Aufstand in Syrien Assad lässt auf Demonstranten schießen

Die Gewalt in Syrien eskaliert: Zehntausende Menschen forderten mit Massenprotesten das Regime heraus. Diktator Assad ließ Sicherheitskräfte mit Waffengewalt gegen die Demonstranten vorgehen. Dutzende Menschen starben.

Demonstranten in Banias, im Nordosten Syriens: Aufruf bei Facebook
AFP/ STR

Demonstranten in Banias, im Nordosten Syriens: Aufruf bei Facebook


Damaskus/Kairo - Es war der blutigste Tag in Syrien seit dem Beginn des Aufstands gegen das Regime. Die Zahl der Toten erhöhte sich im Laufe des Tages immer mehr. Am Freitagabend war von 70 Personen die Rede, die im Zuge neuer Proteste gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad in Syrien ums Leben kamen. Diese Angabe stammt von Menschenrechtsaktivisten.

Demnach starben am Freitag allein in der südlichen Stadt Asraa 18 Demonstranten, als Heckenschützen auf Hausdächern das Feuer eröffneten. Sieben Menschen kamen bei Protesten in der Hauptstadt Damaskus ums Leben, weitere Opfer wurden aus mehreren anderen Städten gemeldet. Zahlreiche Demonstranten wurden verletzt, etliche davon sollen in kritischem Zustand sein.

In Homs seien so viele Menschen verletzt worden, dass Ärzte unter den Demonstranten in den Gassen der Altstadt improvisierte Lazarette einrichteten, erzählte eine Augenzeugin der BBC. Die Staatsmedien bezeichneten die Heckenschützen als "unidentifizierte Bewaffnete". Etliche davon seien von den Sicherheitskräften festgenommen worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Nach Einschätzung der Aktivisten sind aber die Heckenschützen Teil des mächtigen Geheimdienstes. Im Polizei- und Geheimdienststaat Syrien ist es unvorstellbar, dass sich Bewaffnete in einer derartigen Zahl und Koordinierung auf den Hausdächern in den Zentren der wichtigsten Städte einrichten können.

In Damaskus setzten die uniformierten Sicherheitskräfte Tränengas gegen die Kundgebungsteilnehmer ein, sagten Augenzeugen. Die Demonstranten wollten von mehreren Vorstädten aus ins Stadtzentrum vordringen, wurden aber von Polizei- und Geheimdienstaufgeboten mit Gewalt daran gehindert.

In zahlreichen syrischen Städten waren nach dem Mittagsgebet erneut Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen, um Demokratie und einen Regimewechsel zu fordern. Die Demonstranten verlangten am Freitag auch die Freilassung Tausender politischer Gefangener, die bislang nicht von den Reformen des Präsidenten profitieren konnten.

Am Donnerstag hatte Assad versucht, seine Gegner mit Zugeständnissen zu besänftigen. Er hob den fast 50 Jahre geltenden Ausnahmezustand auf. Dieser diente dazu, Kritiker willkürlich zu verhaften und jede politische Opposition mundtot zu machen.

Bürger können nun Demonstrationen beantragen

Auch die berüchtigten Staatssicherheitsgerichte löste Assad am Donnerstag auf. Doch die Opposition zeigt sich unbeeindruckt - und ruft zu neuen Protesten auf. "Bringt Poster und Logos mit, die die gerechten Forderungen der Revolution klar zum Ausdruck bringen", hieß es in einem Aufruf, der auf der Facebook-Seite der syrischen Demokratiebewegung veröffentlicht wurde. Auch wurde angeregt, entlang der Kundgebungswege die allgegenwärtigen Bilder und Statuen Assads zu "entfernen". Die Demonstranten sollten darüber hinaus ihre Aktivitäten "auf ausreichend scharfen Bildern und Videos festhalten".

Am Donnerstag setzte Assad auch ein neues Versammlungsgesetz in Kraft, das Demonstrationen legal macht, wenn sie vom Innenministerium genehmigt sind. Anträge müssen fünf Tage vor einer geplanten Kundgebung eingereicht werden. Das Innenministerium hatte allerdings die Bürger schon vor drei Tagen davor gewarnt, an Demonstrationen teilzunehmen. Die Kundgebungen am Freitag konnten allein schon wegen der vorgeschriebenen Frist keine Genehmigung erhalten.

