Aufstand in Libyen Rebellen nehmen Küstenstadt Brega ein

Im Kampf gegen Machthaber Gaddafi melden die Rebellen neue Erfolge: Ex-Regierungschef Dschallud, einer der wichtigen Gefolgsleute des Diktators, ist übergelaufen. Zudem ist die Küstenstadt Brega nun in der Hand der Kämpfer.

AFP

Bengasi/Tripolis - Die libyschen Rebellen treiben Machthaber Muammar al-Gaddafi immer weiter in die Enge. Nun melden die Aufständischen einen weiteren wichtigen Erfolg: Sie haben nun nach eigenen Angaben die lange umkämpfte und strategisch wichtige Küstenstadt Brega vollständig unter Kontrolle. Auch die Raffinerieanlagen in der Stadt seien in den Händen der Aufständischen, berichtete der arabische Nachrichtensender al-Dschasira am frühen Samstagmorgen - allerdings aus der Rebellenhochburg Bengasi. Die Soldaten Gaddafis seien offenbar aus dem Stadtzentrum und von den Öl- und Gasanlagen abgezogen, sagte eine Korrespondentin des Senders, die aus Bengasi berichtet. Eine unabhängige Bestätigung gab es zunächst nicht.

Vor einigen Tagen hatten die Regimegegner bereits Teile von Brega eingenommen. Der Ölhafen und die Raffinerieanlagen befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch unter der Kontrolle der Truppen Gaddafis.

In Brega gelang den Rebellen ein weiterer Erfolg: Sie nahmen einen General der Gaddafi-Truppen fest. Dieser trug den Angaben zufolge militärische Karten bei sich - deshalb wüssten die Rebellen jetzt, wo genau im östlichen Frontabschnitt Minen verlegt seien.

Durch die vollständige Eroberung Bregas und der letzten funktionierenden Öl-Raffinerie des Landes in Sawija kontrollieren die Rebellen damit nun strategisch bedeutende Infrastrukturen. Die Anlage war die einzige Quelle zur Versorgung von Tripolis.

Gaddafi an mehreren Fronten bedrängt

Ein Verantwortlicher der Raffinerie sagte, bei Lieferunterbrechungen drohe Tripolis "nicht nur ein Problem, sondern eine schlimme Krise". Die Raffinerie sei bei den Kämpfen nicht beschädigt worden und könne ihre Arbeit jederzeit wieder aufnehmen. Es seien zudem rund 10.000 Kubikmeter an Treibstoffreserven vorhanden. Die Einnahme Sawijas schnitt zudem den wichtigsten Nachschubweg für Gaddafis Truppen ab - eine Straße von Tripolis nach Tunesien.

Die Rebellen zeigen sich nach diesen Erfolgen überzeugt, dass das Ende von Gaddafis Herrschaft in Tripolis nur noch eine Frage der Zeit ist. Denn zunehmend sind Gaddafis Truppen in einen Krieg an mehreren Fronten verwickelt: Sawija liegt 40 Kilometer westlich der Hauptstadt Tripolis, Brega im Osten des Landes. Auch vom Süden nähern sich Rebellen laut einem Bericht der BBC der Hauptstadt. Die internationale Militärallianz kontrolliert den Seeweg von Norden in die Hauptstadt.

Die Nato unterstützte die Offensive der Rebellen durch Luftangriffe auf Tripolis. Nach Angaben des Regimes starben dabei 27 Personen. Die Nato beschuldigt Gaddafis Truppen, Kriegsgerät in der Nähe von Zivilisten zu lagern.

Ehemaliger Regierungschef läuft zu Rebellen über

Der schnelle Vormarsch der Aufständischen zeigt, wie sehr die Fähigkeit des Gaddafi-Regimes gelitten hat, Truppen schnell zu verschieben. Die Bombenangriffe der Nato und die Unterbrechung der Nachschubroute nach Tripolis haben es für den Diktator und seine Truppen schwer gemacht, die Fronten im Westen zu verstärken.

