Aufstand in Syrien Assads Armee eröffnet Feuer in Damaskus

Der Trauerzug wurde zum Blutbad: Augenzeugen berichten, dass syrische Sicherheitskräfte in Damaskus das Feuer auf Zivilisten eröffnet haben. Sie trauerten um drei Demonstranten, die am Freitag erschossen worden waren. Machthaber Assad wurde von China erneut der Rücken gestärkt.


Hamburg - Mit scharfen Schüssen sollen syrische Sicherheitskräfte am Samstagmorgen versucht haben, eine Menschenmenge aufzulösen. Das berichten Augenzeugen. "Die Menschen rennen weg, sie suchen Schutz in den Gassen", sagte ein Zeuge der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon. Mindestens vier Menschen sollen verletzt worden sein.

Sie gehörten zu einem Trauerzug für drei Demonstranten, die bereits am Freitag in Damaskus von syrischen Regierungskräften getötet worden waren. Die Kundgebung in Damaskus am Freitag war die größte in der Hauptstadt seit dem Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad vor elf Monaten. Augenzeugen zufolge hatten sich nach den Freitagsgebeten bis bis zu 15.000 Menschen im Stadtviertel Mezze versammelt und den Rücktritt Assads gefordert. Neben scharfer Munition sollen die syrischen Regierungskräfte auch Tränengas eingesetzt haben, um die Menschenmenge zu zerstreuen.

Auch in anderen syrischen Städten kam es am Freitag nach Angaben der Opposition wieder zu Großdemonstrationen, darunter in Aleppo im Norden des Landes. In Aleppo und Damaskus war es bis vor wenigen Wochen relativ ruhig geblieben, jetzt scheinen die Unruhen auch auf die beiden größten Städte des Landes überzugreifen.

Die Truppen Assads versuchen die Lage ihrerseits mit neuer Gewalt unter Kontrolle zu bekommen. Erneut beschossen sie am Freitag die Stadt Daraa, Geburtsstätte der Revolte, sowie die Oppositionshochburg Homs. Homs steht bereits seit zwei Wochen unter schwerem Feuer. In Idlib an der Grenze zur Türkei hätten Panzer die Stadt umstellt, berichteten zwei Anwohner der Nachrichtenagentur Reuters. Bewohner befürchteten einen unmittelbar bevorstehenden Angriff. Nach Angaben der Regimegegner fielen den Kämpfen am Freitag landesweit 68 Menschen zum Opfer, davon allein 16 in Homs.

China lobt Assad

China hat Präsident Assad erneut den Rücken gestärkt. Im Gegensatz zu den Europäern und den USA unterstützte die Regierung in Peking am Samstag Assads Pläne für ein Referendum. "Wir hoffen, dass das Referendum über die Verfassung und die sich anschließende Parlamentswahl stattfinden", sagte Chinas Vizeaußenminister Zhai Jun laut dem syrischen Staatsfernsehen bei einem Besuch in Damaskus. Zugleich forderte er die syrische Regierung und Opposition zu einem Ende der Gewalt in dem seit elf Monaten andauernden Konflikt auf.

China gehört neben Russland zu den größten Gegnern eines härteren Kurses der Staatengemeinschaft gegen Assad. Beide Länder hatten kürzlich im Uno-Sicherheitsrat eine Resolution für einen Rücktritt Assads mit ihrem Veto verhindert. Assad hatte das Referendum am Mittwoch für den 26. Februar angekündigt. Es soll den Weg für ein Mehrparteiensystem und Parlamentswahlen ebnen. Die syrische Opposition und der Westen haben die Pläne aber umgehend als unglaubwürdig zurückgewiesen.

Die Proteste in der syrischen Hauptstadt dürften auch am Sonntag weitergehen, die Opposition hat die Einwohner dazu ermutigt. "Das Blut der Märtyrer ruft euch zum Ungehorsam auf", schrieben Aktivisten am Samstag auf ihrer Facebook-Seite "The Syrian Revolution 2011".