Syrische Oppositionskräfte begrüßten in ersten Reaktionen die neue Entwicklung. "Es ist ein positiver Schritt, dessen Umsetzung aber genau zu beobachten ist", sagte der Chef der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London, Rami Abdul Rahman. "Der zweite Schritt wäre die Entlassung Tausender Häftlinge, die von den Staatssicherheitsgerichten ins Gefängnis gesteckt wurden."

cte/böl/dpa/Reuters/dapd



insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
Koltschak 22.04.2011
1. Oh haua, mal was ganz Neues.....
....wieviele Foren will SpOn noch unter der Unterschrift: Assad lässt schißen, Assads lässt schießn eröffnen? Wir wissen jetzt der ist böse. Und die Bodentruppen stehen schon zum Einsatz bereit, die Drohnen auch. Denn Assads ist ein ganz schlimmer Finger im Zusammenspiel mit dem Iran. Da würde es nicht den falschen treffen! Aber so viele Themen mit dem gleichen Thema: Assad lässt auf Demonstranten schießen...?
Willie, 22.04.2011
2. -
Zitat von Koltschak....wieviele Foren will SpOn noch unter der Unterschrift: Assad lässt schißen, Assads lässt schießn eröffnen? Wir wissen jetzt der ist böse. Und die Bodentruppen stehen schon zum Einsatz bereit, die Drohnen auch. Denn Assads ist ein ganz schlimmer Finger im Zusammenspiel mit dem Iran. Da würde es nicht den falschen treffen! Aber so viele Themen mit dem gleichen Thema: Assad lässt auf Demonstranten schießen...?
Hoert sich an als waere die Zurkenntnisnahme diese Sachverhaltes ihnen unangenehm. Ihre? Russische? Woher haben sie das? Und? Stimmt es denn nicht?
glücklicher südtiroler 22.04.2011
3. Syrien...
Zitat von sysop"Hau ab, wir werden auf dir und deinem Schlächter-Regime herumtrampeln": Mit neuen Massenprotesten fordern Zehntausende Syrer das Regime heraus. Diktator Assad versucht, seine Gegner mit Reformen zu besänftigen - lässt seine Staatssicherheit aber auch brutal zuschlagen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,758724,00.html
Und nun...? Was ist der wesentliche Unterschied zu Libyen... (OK; über der Erde... ;) Es wird immer offensichtlicher, daß die Lösung nur politisch sein kann und wir mit militärischen Lösungsversuchen nur in einen Strudel mit immer weiteren Eskalationen gelangen. Im Falle Syriens ist besonders dessen tiefe Verstrickung heikel; man denke nur an die Golanhöhen, die offene Wunde zwischen Israel und Syrien. Der Wunsch der Massen nach Veränderung trifft sowohl pro- als auch antiwestliche Regime; natürlich versuchen auch ein paar zweifelhafte Trittbrettfahrer auf den Zug aufzuspringen und bisher zu kurz gekommene Stämme werden versuchen selbst an die Macht zu gelangen. Dort wo "Change" erwünscht wird, werden wie in Libyen die bisher zu kurz gekommenen unterstützt. Dort wo wie in Bahrain der Erhalt des status quo im Mittelpunkt steht, lässt man die Sache per Saudischem Verbündeten regeln... In Syrien sollten wir uns nicht einmischen, in Libyen ebenfalls nicht... Viele Grüße aus Südtirol...
zwischendominante 22.04.2011
4. .
Was würde eigentlich passieren, wenn in Deutschland unaufhörlich Massenproteste der Wutbürger vors Kanzleramt rücken würden?.. Anlässe gäbe es ja genug.
Hubert Rudnick, 22.04.2011
5. Regierungen
Zitat von zwischendominanteWas würde eigentlich passieren, wenn in Deutschland unaufhörlich Massenproteste der Wutbürger vors Kanzleramt rücken würden?.. Anlässe gäbe es ja genug.
Imgrunde würden fast alle Regierungen um ihre Macht kämpfen, darum sollten die zur Zeit sich als Friedensboten geben sehr ruhig und zurückhalten sein. Schon als damals der Ostblock im Wandel war, da hatten alle westlichen Länder eine große Klappe, wobei sie bestimmt viel härter gegen die eigene Bevölkerung vorgegangen wären. Denn keine lässt es zu, dass das Volk sich die Macht erklimmen könnte, jeder Machtwechsel wird bis aufs Blut ausgekämpft. Wir dürfen es nicht nur mit einen Personenwechsel verwechseln, denn die Macht bleibt trotzdem erhalten. Für mich ist das Geschrei der westlichen Länder einfach nicht nachvollziehbar, wir haben doch immer unsere Vorteile in den jeweiligen Diktaturen gesehen und uns ihr bedient. HR
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