausgehe ?
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Bevölkerung: 85,783 Mio.

Hauptstadt: Kairo

Staatsoberhaupt:
Abdel Fattah el-Sisi

Regierungschef: Sherif Ismail

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L'tur: 0800-21 21 21 00 (8 bis 24 Uhr)

Fluggesellschaften
Lufthansa: Sonder-Telefonnummer, unter der Flüge ausschließlich ab Kairo gebucht werden können +49-30-50570341

Ab sofort können freie Plätze auf Flügen von Air Berlin und Condor von Scharm el-Scheich, Hurghada und Marsa Alam nach Deutschland gebucht werden.
Air Berlin: www.airberlin.com oder per Telefon unter +49-1805-737 800
Condor: www.condor.com oder per Telefon unter +49-180-5767757

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