Aufstand gegen Erdogan 2013 Besiktas-Fans droht lebenslange Haft

Sie waren eine treibende Kraft hinter den Demonstrationen gegen die Regierung Erdogan: Für knapp drei Dutzend Fans des Klubs Besiktas Istanbul könnte das nun schwere Folgen haben. Die Gruppe muss lebenslange Haftstrafen fürchten.

Demonstrierende Besiktas-Fans (2013): Gegen die Regierung
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Demonstrierende Besiktas-Fans (2013): Gegen die Regierung


Ankara - Im Sommer 2013 hatten Zehntausende Türken gegen die Regierung von Recep Tayyip Erdogan aufbegehrt. Mittendrin: Die Anhänger von Besiktas Istanbul. Mit ihrem Engagement sorgten sie dafür, dass aus den Protesten ein Volksaufstand wurde. 35 Fans des Fußball-Spitzenklubs müssen wegen ihrer Beteiligung an den Protesten gegen den damaligen Regierungschef und heutigen Staatspräsidenten mit lebenslangen Gefängnisstrafen rechnen.

Das geht aus der am Montag vorgelegten Anklage gegen die führenden Mitglieder des Besiktas-Fanklubs "Carsi-Gruppe" wegen vermeintlicher Versuche eines Umsturzes hervor.

Die "Carsi"-Gruppe war im Vorjahr eine der wichtigsten Kräfte für die Anti-Erdogan-Demonstrationen gewesen. Angaben der Ermittler zufolge sollen die Besiktas-Fans dabei eine bewaffnete Organisation gegründet, gewalttätige Ausschreitungen initiiert und zudem einen vergeblichen Versuch zur Besetzung von Erdogans damaligem Amtssitz unternommen haben. Ziel wäre eine gezielte Destabilisierung des türkischen Staates gewesen.

Es kam kaum überraschend, dass sich die Besiktas-Ultras auch an den Protesten gegen die Regierung Erdogan beteiligten. "Çarsi" kämpft seit 30 Jahren gegen Despoten und Staatswillkür. Die Gruppe hat auf Twitter fast 300.000 Follower.

Anfang Juni 2013 waren mehrere Zehntausend Besiktas-Anhänger in Richtung Taksim-Platz in Istanbul gezogen. Sie trugen schwarz-weiße Fanschals bei sich, Trommeln, bengalische Feuer. Vor Ort lieferten sie sich Straßenkämpfe mit der Polizei, kaperten einen Bagger und vertrieben damit einen Wasserwerfer. Das Video wurde bei YouTube ein Hit.

Die Regierung Erdogan war damals mit großer Brutalität gegen die Demonstranten vorgegangen. Mit seinem Vorgehen hatte der damalige Premier auch im Ausland für Entsetzen und heftige Kritik gesorgt.

jok/sid



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