Aufstand in Quito: Soldaten befreien Ecuadors Präsidenten

Unter dem Feuer von Maschinenpistolen haben ecuadorianische Militärs Präsident Rafael Correa befreit. Der Staatschef saß fast zwölf Stunden lang in einem Krankenhaus fest, das von meuternden Polizisten belagert wurde. Zwei Menschen wurden dem Roten Kreuz zufolge bei den Protesten getötet.

Quito - Für Ecuadors Präsidenten Rafael Correa waren es dramatische Stunden: Erst flüchtete er vor meuternden Polizisten, dann wurde er verletzt in ein Polizeikrankenhaus gebracht. Dort wurde er erneut belagert - bis Soldaten ihn nach einer wilden Schießerei befreiten.

Zwei Polizisten wurden nach Angaben des Roten Kreuzes bei der Befreiungsaktion getötet, 37 weitere Menschen seien verletzt worden.

Correa traf kurz darauf im Zentrum der ecuadorianischen Hauptstadt Quito beim Präsidentenpalast ein, wo ihn Tausende Anhänger erwarteten. Er dankte ihnen für die Unterstützung, während er fast zwölf Stunden in dem Spital festgesessen hatte. In einer flammenden Ansprache beklagte Correa, es sei "völlig unnötig ecuadorianisches Blut vergossen" worden. Er dankte den südamerikanischen Staatschefs, die ihm ihre Unterstützung zugesagt hatten. Auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte sich tief besorgt über die Lage in Ecuador geäußert.

Zahlreiche meuternde Polizisten und Soldaten blockierten am Donnerstag Straßen und besetzten den internationalen Flughafen Ecuadors. Etwa tausend Polizisten verbarrikadierten sich in der größten Polizeikaserne der Hauptstadt Quito. Schulen, Banken, Geschäfte und andere Flughäfen im Land wurden vorsorglich geschlossen. Örtliche Medien berichteten von ersten Plünderungen.

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Aufstand in Quito: Meuterei gegen Ecuadors Präsidenten
Die Proteste richteten sich gegen ein am Mittwoch vom Kongress verabschiedetes Gesetz. Demnach sollen Angehörige von Polizei und Streitkräften nicht mehr mit jeder Beförderung Medaillen und Boni erhalten. Außerdem soll der Abstand zwischen zwei Beförderungen von fünf auf sieben Jahre angehoben werden. Das Gesetz ist noch nicht in Kraft getreten, weil es Correa noch nicht unterzeichnet hat. Es schien sich aber um einen spontanen Protest zu handeln. Hinweise darauf, dass er von der Opposition geplant wurde, gab es nicht.

Correa rief am Donnerstag den Ausnahmezustand aus. Er versuchte, die Protestierenden umzustimmen - und bekam ihre Wut zu spüren. Unter dem Einsatz von Tränengas durch seine Leibwache musste er in Sicherheit gebracht werden. Im ecuadorianischen Fernsehen war zu sehen, wie eine Tränengasgranate in unmittelbarer Nähe des Kopfes von Correa explodierte. Der Staatschef, der erst vor kurzem am Knie operiert worden war, verlor eine seiner Krücken und musste in ein bereitstehendes Auto getragen werden. Helfer streiften ihm eine schwarze Gasmaske über. Anschließend wurde der linksgerichtete Correa wegen Atembeschwerden infolge des Tränengases ins Polizeikrankenhaus in Quito gebracht.

Südamerikas Staatschefs sind besorgt - und Chávez twittert

Aus der Klinik sagte Correa telefonisch, die Unruhen seien ein Putschversuch der Opposition. Vor seiner Befreiung erklärte Correa, er sei praktisch ein Gefangener der Protestierenden. Die Klinik verlasse er nur als Präsident oder als Leiche. "Wenn Sie den Präsidenten töten wollen, dann tötet ihn. Aber ich weiche nicht zurück", rief der für dramatische Szenen bekannte Staatschef.

Der Kommandeur der ecuadorianischen Streitkräfte äußerte seine Unterstützung für den Präsidenten. In einer im Fernsehen ausgestrahlten Ansprache erklärte er, das Militär stehe loyal zu Correa. Dabei rief er zu einer Wiederaufnahme des Dialogs auf. Dies sei "der einzige Weg, wie Ecuadorianer ihre Differenzen beilegen können". Der Polizeichef von Ecuador trat zurück.

Auch Correas innenpolitischer Rivale, der Bürgermeister von Guayaquil, Jaime Nebot, sprach sich gegen die Proteste aus. Er erklärte auf einer Pressekonferenz: "Kein Problem sollte mit Gewalt und Nichtachtung der Verfassung und der Gesetze gelöst werden."

