Aufstand gegen Assad Syrische Generäle fliehen in die Türkei

Syriens Präsident Assad laufen die Getreuen davon. Berichten zufolge haben sich drei Top-Militärs in die Türkei abgesetzt, zuvor war ein ranghoher Politiker zu den Aufständischen übergelaufen. Das Regime gibt sich unbeirrt - aus der Protesthochburg Idlib werden erneut heftige Gefechte gemeldet.

AP

Istanbul/Beirut/Damaskus - Drei ranghohe syrische Offiziere haben sich aus Protest gegen die Gewalt gegen die Opposition ins Nachbarland Türkei abgesetzt. Die Deserteure - zwei Generäle und ein Oberst - seien über die Grenze in die türkische Provinz Hatay geflüchtet, berichtete der staatliche türkische Nachrichtensender TRT am Freitag.

Seit Donnerstag seien in dem Gebiet mehr als 230 neue syrische Flüchtlinge registriert worden. In Aufnahmelagern auf türkischer Seite der Grenze haben insgesamt etwa 12.000 Syrer Unterschlupf gefunden.

Den Berichten zufolge schienen die syrischen Regierungstruppen weitere Rebellengebiete unter Beschuss genommen zu haben, darunter auch die nördliche Provinz Idlib nahe der Türkei, hieß es weiter. Türkische Regierungsvertreter waren zunächst nicht für eine Bestätigung des Berichts zu erreichen.

Das syrische Justizministerium forderte die libanesischen Behörden auf, bewaffnete Syrer, die am vergangenen Wochenende zusammen mit Zivilisten in die Bekaa-Ebene geflohen seien, auszuliefern.

Erst am Vortag war mit Vize-Ölminister Abdo Hussameddin erstmals seit Beginn der Revolte vor einem Jahr ein ranghohes Mitglied der syrischen Regierung zu den Aufständischen übergelaufen.

Westerwelle spricht von "Zerfall" des Regimes

Die Zahl der Toten während des seit einem Jahr anhaltenden Konflikts stieg nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mittlerweile auf knapp 8500, die Uno geht von mehr als 7500 Getöteten aus. Am Mittwoch besuchte die Uno-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos die drittgrößte Stadt Homs. Sie ist ihren Angaben zufolge "total zerstört" und nahezu menschenleer.

Die EU-Außenminister drängten erneut darauf, in Syrien nicht militärisch zu intervenieren. "Die Sanktionen wirken", sagte der österreichische Außenminister Michael Spindelegger am Freitag in Kopenhagen. Nun gehe es darum, die Vermittlungsmission des früheren Uno-Generalsekretärs Kofi Annan zum Erfolg zu führen.

Ein Militäreinsatz könne dies gefährden. In der syrischen Regierung habe ein "Zerfallsprozess" begonnen, sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Auch der FDP-Politiker sprach sich gegen einen Militäreinsatz aus. Dies könne zu einem "Stellvertreterkrieg" führen und einen Flächenbrand auslösen.

Auch an diesem Freitag beteiligten sich an den Protesten gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad landesweit Zehntausende Menschen. Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London sprach am Mittag von mindestens 19 getöteten Zivilisten. Nach den Freitagsgebeten gibt es seit dem Beginn der Proteste gegen Assad häufig große Kundgebungen.

Krisentreffen für Montag geplant

Nach Angaben der Uno ist die syrische Regierung mittlerweile zumindest zu einer eingeschränkten Zusammenarbeit bereit. Dem Drängen nach einem ungehinderten Zugang zu den am schwersten betroffenen Gebieten habe die Regierung aber nicht nachgegeben und stattdessen mehr Zeit erbeten, sagte Menschenrechtsbeauftragte Amos in Ankara.

Die Lage in Syrien sowie der Friedensprozess im Nahen Osten stehen auch im Mittelpunkt eines Ministertreffens im Weltsicherheitsrat am kommenden Montag. Er habe die Außenminister der 15 Mitgliedstaaten sowie deren Amtskollegen aus Tunesien, Libyen und Ägypten zu den Gesprächen eingeladen, sagte der britische Außenminister William Hague, dessen Land in diesem Monat die Präsidentschaft im Uno-Sicherheitsrat innehat.

amz/dpa/dapd

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ceilks 09.03.2012
1. Libyen?
---Zitat--- Die Lage in Syrien sowie der Friedensprozess im Nahen Osten stehen auch im Mittelpunkt eines Ministertreffens im Weltsicherheitsrat am kommenden Montag. Er habe die Außenminister der 15 Mitgliedstaaten sowie deren Amtskollegen aus Tunesien, Libyen und Ägypten zu den Gesprächen eingeladen, sagte der britische Außenminister William Hague ---Zitatende--- Warum ladet man gerade Libyen ein? Wilde Theorien zu der Vielzahl libyscher Kämpfe in Syrien hab ich ja schon gehört aber gibt es auch eine vernünftigere Theorie dazu? Von den arabischen Ländern sind nun Marokko, Tunesien, Libyen und Ägypten dabei. Wäre es nicht vernüftiger auch ein Land aus Arabien oder die Türkei dabeizuhaben?
amana 09.03.2012
2.
Zitat von sysopAFPSyriens Präsident Assad laufen die Getreuen davon. Berichten zufolge haben sich drei Top-Militärs in die Türkei abgesetzt, zuvor war ein ranghoher Politiker zu den Aufständischen übergelaufen. Das Regime gibt sich unbeirrt - aus der Protesthochburg Idlib werden erneut heftige Gefechte gemeldet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820377,00.html
Tja, das ist keine gute Woche für das Regime, ein übergelaufener Minister, die syrische Währung auf Talfahrt, Demos im Herzen von Damaskus, die Generäle die überlaufen, da fehlt dann nur noch ein Annan der Assad vor laufenden Kameras auffordert das Land zu verlassen...
vielosof 09.03.2012
3. Fragwürdige Rebellion
Na, wenn Assad fliehen sollte gibts in Syrein auch bald Islamismus pur. Das Ganze Paket inklusive der Ausrottung religiöser Minderheiten, Verbot von allem nichtislamischen wie etwa Meinungsfreiheit, bildende Kunst und Tanz. Ist ja ein echter Fortschritt was da abgeht.
freiheitsk 09.03.2012
4. Grenzen
Zitat von sysopAFPSyriens Präsident Assad laufen die Getreuen davon. Berichten zufolge haben sich drei Top-Militärs in die Türkei abgesetzt, zuvor war ein ranghoher Politiker zu den Aufständischen übergelaufen. Das Regime gibt sich unbeirrt - aus der Protesthochburg Idlib werden erneut heftige Gefechte gemeldet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820377,00.html
Ist noch niemandem aufgefallen, dass sich die Rebellenhochburgen wie Idlib, Zabadani, Kusair, Daraa etc. alle ziemlich nah an der Staatsgrenze befinden? Zufall?
lebenslang 09.03.2012
5. trick
Zitat von vielosofNa, wenn Assad fliehen sollte gibts in Syrein auch bald Islamismus pur. Das Ganze Paket inklusive der Ausrottung religiöser Minderheiten, Verbot von allem nichtislamischen wie etwa Meinungsfreiheit, bildende Kunst und Tanz. Ist ja ein echter Fortschritt was da abgeht.
ein billiger propagandatrick. male die zukunft düsterer als die gegenwart, das schürt angst und stärkt die bereitschaft gegenwärtiges unrecht zuertragen.
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