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Aufstand in Syrien: Assads Armee marschiert gegen weitere Proteststadt

Die Truppen stehen nur noch wenige Kilometer von der Stadtgrenze entfernt: Die Armee des syrischen Machthabers Assad bekämpft den Aufstand weiter mit brutaler Gewalt - und zieht nun gegen Maarat al-Numan. Dort hatten in den vergangenen Wochen Tausende gegen den Diktator protestiert.

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Syrische Flüchtlinge in der Türkei: Tausende verlassen das Land

Amman - Das syrische Militär verbreitet weiter Angst und Schrecken: Nach der Niederschlagung von Protesten in der syrischen Stadt Dschisir al-Schughur rückt die Armee auf eine weitere Hochburg der Opposition im Norden vor. Flüchtlinge und Augenzeugen berichteten am Montagabend, das Militär habe mittlerweile die Ortschaft Ahtam erreicht und stehe damit etwa 14 Kilometer vor der Stadt Maarat al-Numan.

In Maarat al-Numan waren in den vergangenen Wochen zahlreiche Syrer auf die Straßen gezogen, um gegen die Herrschaft von Präsident Baschar al-Assad zu protestieren. Die syrische Führung hat die meisten Auslandskorrespondenten ausgewiesen, so dass eine Überprüfung der Berichte schwierig ist.

Nach tagelanger Belagerung waren syrische Regierungstruppen am Sonntag in die Kleinstadt Dschisir al-Schughur einmarschiert. Die Streitkräfte nahmen die Kleinstadt mit Artillerie unter Beschuss. Nach Angaben der Staatsmedien hätten die Regierungstruppen "Ruhe und Ordnung" in der Stadt wiederhergestellt. Zuvor hätten Armee-Einheiten den Ort im Nordwesten des Landes "von bewaffneten terroristischen Banden gesäubert, die die Bewohner terrorisierten, öffentliches und privates Eigentum angriffen und Chaos über die Stadt brachten", hieß es in einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Sana.

Das Militär hatte die Offensive gestartet, nachdem in Dschisir al-Schughur 120 Soldaten getötet worden waren. Einwohnern zufolge kam es zu einer Meuterei unter den Truppen, weil einige Soldaten nicht auf demonstrierende Regierungsgegner schießen wollten. Die Führung in Damaskus machte dagegen bewaffnete Banden für den Tod der Soldaten verantwortlich und entsandte neue Truppen.

USA verurteilen Gewalt in Syrien

Seit Beginn der Proteste in Syrien vor drei Monaten sind nach Angaben von syrischen Menschenrechtsgruppen 1300 Zivilisten und 300 Soldaten getötet worden. Mehr als 10.000 Menschen sind nach Angaben der Uno bereits aus Syrien vor der Gewalt der Sicherheitskräfte geflohen. Etwa 5000 Syrer hätten in der Türkei, rund 5000 weitere im Libanon Zuflucht gefunden, erklärte die Leiterin der humanitären Einsätze der Uno, Valerie Amos, am Montag in New York. Nach Berichten von Augenzeugen harren zudem etwa 10.000 Flüchtlinge nahe der Grenze aus. Die Hilfsorganisation Roter Halbmond bereitet nach Uno-Angaben ein viertes Flüchtlingslager mit Platz für 2500 weitere Menschen vor. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die syrische Führung erneut auf, Mitarbeiter des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes ins Land zu lassen. Die Lage sei "sehr besorgniserregend".

Die US-Regierung hat Machthaber Assad erneut eindringlich zum Gewaltverzicht aufgerufen. Assad müsse einen Dialog mit der Opposition beginnen und den Übergang zu mehr politischer Freiheit anführen - oder zur Seite treten, sagte Jay Carney, der Sprecher von US-Präsident Barack Obama. Er bekräftigte, dass die USA die Gewalt der Regierung gegen das eigene Volk "auf das Äußerste verurteilen".

Auf die Frage, ob die internationale Gemeinschaft nicht wie auch in Libyen, wo Machthaber Muammar al-Gaddafi mit Gewalt gegen Rebellen vorgeht, einschreiten müsse, sagte Carney, die Situation sei nicht vergleichbar. Im Falle Libyens habe es einen "vereinten Ruf nach Aktion" gegeben, der durch ein Mandat der Vereinten Nationen gedeckt worden sei.

Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) setzt weiter auf eine politische Lösung für den Konflikt in dem Land. Es bleibe in der deutschen Außenpolitik bei einer "Kultur der militärischen Zurückhaltung", sagte Westerwelle im ZDF-"Morgenmagazin". Deutschland könne nicht jedes Mal, wenn Unrecht geschehe, mit der Armee eingreifen, "selbst, wenn es uns das Herz zerreißt in Anbetracht von Bildern, die wir sehen". Um dem "Wirken und den Grausamkeiten des Regimes von Assad Einhalt zu gebieten", habe man sich folglich international auf Sanktionen verständigt, auch gegen Assad. Zudem habe man gemeinsam mit anderen europäischen Staaten bei den Vereinten Nationen eine Initiative für eine Resolution angestoßen. Es sei klar, dass die Grausamkeiten in Syrien unverzüglich beendet werden müssten.

Die Proteste in Syrien hatten bereits Mitte März begonnen. Um die Unruhe im Land einzudämmen, hatte Assad versprochen, ein neues Parteiengesetz für mehr Pluralismus auf den Weg zu bringen. Nachdem die Armee jedoch in mehreren Städten auf Demonstranten geschossen hatte, wurde aus der Forderung nach Reformen schnell der Ruf nach einem Sturz des Assad-Regimes. Inzwischen lässt die Regierung von Militärhubschraubern und Panzern aus auf die Demonstranten feuern.

In einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung forderte die wichtigste Oppositionsgruppe, die Lokalen Koordinierungsausschüsse, Präsident Assad zum Rücktritt auf. Die Macht müsse an die Armee abgegeben und das Land zu einer Demokratie werden. Eine international überwachte Konferenz solle binnen sechs Monaten eine neue Verfassung erarbeiten. Es müsse verhindert werden, dass Syrien ins Chaos stürze, erklärte die Opposition weiter. Seit Beginn der Proteste seien mehr als 10.000 Syrer festgenommen worden.

