Aufstand gegen Assad Putin warnt Westen vor Intervention in Syrien

Syriens Despot Assad beschießt das eigene Volk, der Westen protestiert heftig. Doch vor allem Russland stellt sich quer. Jetzt warnt Regierungschef Putin energisch vor einer militärischen Einmischung - und verweist auf die Gewalt in Libyen nach dem Sturz von Gaddafi.

REUTERS / RIA Novosti

Moskau/Damaskus - Eindringliche Warnung von Russlands Regierungschef Wladimir Putin: Der Westen dürfe sich nicht in Syrien einmischen, sagte er in Moskau. "Das Volk muss selbst über sein Schicksal entscheiden", forderte Putin. "Natürlich lehnen wir jede Gewalt ab, von welcher Seite auch immer, aber niemand sollte sich wie ein Elefant im Porzellanladen benehmen", sagte der 59-Jährige. Putin will sich am 4. März wieder zum Präsidenten wählen lassen.

Der Noch-Regierungschef verwies auf die Situation in Libyen nach dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi. Niemand spreche über die vergessene Gewalt gegen Gaddafis Unterstützer, "weil das die schrecklichen Folgen vor allem von militärischer Intervention sind", sagte der Ex-Geheimdienstchef. Putin hatte das Vorgehen des Westens in Libyen als "mittelalterlichen Kreuzzug" kritisiert.

Zuvor hatte sich bereits mehrmals der russische Außenminister Sergej Lawrow gegen eine Intervention des Westens in den Syrien-Konflikt ausgesprochen. "Auf beiden Seiten gibt es Personen, die einen bewaffneten Konflikt und nicht Dialog als Ziel haben", sagte er am Mittwoch.

Das Regime von Präsident Baschar al-Assad geht seit Monaten brutal gegen die Bevölkerung vor. Nach Uno-Angaben wurden dabei bisher mehr als 5400 Menschen getötet. Menschenrechtler sprechen gar von rund 6000 Toten. Eine Verurteilung Syriens durch den Sicherheitsrat kam nicht zustande, weil China und Russland ihr Veto eingelegt haben.

Türkei: "Auch ohne Uno handeln, um Syrer zu schützen"

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu sagte am Mittwoch, wenn der Uno-Sicherheitsrat die Zivilisten in Syrien nicht schützen könne, müsse eine Koalition aus entschlossenen Staaten Wege finden, um das Töten zu beenden und Zivilisten Hilfe zukommen zu lassen. Davutoglu sagte der Agentur Reuters, sein Land sei bereit eine Konferenz zur Unterstützung des syrischen Volkes auszurichten.

Russlands Außenminister Lawrow war am Dienstag nach Damaskus zu Gesprächen mit Assad gereist. Dort traf er sich mit Assad - und lobte diesen im Anschluss in höchsten Tönen. Syrien sei bereit, zur Beendigung der Gewalt eine neue Mission der Arabischen Liga mit deutlich mehr Beobachtern in das Land zu lassen, zitiert die Agentur Interfax den russischen Außenminister. Fotos und TV-Bilder aus Damaskus zeigen den begeisterten Empfang, den Anhänger Assads Lawrow bereiteten. Sie schwenkten russische Flaggen und riefen "Danke, Russland".

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Schlacht um Homs: Bilder aus der umkämpften Stadt
Auch am Mittwoch bombardieren Assads Streitkräfte den fünften Tag in Folge die Rebellenhochburg Homs mit schweren Waffen. Aktivisten berichteten, das Viertel Baba Amr sei mit Raketen und Mörsern beschossen worden. Sie sprachen von Dutzenden von Toten. Auch in anderen Vierteln der zentral gelegenen Stadt habe es erneut Kämpfe gegeben. Panzer seien nun im Viertel Inschaat. Milizionäre hätten zudem drei Familien in ihren Häusern massakriert, hieß es.