Machthaber Gaddafi soll sich in der Hauptstadt verschanzt haben. Der US-Sender NBC berichtete unter Berufung auf Geheimdienstinformationen, der Diktator treffe Vorbereitungen, ins Exil zu gehen, möglicherweise nach Tunesien. Es sei aber unklar, ob Gaddafi diesen Plan umsetzen werde. Libyens Regierung teilte mit, Gaddafi werde das Land nicht verlassen.

Die militärischen Niederlagen lassen offenbar immer mehr ehemalige Vertraute von Gaddafi abfallen: Abd el-Salam Dschallud lief nach Angaben eines oppositionellen Fernsehsenders zu den Aufständischen über. Dschallud war früher libyscher Regierungschef und die Nummer zwei des Regimes. Aus Kreisen der Aufständischen hieß es, Dschallud halte sich in der von den Rebellen kontrollierten Stadt Sintan südwestlich von Tripolis auf.

Dschallud war von 1972 bis 1977 libyscher Regierungschef. Seit dem Beginn der neunziger Jahre wurde er wegen Meinungsverschiedenheiten mit Gaddafi im Machtgefüge immer weiter zurückgedrängt. Vor einigen Jahren zog er sich aus der Politik zurück. Bei der libyschen Bevölkerung ist Dschallud sehr beliebt.

ulz/dpa/AFP/Reuters

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Snoozel 20.08.2011
1. Hmm
Und wie genau sieht der Plan aus wie das Land restauriert wird wenn Gad. besiegt ist? Ein großes Volk, massive Bewaffnung an jeder Ecke, keine Führung, keine Zukunft, nichts zu tun ... na das wird lustig. Aber ich weiß schon wie es laufen wird ... das Deutsche Volk wird das meiste, egal was, bezahlen - und die Amis nehmen sich das Öl.
Revisionist 20.08.2011
2. ...
Zitat von SnoozelUnd wie genau sieht der Plan aus wie das Land restauriert wird wenn Gad. besiegt ist? Ein großes Volk, massive Bewaffnung an jeder Ecke, keine Führung, keine Zukunft, nichts zu tun ... na das wird lustig. Aber ich weiß schon wie es laufen wird ... das Deutsche Volk wird das meiste, egal was, bezahlen - und die Amis nehmen sich das Öl.
Die Amis haben doch Erfahrung mit der Einführung von Demokratie und Ordnung: siehe Irak.
ratxi 20.08.2011
3. Demokratie
Zitat von sysopIm Kampf gegen Machthaber Gaddafi melden die Rebellen neue Erfolge: Ex-Regierungschef Dschallud, einer der wichtigen Gefolgsleute des Diktators, ist übergelaufen. Zudem ist die Küstenstadt Brega nun in der Hand der Kämpfer. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,781341,00.html
Nun verlassen also immer mehr Ratten das sinkende Schiff. Sie werden sich dann vermutlich später beim Aufbau einer "Demokratie" hervortun...
ratxi 20.08.2011
4. Nichts neues
Zitat von SnoozelUnd wie genau sieht der Plan aus wie das Land restauriert wird wenn Gad. besiegt ist? Ein großes Volk, massive Bewaffnung an jeder Ecke, keine Führung, keine Zukunft, nichts zu tun ... na das wird lustig. Aber ich weiß schon wie es laufen wird ... das Deutsche Volk wird das meiste, egal was, bezahlen - und die Amis nehmen sich das Öl.
Es braucht keinen Plan. Ein wenig Eigenverantwortung ist schon angebracht. Das von hier aus jede Möglichkeit einer negativen Entwicklung schon vorher gewusst wird, ist ja nichts neues.
moliebste 20.08.2011
5. Und es wird ja immer doller
Brega. Leider kann bei der erneuten (zum wievielten Mal jetzt ?)Eroberung von Brega dieses Mal keine aljazeera-Reporterin direkt dabei sein und berichtet aus einer sicheren Entfernung aus dem 500 km entfernten Benghazi. Vielleicht auch deshalb: Wenn nicht alles täuscht, hat gestern Abend eine Pro-Gaddafi Demo in der östlich von Brega gelegenen Stadt Ajdabiya stattgefunden. ( www.youtube.rayyisse.com ) Und da müßte man durch.
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