Aufstand der Mönche Internetverbindung nach Burma gekappt

Burmas Machthaber schotten das Land von der Außenwelt ab. Die Militärregierung scheint den Zugang zum Internet gekappt zu haben - das wichtigste Werkzeug der Demonstranten zur Nachrichtenübermittlung. Im Stadtzentrum Ranguns errichten Soldaten Barrikaden.


Rangun - Als offiziellen Grund für die Internetstörung gab die staatliche Telekomgesellschaft den Bruch eines Unterwasserkabels an. Sehr viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass die burmesische Militärregierung selbst die Verbindungen gekappt hat.

Soldat im Zentrum von Rangun: Viele Straßen sind mit Stacheldraht abgeriegelt
REUTERS

Soldat im Zentrum von Rangun: Viele Straßen sind mit Stacheldraht abgeriegelt

Ohne Zugang zum Internet haben die Oppositionellen kaum Möglichkeiten, ihre Berichte, Fotos und Videos an die Außenwelt zu übermitteln. Vieles von dem, was die Welt in den letzten Tagen über die Proteste aus Burma zu sehen bekam, hatte diesen Weg genommen. Damit soll offenbar nach dem Willen der Militärregierung jetzt Schluss sein: Internet-Cafés blieben heute geschlossen. Der Auskunftsdienst des größten Internet-Anbieters ist telefonisch nicht mehr zu erreichen.

Bürger-Journalisten gehören zu den Hauptinformanten über die Demokratiebewegung und die Niederschlagung der Proteste in den vergangenen Tagen. Sie nutzen sogar Kontakt-Seiten im Internet dafür, ihre Bilder und Blogger-Berichte nach draußen zu schmuggeln.

Auch oppositionelle Nachrichtenorganisationen nutzen das Internet als Übermittlungsweg. Die weit verbreitete Nutzung moderner Technologien durch die Demonstranten und die Opposition ist einer der größten Unterschiede zur Protestbewegung von 1988, als es Tage dauerte, bis Berichte über um sich schießende Soldaten an die Öffentlichkeit gelangten.

Stacheldraht und Barrikaden

In Burmas größter Stadt Rangun demonstrieren heute erneut Tausende Bürger gegen das Militärregime. Einsatzkräfte gingen wieder gewaltsam vor. Im Zentrum aufmarschierte Polizisten schlugen mit Knüppeln auf rund 10.000 Demonstranten ein, wie Augenzeugen berichteten. Die Demonstranten seien zuvor in mehreren Gruppen in der Nähe der Sule-Pagode eingetroffen, hieß es. Sie klatschten in die Hände, riefen Parolen und beschimpften die Soldaten, während sie versuchten, sich der Pagode zu nähern.

Das Militär hat damit begonnen, das Zentrum der Hafenstadt abzuriegeln. Laut Augenzeugen fuhren Soldaten und Polizisten auf Lastwagen durch die Straßen und errichteten mit Holz und Stacheldraht Barrikaden. Die riesige Shwedagon-Pagode, von der die jüngsten Proteste ausgingen, sei bereits vollkommen abgeriegelt, berichteten sie weiter.

Gestern wurden nach Behördenangaben mindestens neun Menschen bei den Protesten auf der Straße von Soldaten getötet. Westliche Diplomaten in Rangun sagten nach Angaben des Rundfunksenders, die Zahl der Opfer sei in Wirklichkeit wesentlich höher.

Seit der vergangenen Nacht stehen Tausende Mönche in fünf Klöstern unter Hausarrest. Sie würden als Rädelsführer bei den seit rund zwei Wochen anhaltenden Protestkundgebungen betrachtet, heißt es heute aus diplomatischen Kreisen in Rangun. Demnach ließ die Regierung verlauten, dass sie die Mönche jetzt unter ihrer Kontrolle habe und sich nunmehr den Zivilpersonen unter den Demonstranten zuwenden werde.

Beobachter rechnen für die kommenden Tage mit noch schärferen Konfrontationen, falls es die Einsatzkräfte gezielt auf Zivilpersonen absehen sollten. Das hohe Ansehen der buddhistischen Mönche in Burma habe bislang noch für weitgehende Zurückhaltung gesorgt.

Die Uno hat einen Sondergesandten nach Burma geschickt. Ibrahim Gambari soll bei seinem am Samstag beginnenden Besuch die Lage entschärfen. Die US-Regierung in Washington verlangt von der Militärjunta, Gambari müsse alle Konfliktparteien treffen können: Auch die religiösen Führer der Buddhisten, Verhaftete und die seit Jahren unter Hausarrest stehende Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi.

Die USA haben inzwischen neue Wirtschaftssanktionen gegen das Militärregime in Rangun verhängt. Laut Finanzministerium sollen die Guthaben von 14 burmesischen Regierungsvertretern eingefroren werden.

ler/AP/dpa/Reuters

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