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Aufruhr in Libyen: Polizei feuert auf Gaddafi-Gegner

Die Regimegegner in Libyen verstärken ihre Proteste gegen Diktator Gaddafi. In mehreren Städten löste die Polizei Demonstrationen gewaltsam auf, Oppositionellen zufolge wurden mindestens 35 Menschen erschossen. Auch in Bahrain schlug die Polizei Proteste nieder.

Anti-Gaddafi-Demonstrant: Proteste in mehreren libyschen Städten Zur Großansicht
REUTERS

Anti-Gaddafi-Demonstrant: Proteste in mehreren libyschen Städten

Tripolis - Die Proteste in Libyen haben sich am Donnerstag verstärkt. Trotz massiver Einschüchterungsversuche der Sicherheitskräfte versammelten sich Regimegegner in mindestens vier Städten und forderten unter anderem den Rücktritt von Präsident Muammar al-Gaddafi. Bei den Kundgebungen wurden Berichten der Opposition zufolge mindestens 35 Demonstranten getötet.

Allein in der Stadt Al-Baidha seien 35 Menschen ums Leben gekommen, berichtete die Oppositionszeitung "Libya al-Yaum" am Donnerstagabend. Eine Bestätigung gab es zunächst nicht. Zahlreiche Tote soll es auch in den Städten Beida, Bengasi und Sentan gegeben haben. Nach Angaben der libyschen Opposition wurden die Demonstranten in der Stadt Beida von Scharfschützen beschossen.

Zuvor war von insgesamt 14 Toten bei den Protesten gegen den seit 1969 amtierenden Staatschef die Rede gewesen. Anderen Berichten zufolge starben 20 Demonstranten.

Insgesamt 14 Protestierende seien festgenommen worden, teilte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch mit. In der Hauptstadt versammelten sich Hunderte Anhänger der Regierung zu Kundgebungen.

Nach Angaben auf Internetseiten der libyschen Opposition und eines Gaddafi-Gegners fanden in vier Städten des Landes am Donnerstag Protestkundgebungen statt. Die Aufrufe zur Teilnahme an den Demonstrationen am "Tag des Zorns" wurden wie auch in Tunesien und Ägypten per Facebook und Twitter verbreitet.

Mehrere Tote in Bahrain

Ähnlich wie auch andere arabische Herrscher versuchte Gaddafi, die Bevölkerung mit Zugeständnissen zu beruhigen. Er verdoppelte die Löhne der Staatsbediensteten und entließ 110 mutmaßliche islamistische Extremisten.

Wie die amtliche Nachrichtenagentur meldete, waren für Donnerstag auch Kundgebungen von Tausenden Gaddafi-Anhängern in Tripolis und anderen Städten geplant. Sie sollten die "ewige Einigkeit mit dem Führer der Revolution" zeigen, hieß es. Zeugen berichteten, in Tripolis hätten Regierungsanhänger libysche Flaggen an ihren Autos befestigt. Ansonsten sei die Situation in der Hauptstadt aber ruhig.

Auch in Bahrain gab es am Donnerstag Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten. Bereitschaftspolizisten lösten eine mehrtägige Protestaktion auf dem zentralen Perlen-Platz in der Hauptstadt Manama mit Gewalt auf. Nach Angaben von Ärzten gab es vier Tote. Der Außenminister äußerte später Bedauern über die Gewalt.

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Proteste in Bahrain: Tote und Verletzte
Nach Räumung des seit Montag besetzten Platzes patrouillierten erstmals Soldaten und Panzer in der Hauptstadt. US-Präsident Barack Obama rief die Regierung zu einem Ende der Gewalt gegen Demonstranten auf. Auch jede andere Form der Repression müsse unterbleiben, sagte sein Sprecher. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die Bestrafung der Verantwortlichen in Bahrain. "Dort und anderswo darf Gewalt nicht gegen friedliche Demonstranten und gegen Journalisten eingesetzt werden. Das muss aufhören!", sagte er in New York. Bundesaußenminister Guido Westerwelle verurteilte die brutalen Polizeieinsätze. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes halten sich derzeit etwa 700 Deutsche im Land auf.