anr/Reuters/dpa/AFP

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1. Resolution?!
Xeelee101 14.06.2011
Hallo Franzosen!!! Da ballert schon wieder ein Diktator auf Unschuldige. Was'n los wollt ihr nicht mehr? Haben sich immer noch keine Interessenten gemeldet, die eine Dasault Rafale kaufen wollen? So was. Warum wohl? Villeicht weil ihr die Länder lieber zusammenbombt die euch diese Flugzeuge abkaufen würden. Aber das Französische Arsenal ist ja groß. Und da kommt Syrien doch gerade recht. Die machens auch anders als Libyen. Die fliegen nicht mit Trainingsflugzeugen rum sondern schicken gleich schweres Gerät. Also eigentlich müsste die UN ja jetzt eine Fahrverbotszone in Syrien forden, wenn es in Libyen eine Flugverbotszone geworden ist. (Flugzeuge=Flugverbot ; Panzer=Fahrverbot) Was'n los Franzosen? Bisher haben auch nur die Vereinigten Arabischen Emirate eure Leclerc Panzer gekauft. Wie wärs mit etwas Werbung. Mal ein paar Brigaden in Marsch setzen. Nicht immer auf die Briten warten, die wissen nämlich dass ihr Challenger und Warrior funktioniert. Aber wisst ihr das auch Frankreich?? Wisst ihr das? Auf auf marsch marsch
2. Freunde
nahal, 14.06.2011
Zitat von Xeelee101Hallo Franzosen!!! Da ballert schon wieder ein Diktator auf Unschuldige. Was'n los wollt ihr nicht mehr? Haben sich immer noch keine Interessenten gemeldet, die eine Dasault Rafale kaufen wollen? So was. Warum wohl? Villeicht weil ihr die Länder lieber zusammenbombt die euch diese Flugzeuge abkaufen würden. Aber das Französische Arsenal ist ja groß. Und da kommt Syrien doch gerade recht. Die machens auch anders als Libyen. Die fliegen nicht mit Trainingsflugzeugen rum sondern schicken gleich schweres Gerät. Also eigentlich müsste die UN ja jetzt eine Fahrverbotszone in Syrien forden, wenn es in Libyen eine Flugverbotszone geworden ist. (Flugzeuge=Flugverbot ; Panzer=Fahrverbot) Was'n los Franzosen? Bisher haben auch nur die Vereinigten Arabischen Emirate eure Leclerc Panzer gekauft. Wie wärs mit etwas Werbung. Mal ein paar Brigaden in Marsch setzen. Nicht immer auf die Briten warten, die wissen nämlich dass ihr Challenger und Warrior funktioniert. Aber wisst ihr das auch Frankreich?? Wisst ihr das? Auf auf marsch marsch
Sie haben die Nachrichten nicht ganz genau verfolgt. Frankreich, zusammen mit UK, Portugal und Deutschland haben einen UN-Resolutionsentwurf eingebracht. Russland, der Freund aller "Friedensliebenden" hat das aber verhindert.
3. USA verurteilen Gewalt …
wika 14.06.2011
… nur gut dass sich dies nicht auf die selbst woanders ausgeübte Gewalt bezieht. Wo war noch gleich der Unterschied zu Libyen? Wer muss denn Anträge stellen damit die UN mal wieder einen Einmarsch beschließt. Soweit mir bekannt ist, hat Gaddafi diesen Antrag auch nicht gestellt. Hätte denn den Syrern nicht mal jemand vorher sagen können dass es sich nicht lohnt gegen Assad aufzustehen weil außer schönen Worten dort keine Hilfe in Sicht ist, weil es sich einfach nicht lohnt … kein Öl und kein Wasser und selbst strategisch nicht sonderlich interessant? Sehr beachtlich, wenn man bedenkt wie sehr sich offenbar in Libyen manche Kräfte bemüht haben, auch bezahlter weise, die Revolution in Gang zu bringen und am Leben zu erhalten und mit welcher Unlust sich die Leute dort gegenseitig nun erschießen müssen damit es wenigstens so aussieht dass es unbedingt vonnöten ist den Gaddafi zu entsorgen. Assad ist zwar nicht besser, aber er sitzt eben nicht auf einer Pipeline, weshalb man seine Mördereien wohl auf lange Sicht tolerieren wird. Einziger Grund vielleicht doch auch mal in Syrien einzumarschieren wäre *die Erhaltung des Terrors* (http://qpress.de/2010/10/09/terror-erzwingungs-politik/), ohne den die USA schon längst im Nichts versunken wäre. Hätten die USA den Terror nicht soweit befördert und gepflegt, gäbe es ja weltweit kaum mehr Gründe auf andere Länder einzuschlagen. In diesem Zusammenhang erinnern mich die USA an so manchen kranken Feuerwehrmann, der brandstiften geht um hernach löschen zu können.
4. Die Lokalen Koordinierungsausschüsse?
motion11 14.06.2011
Zitat von sysopDie Truppen stehen nur noch wenige Kilometer von der Stadtgrenze entfernt: Die Armee des syrischen Machthabers Assad bekämpft den Austand weiter mit brutaler Gewalt - und zieht nun gegen Maarat al-Numaan. Dort hatten in den vergangenen Wochen Tausende gegen den Diktator protestiert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,768246,00.html
... die wichtigste Oppositionsgruppe, die Lokalen Koordinierungsausschüsse? Dann kanns ja nicht so schlimm sein. Bis so ein Ausschuss in die Pötte kommt /I
5. Aha,.....
HolyGhost 14.06.2011
...die Situation ist nicht vergleichbar mit Libyen, wo ja vorher der Ruf nach Hilfe für die Rebellen und eine UNO-Resoltution bereits vorhanden waren ? Das ist natürlich sehr einleuchtend ! Es ist ein klägliches und armseliges Bild, das unsere westlichen Zivilisationen insgesamt abgeben. Mögen sich die Verantwortlichen dieses schäbigen Spiels auch weiterhin in ihrer Selbstherrlichkeit aalen.
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Imad Khamis

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