Von anderen Staatsführern der Region erhielt Correa Unterstützung. Sein venezolanischer Kollege Hugo Chávez erklärte über Twitter, die Demonstranten versuchten, den Präsidenten zu stürzen. "Viva Correa!!", schrieb Chávez. Der peruanische Präsident Alan García erklärte, er werde die Grenzen zu Ecuador schließen, bis Correas "demokratische Autorität" wiederhergestellt sei. Die kolumbianische Regierung forderte eine friedliche Lösung des Konflikts.

kgp/dapd/dpa

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insgesamt 10 Beiträge
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1. eine gute Show
elchavodel8 01.10.2010
Eine schöne Show, die der Rafita da aus einem Polizistenstreik gedreht hat. Hier mal die Situation, wie sie in Ecuador (außerhalb der Staatsmedien) gesehen wurde: Es gab ein paar Tausend streikende Polizisten die im gesamten Land wegen der Kürzung von Sondervergütungen gegen Correa teilweise gewalttätig Protestierten. Der als Exzentriker bekannte Präsident hat angesichts der aufgeheizten Stimmung nichts besseres zu tun als sich zum Schrecken seiner Sicherheitskräfte mitten ins Getümmel zu stürzen. Dabei explodiert eine Tränengasgranate in seiner Nähe und er verlor eine seiner Krücken. Deswegen wurde er von seinen Sicherheitsleuten in ein nahegelegenes Polizeikrankenhaus transportiert. Er wurde dort behandelt, hatte die Möglichkeit mit seinen Regierungsmitgliedern und anderen Staatschefs wie z.B Frau Kirchner zu telefonieren und gab Telefoninterviews an die Medien. Dabei hatte er die Gunst der Stunde erkannt und gab an entführt worden zu sein und erklärte wegen eines Staatsstreiches den Ausnahmezustand. Die Klinikleitung gab an, dass er jederzeit die Klinik verlassen könne (was aber seine Sicherheitsleute wegen wütender Demonstranten vor der Tür wohl für zu gefährlich hielten) und uneingeschränkt Kontakt nach draußen (über Telefon) halten könne. Die Polizeiführung des Landes erklärte öffentlich, dass es sich um einen Streik handele und keinerlei politische Motive bestünden. Die Oppositionspolitiker riefen zum Dialog und zur Beilegung gewalttätiger Proteste auf. Es gab zu keinen Zeitpunkt die Erklärung einer meuternden Gruppe, dass der Präsident abgesetzt sei und auch keinerlei politische Gruppierungen, die sich als Übergangsregierung erklärt hätten. Auch wurde kein einziges Regierungsgebäude besetzt. Nach ein paar Stunden in "Gefangenschaft" kamen ein paar Soldaten, schossen wild in die Luft um die protestierenden Polizisten auseinanderzutreiben und holten Rafael Correa aus dem Krankenhaus. Am Abend ließ sich dann der große Held vor jubelnden Massen am Präsidentenpalast feiern und alles war wieder ruhig und friedlich. Hollywood hätte es nicht besser machen können. Natürlich hat das ganze auch politische Hintergründe. Angesichts der "großen Putschgefahr" kann der Chavez-Zögling in seinem Land natürlich jetzt noch leichter hart gegen ungeliebte politische Gegener und Medien vorgehen.
2. gute Inszenierung
elchavodel8 01.10.2010
Eine schöne Show, die der Rafita da aus einem Polizistenstreik gedreht hat. Hier mal die Situation, wie sie in Ecuador (außerhalb der Staatsmedien) gesehen wurde: Es gab ein paar Tausend streikende Polizisten die im gesamten Land wegen der Kürzung von Sondervergütungen gegen Correa teilweise gewalttätig Protestierten. Der als Exzentriker bekannte Präsident hat angesichts der aufgeheizten Stimmung nichts besseres zu tun als sich zum Schrecken seiner Sicherheitskräfte mitten ins Getümmel zu stürzen. Dabei explodiert eine Tränengasgranate in seiner Nähe und er verlor eine seiner Krücken. Deswegen wurde er von seinen Sicherheitsleuten in ein nahegelegenes Polizeikrankenhaus transportiert. Er wurde dort behandelt, hatte die Möglichkeit mit seinen Regierungsmitgliedern und anderen Staatschefs wie z.B Frau Kirchner zu telefonieren und gab Telefoninterviews an die Medien. Dabei hatte er die Gunst der Stunde erkannt und gab an entführt worden zu sein und erklärte wegen eines Staatsstreiches den Ausnahmezustand. Die Klinikleitung gab an, dass er jederzeit die Klinik verlassen könne (was aber seine Sicherheitsleute wegen wütender Demonstranten vor der Tür wohl für zu gefährlich hielten) und uneingeschränkt Kontakt nach draußen (über Telefon) halten könne. Die Polizeiführung des Landes erklärte öffentlich, dass es sich um einen Streik handele und keinerlei politische