In Ägypten wurde der verhasste frühere Innenminister Habib al-Adli nach Korruptionsvorwürfen festgenommen. Außerdem festgenommen wurden der ehemalige Bauminister Ahmad Maghrabi, der frühere Tourismusminister Suhair Garana und der Stahlindustrielle Ahmad Izz, der eine führende Rolle in der Nationaldemokratischen Partei Husni Mubaraks spielte. Alle sollen wegen der laufenden Ermittlungen 15 Tage in Haft bleiben. Al-Adli wird von vielen Gegnern für das brutale Vorgehen der Polizei gegen die friedlichen Demonstranten bei den landesweiten Protesten gegen Mubarak verantwortlich gemacht. Ägyptens Demokratiebewegung rief zu einer neuen Großkundgebung auf dem Tahrir-Platz in Kairo auf. Dabei soll am Freitag der Sieg über Mubarak gefeiert werden.

Die Regierung in Algerien versprach weitere Reformen und eine baldige Aufhebung des Ausnahmezustands. Unter dem Eindruck der politischen Umwälzungen in Tunesien und Ägypten hatte sich in den vergangenen Wochen auch in Algerien Widerstand gegen das herrschende System und die sozialen Missstände im Land formiert.

jok/lgr/dapd/dpa/AP

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Tunesien, Ägypten und Lybien - Sturz No. 3
2010sdafrika 17.02.2011
Lybien wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die nächste arabische Nation sein, dessen Despot abtreten muss. Denn das Land befindet sich zwischen Tunesien und Ägypten und wird dementsprechend einem besonderen Druck durch das Volk unterliegen. Der "Revolutionsführer" Gaddafi hat unterdessen die lybischen Blogger eindeutig unterschätzt: http://2010sdafrika.wordpress.com/2011/01/16/burgerkrieg-droht-in-tunesien-lybiens-blogger-mobilisieren-volk/.
2. Schande..
FNeuberg 17.02.2011
Zitat von sysopDie Lage in Libyen bleibt angespannt: Bei Demonstrationen gegen Machthaber Gaddafi*wurden nach Angaben der Opposition 14 Menschen getötet. Einige Protestler seien von Scharfschützen angegriffen worden, hieß es. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,746186,00.html
Schande über den SPIEGEL. Anstatt mit "35 Tote in Lybien" zu titeln wirft der SPIEGEL lieber Dreck auf den ungeliebten Minister. Der Schlächter in Lybien lässt die Menschen bluten und der SPIEGEL schreit nicht laut im Namen derer die sich kaum wehren können. Arm, sehr arm. Lieber hier manipulieren als dort intervenieren. Pfui...
3. falsche Adresse...
problematix 17.02.2011
Zitat von FNeubergSchande über den SPIEGEL. Anstatt mit "35 Tote in Lybien" zu titeln wirft der SPIEGEL lieber Dreck auf den ungeliebten Minister. Der Schlächter in Lybien lässt die Menschen bluten und der SPIEGEL schreit nicht laut im Namen derer die sich kaum wehren können. Arm, sehr arm. Lieber hier manipulieren als dort intervenieren. Pfui...
Kann der Spiegel intervenieren?
4. sehr schwach....
minimatz 17.02.2011
...das Gesicht, was unsere Medien hier zeigen, ist wahrlich eine hässliche Fratze! Da ist spon nur einer von vielen! Mit Volksaufständen in der arabischen Welt ist anscheinend keine Quote mehr zu machen - deshalb Randnotiz? Liegt es vielleicht an den in Libyen vorhandenen Bodenschätzen, dass man es sich nicht mit Gadaffi verscherzen will? Wenn ich das, was ich lese glauben soll, ist das, was in Ägypten abging doch das reinste Kindertheater. Und da soll ich glauben, unsere Presse sei frei?
5. Kuba und Venezuela koennten sich auch etwas sputen
publicminx 17.02.2011
Ghadaffi/Libyen: und noch ein sozialistisch-gerecht-eingetuenchtes Land in Aufruhr. Dabei sollte sich doch der Kapitalismus dem Ende zuneigen, hoert man sagen. Tss ... Apropos: wann geht der gleich wieder unter? Weiss das inzwischen zufaellig jemand mehr? Ich treff diesbezueglich immer nur 'Zeugen Jehovas' Verhalten - eben noch sicher, bei Nachfrage ausweichendes Rumgestammel.
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