Aufstand in Libyen Gaddafi startet Offensive gegen Rebellen

Heftige Gefechte im Osten Libyens: Die Truppen von Muammar al-Gaddafi haben nach Augenzeugenberichten die Stadt Brega und ihre Ölanlagen zurückerobert. Die Luftwaffe des Regimes bombardierte offenbar eine weitere Stadt. In Tripolis sorgt die Explosion eines Tanklasters für Panik.

AFP/ Libyan TV

Tripolis - Gaddafi-treue Truppen schlagen zurück: Die regimetreuen Soldaten offenbar die im Osten Libyens gelegene Stadt Brega und die dortigen Ölanlagen zurückerobert. Das melden Offiziere, die sich den Regimegegnern angeschlossen haben. Ein Manager der Ölfirma Sirte, Ahmed Dscherksi, bestätigte die Angaben zu Brega. Gaddafis Truppen hätten die Ölanlage seines Unternehmens unter ihrer Kontrolle, sagte er.

Der Sender al-Dschasira meldete am Mittwoch, auch die Stadt Adschdabijah sei mit zwei Kampfflugzeugen angegriffen worden. Dort kontrollieren Rebellen einen Militärstützpunkt und ein Waffenlager. Laut al-Arabija haben die Soldaten auch den Flughafen eingenommen, der westlich von Adschdabijah liegt. Nuri al-Obeidi, ein Polizeikommandeur der Rebellen in Bengasi, widersprach dieser Darstellung jedoch. Er sagte am Mittwoch, Gaddafis Truppen hätten am Dienstagabend zwar versucht, den Flughafen einzunehmen. Sie seien jedoch von "Demonstranten" zurückgedrängt worden.

Ein Einwohner berichtet, Gaddafi-Truppen hätten die strategische wichtige Stadt Gharjan im Nafussa-Gebirge bei Tripolis zurückerobert. Nach Angaben von Gefolgsleuten Gaddafis wurde auch der Ort Sabratha westlich der Hauptstadt wieder eingenommen, der in der vergangenen Woche allem Anschein nach abwechselnd von Kräften des Regimes und Aufständischen kontrolliert wurde.

Gharjan war am Freitag von den Rebellen eingenommen worden, berichtete der Einwohner. Nach der Rückeroberung hätten Gefolgsleute Gaddafis Offiziere festgenommen, die zu der Opposition übergelaufen seien. Es seien Suchlisten mit den Namen Oppositioneller erstellt worden. Die Fahndung habe sofort begonnen.

In Tripolis löste die Explosion eines Tanklasters am Mittwoch Panik unter Anwohnern aus. Ob es sich um einen Sabotageakt handelte, war zunächst nicht bekannt. Die Feuerwehr rückte mit vier Löschwagen aus, um die Flammen zu bekämpfen. Anwohner griffen ausländische Journalisten an, die am Ort der Explosion eintrafen. Sie trieben die Reporter in das Hotel zurück, in dem diese wohnen.

Opposition plant Hilferuf an den Westen

Wegen des brutalen Vorgehens gegen Regierungsgegner wurde Libyen am Dienstagabend offiziell aus dem Uno-Menschenrechtsrat in Genf ausgeschlossen. Nie zuvor ist die Weltorganisation in dieser Form gegen ein aktives Mitglied vorgegangen.

Die Regierung von US-Präsident Barack Obama erwägt, ob sie die diplomatischen Beziehungen zu Libyen offiziell abbrechen soll, sagte ein ranghoher Regierungsmitarbeiter dem US-Nachrichtensender CNN in der Nacht zum Mittwoch. Die EU und die Uno haben bereits weitreichende Sanktionen verhängt, vor allem gegen den Gaddafi-Clan.

Eine militärische Intervention scheint für die libysche Opposition inzwischen nicht mehr ausgeschlossen - im Gegenteil: Nach Angaben von "New York Times" und "Washington Post" wird in Kreisen der Regimegegner sogar darüber diskutiert, den Westen zu bitten, mit Luftangriffen unter Uno-Mandat zum Sturz von Gaddafi beizutragen.

cte/dapd/AFP/Reuters

insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
Epic Fail 02.03.2011
1. ...
"Aufstand in Libyen: Gaddafi startet Offensive gegen Rebellen" Von Demonstranten zu Rebellen, was heißt hier ein Geisterfahrer ? TAUSENDE !!!1!11
freiheitgleichheit 02.03.2011
2. Da das
Zitat von sysopHeftige Gefechte im Osten Libyens:*Die Truppen von Muammar al-Gaddafi haben*nach Augenzeugenberichten die Stadt Brega und ihre Ölanlagen zurückkerobert. Die Luftwaffe des Regimes bombardierte offenbar eine weitere Stadt. In Tripolis sorgt die Explosion eines Tanklasters für Panik. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,748540,00.html
nicht mit dem Fall zu Guttenberg in Verbindung zu bringen ist, hält sich das Interesse zur Diskussion in Grenzen
polyglotter Kosmopolit 02.03.2011
3. Das sieht nicht gut aus...!
Das wird gefährlich! Wenn Gaddafis Schergen die Bastionen der Rebellen und Revolutionäre zurückerobern, dann droht den dortigen Menschen ein grausamer Rachefeldzug. Gaddafi wird eine bittere Lektion erteilen. Spätestens jetzt muss die internationale Gemeinschaft noch härter eingreifen, um die Bewohner vor blutigen Racheakten des Regimes zu bewahren. Es darf sich auf keinen Fall wiederholen, was 1991 im zweiten Golfkrieg geschah: Bush Senior ermunterte die Schiiten im Süden des Iraks zur Rebellion und ließ sie dann im Stich. Saddam rächte sich bitter mit einem unvorstellbaren Blutbad.
priesternix, 02.03.2011
4. Da gibt's doch Öl ...
Zitat von sysopHeftige Gefechte im Osten Libyens:*Die Truppen von Muammar al-Gaddafi haben*nach Augenzeugenberichten die Stadt Brega und ihre Ölanlagen zurückkerobert. Die Luftwaffe des Regimes bombardierte offenbar eine weitere Stadt. In Tripolis sorgt die Explosion eines Tanklasters für Panik. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,748540,00.html
... wie können die Amerikaner da so zurückehaltend sein, und auf die Wahrung ihrer Interessen verzichten ? Also auf gehts, Bombenschacht auf, MOAB rein, und den Kameltreiber zum Mond schiessen. Danach können die Guten mit den demokratischen Kräften verhandeln, wie diese selbstlose Heldentat angemessen vergolten werden könnte. Das Leben ist so einfach ...
augu 02.03.2011
5. Nur nicht...
Eine militärische Intervention scheint für die libysche Opposition inzwischen nicht mehr ausgeschlossen - im Gegenteil: Nach Angaben von "New York Times" und "Washington Post" wird in Kreisen der Regimegegner sogar darüber diskutiert, den Westen zu bitten, mit Luftangriffen unter Uno-Mandat zum Sturz von Gaddafi beizutragen. Das wäre der größte Fehler, den der Westen machen könnte, es sei denn er akzeptiert einen zweiten Irak. Saddam war genauso oder noch mehr beim Volk verhasst wie Gaddafi, trotzdem gab es nach seinem Sturz durch die Amerikaner den bislang achtjährigen Guerillakrieg mit Terroranschlägen. In Libyen würden wahrscheinlich noch mehr Kämpfer nach amerikanischer Intervention diesen Krieg führen. Das ist ein Bürgerkrieg in Libyen und ausländische Einmischung ist fehl am Platz.
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