Kairo/Beirut - Dutzende syrische Panzer hatten die Ortschaft al-Sabadani im Umland von Damaskus den Angaben nach schon am Morgen umstellt. Elektrizität und Kommunikationsleitungen seien unterbrochen worden. Ein Oppositioneller sagte, die Regierungstruppen konzentrierten sich jetzt auf Gebiete nahe der Hauptstadt. Dort vermuteten sie auch den Unterschlupf eines hochrangigen Deserteurs.
Der General der syrischen Armee hat jedoch inzwischen in der Türkei Zuflucht gefunden. Ein Sprecher des türkischen Außenministeriums sagte am Samstag, General Mostafa Ahmed al-Scheik befinde sich seit rund zehn Tagen in der Türkei. Der Tageszeitung "Hürriyet" zufolge war al-Scheik die Nummer zwei der Armee im Norden Syriens und dort für den Nachrichtendienst zuständig. Demnach hält er sich in einem Lager im Süden der Türkei auf, in dem sich auch der syrische Ex-Offizier Riad al-Assaad befindet.
Al-Assaad ist der Chef der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA), einer vorwiegend aus Deserteuren der regulären Streitkräfte gebildeten Rebellengruppe. Die FSA umfasst nach eigenen Angaben mittlerweile 40.000 Soldaten und ist für mehrere Angriffe auf die syrischen Streitkräfte verantwortlich, bei denen es Dutzende Tote gab.
Opposition gründet Militärrat
Fahad Almasri, ein Berater al-Scheiks, kündigte die Gründung eines sogenannten Obersten Syrischen Militärrats unter dem Vorsitz al-Scheiks an. Der Rat werde hochrangige Offiziere umfassen und zuständig für die Planung der Einsätze der FSA gegen die syrische Armee sein. Zudem solle der Rat Offiziere in der Armee überzeugen, mit ihren Soldaten zur Opposition überzulaufen.
Dem Bericht von "Hürriyet" zufolge nahm al-Scheik am Donnerstag an einem Treffen zwischen al-Assaad und dem Präsidenten des Syrischen Nationalrats (SNC), Burhan Ghaliun, teil, um das weitere Vorgehen der Oppositionskräfte abzustimmen. Der Nationalrat teilte mit, ein Verbindungsbüro für eine direkte Kommunikation mit der FSA gründen zu wollen und die Rebellen über die politische Entwicklung zu informieren.
Unterdessen hat Katar als erstes Mitglied der Arabischen Liga nach dem Scheitern eines Beobachter-Einsatzes in Syrien einen Truppeneinsatz ins Gespräch gebracht. In einer solchen Lage "sollten einige Soldaten das Blutvergießen stoppen", sagte der Emir des Landes, Scheich Hamad bin Dschassim al-Thani, auf die Frage, ob er für ein militärisches Eingreifen in Syrien sei. Der Regierungschef äußerte sich in einem Interview des Fernsehsenders CBS, der Teile davon am Samstag auf seiner Internetseite veröffentlichte. Das gesamte Interview soll am Sonntag ausgestrahlt werden.
Am Samstag töteten die Regierungstruppen nach Angaben von Oppositionellen bei einem Angriff auf eine Region nahe der Grenze zum Libanon mindestens fünf Menschen. Unter ihnen sei auch ein Kind, sagten Aktivisten am Samstag der Nachrichtenagentur dpa. Ein Querschläger habe zudem einen Libanesen tödlich getroffen, der nur wenige Kilometer entfernt auf der anderen Seite der Grenze lebte, hieß es.
Am Freitag waren bei Massenprotesten gegen Assad den Angaben nach mindestens 28 Menschen getötet worden. Die Proteste gegen Assad begannen im März vergangenen Jahres. Inzwischen sind in dem Konflikt nach Uno-Schätzungen mehr als 5000 Menschen getötet worden, unter ihnen sollen mindestens 200 Kinder gewesen sein.
mik/dpa
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