Motive bestünden. Die Oppositionspolitiker riefen zum Dialog und zur Beilegung gewalttätiger Proteste auf. Es gab zu keinen Zeitpunkt die Erklärung einer meuternden Gruppe, dass der Präsident abgesetzt sei und auch keinerlei politische Gruppierungen, die sich als Übergangsregierung erklärt hätten. Auch wurde kein einziges Regierungsgebäude besetzt. Nach ein paar Stunden in "Gefangenschaft" kamen ein paar Soldaten, schossen wild in die Luft um die protestierenden Polizisten auseinanderzutreiben und holten Rafael Correa aus dem Krankenhaus. Am Abend ließ sich dann der große Held vor jubelnden Massen am Präsidentenpalast feiern und alles war wieder ruhig und friedlich. Hollywood hätte es nicht besser machen können. Natürlich hat das ganze auch politische Hintergründe. Angesichts der "großen Putschgefahr" kann der Chavez-Zögling in seinem Land natürlich jetzt noch leichter hart gegen ungeliebte politische Gegener und Medien vorgehen.
3. Re
Maclane 01.10.2010
Zitat von elchavodel8Eine schöne Show, die der Rafita da aus einem Polizistenstreik gedreht hat. Hier mal die Situation, wie sie in Ecuador (außerhalb der Staatsmedien) gesehen wurde:
Danke für die Info!
4. Lage in Ekuador
pameff 01.10.2010
Falls das gestern alles nur Show gewesen sein sollte, dann war sie wirklich sehr gut inszeniert. Lebe hier in Guayaquil und in der Stadt herrschte ab 10:00 Uhr morgens Anarchie, weil die Polizei den Dienst verweigert hat. Elektrogeschäfte und Supermärkte wurden geplündert, Leute auf offener Strasse überfallen und es herrschte ein Klima der Ungewissheit. Wenn ich dann lese das alles inszeniert wurde kommt mir wirklich das Kotzen. Wenn "elchavodel8" behauptet es sei kein Regierungsgebäude angegriffen worden dann ist das unwahr, das Gebäude des Staatsfernsehens wurden von Gutierrez-Anhängern gestürmt, ausserdem wurde versucht deren Sender durch Sabotageakte abzuschalten. Von 13:30-18:00 Ortszeit empfing man auf allen Fernsehkanälen nur das Signal des Staatssenders, ab etwa 18:30 Uhr berichteten die einzelnen Fernsehsender jeder für sich. Auch wenn deren Berichterstattung mit Sicherheit regierungskritischer war als die des Staatssenders, so zweifelt von der Presse bisher niemand die Ereignisse von gestern als Inszenierung an.
5. echter Streik ... inszenierter Putsch
elchavodel8 01.10.2010
Zitat von pameffFalls das gestern alles nur Show gewesen sein sollte, dann war sie wirklich sehr gut inszeniert. Lebe hier in Guayaquil und in der Stadt herrschte ab 10:00 Uhr morgens Anarchie, weil die Polizei den Dienst verweigert hat. Elektrogeschäfte und Supermärkte .....
Da haben Sie meinen Text nicht richtig gelesen/verstanden. Natürlich gab es einen Streik der Polizei und gewaltsame Proteste (wie oben beschrieben). Und natürlich nutzen Kriminelle die Abwesenheit der Polizei zu Plünderungen. Inszeniert war nicht der Streik (Der war real und kam sicher aus vollem Herzen aus Wut über Correa) sondern die "Entführung" und der "Staatsstreich". 1. Der "Entführte" hat sich selbst in die Gefahrensituation gebracht als er sich in die Wütende Menge stellte und provozierend rief "Tötet den Präsidenten". (unvorstellbar dumm sowas. Etwa so als hätte sich Merkel gestern ungeschützt vor den Stuttgarter Bahnhof gestellt.) 2. Der "Entführte" wurde von seinen eigenen Sicherheitsleuten an den Ort der "Entführung" (das Krankenhaus) gebracht 3. Der "Entführte" durfte den ganzen Tag frisch fröhlich telefonieren, Gegenmaßnahmen organisieren, Interviews geben etc. 4. Zu keinem Zeitpunkt des "Staatsstreiches" wurde der Präsident von irgendjemanden für abgesetzt erklärt 5. Zu keinem Zeitpunkt während des "Staatsstreiches" haben Putschisten ein Regierungsgebäude (TV-Anstalten sind keine Regierungsgebäude) besetzt und eine neue regierung ausgerufen. 6. Regierung, Militär, Polizeiführung und sogar Oppositionspolitiker haben zum Ende der Aktion aufgerufen. Also ich weiß ja nicht, was Sie unter Entführung und Staatsstreich verstehen. Das gestern war es jedenfalls nicht. PS: Vom Angriff auf den Sender hab ich auch gehört. Das war erstens nicht der einzige sinnlose Vandalismus gestern und ist zweitens vielleicht mit der Wut darüber zu erklären (aber nicht zu entschuldigen), dass sämtliche Sender das staatliche Signal übernehmen mussten (Damit sich auch wirklich überall das Märchen vom Putsch verbreitet).
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