Die Bundesregierung wird die Bevölkerung in Syrien mit weiteren 300.000 Euro Nothilfe unterstützen. Mit dem Geld soll das Deutsche Rote Kreuz zusammen mit dem Syrischen Roten Halbmond Nahrungsmittel, Decken und Hygieneartikel bereitstellen. Allerdings haben Hilfsorganisationen nach Angaben des Auswärtigen Amts derzeit nur sehr eingeschränkten Zugang zur Bevölkerung in Syrien. Insgesamt hat die Bundesregierung seit dem Beginn der Unruhen rund drei Millionen Euro an Nothilfe bereitsgestellt.

ric/ap/dpa/reuters



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insgesamt 72 Beiträge
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Seite 1
flower power 18.02.2012
1. Na und?
Zitat von sysopREUTERSDer Trauerzug wurde zum Blutbad: Augenzeugen berichten, dass syrische Sicherheitskäfte in Damaskus das Feuer auf Zivilisten eröffnet haben. Sie trauerten um drei Demonstranten, die am Freitag erschossen worden waren. Machthaber Assad wurde von China erneut der Rücken gestärkt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816128,00.html
Wäre bei uns eine Rebellion - würde die Bundeswehr auch schiessen.
theodorheuss 18.02.2012
2. Nicht ganz unrichtig!
Zitat von flower powerWäre bei uns eine Rebellion - würde die Bundeswehr auch schiessen.
Die Situation ist nicht ganz vergleichbar, aber warten wir doch einmal ab wie sich politische Lage in Griechenland weiterentwickelt. Sollte GR wirklich pleite gehen und keine Renten, Beamtengehälter etc. mehr bezahlt werden können sprechen schon jetzt Griechische Politiker von evtl. Bürgerkriegsausbrüchen im Land. Und dann? Natürlich schießen in einem solchen Fall Polizisten und die Armee scharf um das Land nicht in Anarchie versinken zu lassen. Was dann? Bombadiert die NATO dann Athen?
Websingularität 18.02.2012
3. Dann sollte man China ebenfalls den Krieg erklären
Zitat von sysopREUTERSDer Trauerzug wurde zum Blutbad: Augenzeugen berichten, dass syrische Sicherheitskäfte in Damaskus das Feuer auf Zivilisten eröffnet haben. Sie trauerten um drei Demonstranten, die am Freitag erschossen worden waren. Machthaber Assad wurde von China erneut der Rücken gestärkt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816128,00.html
Ich find's traurig wie prinzipienlos der Westen ist. Wenn China Unrecht unterstützt, dann muss man in Konflikt mit China treten! Oder ist der Westen so feige geworden? In Syrien sterben ebenfalls Menschen für ihre Prinzipien! Vielleicht sollte sich der "feige" Westen daran ein Beispiel nehmen, und China bzw. Russland entgegentreten. Die westliche Solidarität scheitert an Feigheit und Wirtschaftsinteressen. Vorallem Wirtschaftsinteressen vor einem Großmächtigen China. Dabei wird doch in Zukunft sowieso alles den Bach runtergehen. Es wird niemals so kommen, wie unsere Eliten sich das vorstellen. Es dauert nicht lange, dann werden unsere Politik & Wirtschaftseliten sowieso alles verlieren. Aber dass in Syrien Menschen ihr Leben verlieren, das würde sich verhindern lassen. Und wenn's dann doch zu einem tödlichen Konflikt kommt, dann war's nach westlichen Maßstäben richtig. Vorallem den Chinesen zu zeigen, dass sie von einem gewaltsamen Konflikt auch nicht profitieren. Der Westen verrät die Werte die ihn ausmachen. Ach ja, der Westen hat ja keine Werte mehr.
iron_net 18.02.2012
4.
Zitat von flower powerWäre bei uns eine Rebellion - würde die Bundeswehr auch schiessen.
Vielleicht. Auf jeden Fall waere es genau so falsch. Von "na und?" kann also gar keine Rede sein. Sehr interessant ist aber (mal wieder) die Aufmachung des Artikels. In der Voransicht wird der Eindruck erweckt, China unterstuetze Assads Vorgehen und halte die Schuesse auf Zivilisten fuer gut. Erst im Artikel erfaehrt man, dass sich das Lob auf das angekuendigte Referendum bezieht und China zum Ende der Gewalt aufruft.
fechtner 18.02.2012
5. Hörensagenpseudojournalismus
nimmt leider immer mehr zu. Vielleicht mal etwas mehr lesen um ein objektiveres Bild der Lage in Syrien zu bekommen: Syrien und die Scheinheiligkeit des Westens*|*NachDenkSeiten – Die kritische Website (http://www.nachdenkseiten.de/?p=12174)
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