Aktivisten fürchten neues Massaker

Ein Aktivist in der Stadt sagte der Nachrichtenagentur AFP am Telefon, seit dem Morgengrauen sei der Beschuss "sehr intensiv". Geschossen werde unter anderem mit Raketen und Mörsergranaten. Damit bereite die Armee offenbar eine Bodenoffensive vor. "Die humanitäre Situation ist grässlich und es mangelt an Essen." Ein anderer Aktivist sagte, Panzer seien von Damaskus aus auf den Weg nach Homs. "Wir fürchten ein neues Massaker."

Die Arabische Liga forderte inzwischen ihre Beobachter auf, Syrien zu verlassen. Das bestätigte ein Mitarbeiter der Liga in Kairo. Der Leiter der Beobachtermission, Mohammed al-Dabi, und sein Stab sollen jedoch vorerst in Damaskus bleiben.

Die EU will mit einer Verschärfung ihrer Sanktionen das syrische Regime zum Ende der Gewalt gegen die Opposition drängen. Erwogen würden ein Verbot kommerzieller Flüge nach Europa sowie das Kappen der Geschäfte mit der syrischen Zentralbank, sagte ein hoher Mitarbeiter des Diplomatischen Dienstes der EU am Mittwoch in Brüssel. Entscheidungen könnten auf dem nächsten Treffen der EU-Außenminister am 27. Februar fallen. Die Europäer hatten bereits ein Öl-Embargo gegen Syrien sowie Einreiseverbote und Kontensperrungen gegen Dutzende Regimeangehörige verhängt.

fab/heb/Reuters/dpa/dapd/AFP

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Seite 1
KonsulOtto 08.02.2012
1. Recht hat er
Man mag von Putin halten was man will, wo er recht hat, hat er recht.
sagichned 08.02.2012
2. ..
Ein, zumindest teilweise, akzeptabler artikel vom spon. Wenigstens wird die russische meinung zu dem thama richtig wiedergegeben.
leser_81 08.02.2012
3. So ist es !
Putin hat recht ! Wir wissen zu wenig über die Ziele dieser "Rebellen". Wie so oft in Arabischen Staaten, fallen diese nach dem Sturz des Machthabers der alles zusammen hält, in Chaos ! Viele Interessengruppen, Pro Westliche, Gemäßigte Muslime, Radikale Muslime, diverse interessen von Familienclans, verschiedenen Stämmen und Ethnien. Hinzu kommt dann noch die steigende Armut, Radikalisierung und Verteilungskämpfe um Rohstoffe, Gebiete und Geld. Nein Danke ! Der Westen sollte sich hier raushalten. Wir dürfen diese Mentalität und Kultur der Menschen nicht mit unserer Vergleichen ! Wenn "der Starke Mann" erst einmal weg ist bricht das Chaos erst richtig los. Siehe Lybien, Irak und Ägypten !
theodorheuss 08.02.2012
4. Hm,
Zitat von sysopREUTERS / RIA NovostiSyriens Despot Assad beschießt das eigene Volk, der Westen protestiert heftig. Doch vor allem Russland stellt sich quer. Jetzt warnt Regierungschef Putin energisch vor einer militärischen Einmischung - und verweist auf die Gewalt in Libyen nach dem Sturz von Gaddafi. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814069,00.html
hat DER Russe SOOO unrecht? Vielleicht ist es wirklich am Besten wenn die "Arabischen Frühlingsvölker" ihre Revolutionen alleine austragen.
dipl_arch 08.02.2012
5. +++++
Zitat von sysopREUTERS / RIA NovostiSyriens Despot Assad beschießt das eigene Volk, der Westen protestiert heftig. Doch vor allem Russland stellt sich quer. Jetzt warnt Regierungschef Putin energisch vor einer militärischen Einmischung - und verweist auf die Gewalt in Libyen nach dem Sturz von Gaddafi. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814069,00.html
Ja, da hat er wohl Recht. Diesmal ohne Militär -auch wenns gegen die wirtschaftlichen Interessen geht. Aber bitte auch ohne Waffenlieferungen.
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