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Aufstand in Syrien: Granatenanschlag auf Assads Regierungspartei

Es ist der erste Anschlag auf die Regierungspartei in Syrien: In ein Gebäude der Baath in Damaskus schlugen am Morgen Granaten ein. Machthaber Assad hatte zuvor das Ultimatum der Arabischen Liga ignoriert. Er will weiterhin mit aller Härte gegen seine Kritiker vorgehen.

Syriens Machthaber Baschar al-Assad: "Ich werde für mein Land sterben" Zur Großansicht
AFP / SANA

Syriens Machthaber Baschar al-Assad: "Ich werde für mein Land sterben"

Damaskus - Die Granaten schlugen im Morgengrauen ein: Auf ein Gebäude der regierenden Baath-Partei in Damaskus wurde am Sonntag ein Anschlag verübt, berichteten Anwohner. Das Gebäude im Stadtteil Masraa, aus dem Rauch aufsteige, sei weitgehend leer gewesen. In den Nachrichtenagenturen ist die Rede von mindestens zwei raketenbetriebenen Granaten.

"Es scheint, als ob jemand dem Regime eine Botschaft schicken wollte", sagte ein Zeuge, der seinen Namen nicht nennen wollte, der Nachrichtenagentur Reuters. Sicherheitspolizei habe den Platz um das Gebäude abgeriegelt, die Feuerwehr sei im Einsatz. Nach Angaben des TV-Senders Al-Dschasira bekannten sich Deserteure der "freien syrischen Armee" zu dem Anschlag.

Es ist der erste Angriff auf die Regierungspartei, seit die Proteste gegen Machthaber Baschar al-Assad begonnen haben. Er erfolgte kurz nachdem Assad ein Ultimatum der Arabischen Liga am Samstag verstreichen ließ. Die hatte der syrischen Regierung angesichts der anhaltenden Gewalt gegen Oppositionelle mit Sanktionen gedroht: Syrien müsse binnen drei Tagen die Gewalt gegen friedliche Demonstranten beenden und arabische Beobachter ins Land lassen.

Assad will sich dem Druck nicht beugen

Seit acht Monaten liefern sich Anhänger und Gegner seines Regimes blutige, teils tödliche Auseinandersetzungen. Sicherheitskräfte gehen brutal gegen Kritiker vor, die Uno spricht von mittlerweile 3500 Toten. Assad selbst gab die Zahl der toten Zivilisten mit 619 an. Zudem seien 800 seiner Sicherheitskräfte getötet worden, wie er der britischen "Sunday Times" in einem Interview sagte.

Allein am Samstag wurden mindestens 14 Menschen von Sicherheitskräften der Regierung getötet, berichteten Menschenrechtsaktivisten. Und wenn es nach Präsident Assad geht, werden die Auseinandersetzungen auch künftig anhalten. Assad sagte der "Sunday Times": "Der Konflikt wird weitergehen, und die Versuche, Syrien zu unterdrücken, werden andauern." Sein Land werde sich diesem Druck nicht beugen.

Er bekräftigte seine Aussage, dass jegliche militärische Aktion gegen sein Land ein "Erdbeben" im Nahen Osten auslösen werden. "Wenn sie logisch, rational und realistisch sind, sollten sie das nicht tun", zitierte die Zeitung Assad. Sonst sei mit einem fürchterlichen Nachspiel zu rechnen. Ein Militärschlag würde die gesamte Region destabilisieren und sämtliche Länder wären davon betroffen. "Ich werde für mein Land sterben", sagte Assad.

Internationale Kritik

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak reagierte mit massiver Kritik: Assad habe einen Punkt erreicht, an dem es kein Zurück mehr gebe, sagte er am Samstag bei einer Sicherheitskonferenz im kanadischen Halifax. Der syrische Machthaber könne "seine Autorität und seine Legitimität" nicht mehr zurückerlangen. Möglicherweise warte auf Assad das gleiche Schicksal, das den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi und den irakischen Machthaber Saddam Hussein ereilt habe.

Ähnlich reagierte der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan: "Syrien hat seine Versprechen, die es der Türkei, der Arabischen Liga und der Welt gemacht hat, nicht gehalten", sagte er am Samstag. "Sie sind unwillig und unehrlich, was das Angehen von Reformen betrifft. Sie haben unmenschliche Maßnahmen gegen die Opposition ergriffen." Er warf dem syrischen Regime außerdem vor, die Opposition "mit Blutvergießen erdrückt" zu haben.

Verurteilung Syriens

Am Freitag hatte Syrien der Beobachtermission der Arabischen Liga zwar grundsätzlich zugestimmt. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Mark Toner, erklärte jedoch, Washington habe keine Hinweise darauf, dass die syrische Regierung den Vorschlag der Arabischen Liga tatsächlich akzeptiere. Mit der Unterstützung arabischer Länder streben Deutschland, Frankreich und Großbritannien eine Verurteilung Syriens durch die Vereinten Nationen wegen der seit Monaten anhaltenden Gewalt gegen Oppositionelle an.

heb/Reuters/AP/dpa/AFP

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1.
ratxi 20.11.2011
Zitat von sysopEs ist der erste Anschlag auf die Regierungspartei in Syrien: In ein Gebäude der Baath in Damaskus schlugen am Morgen Granaten ein. Machthaber Assad hatte zuvor das Ultimatum der Arabischen Liga ignoriert. Er will weiterhin*mit aller Härte*gegen seine Kritiker vorgehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,798837,00.html
Wenn Assad dann um´s Leben gekommen sein sollte, wird man wieder genüsslich die fehlende Rechtsstaatlichkeit der Aktion kritisieren und von dort auf die Mentalität der gesamten Opposition schliessen... (gähn)
2. So geht das nicht!
MaxiScharfenberg 20.11.2011
Zitat von sysopEs ist der erste Anschlag auf die Regierungspartei in Syrien: In ein Gebäude der Baath in Damaskus schlugen am Morgen Granaten ein. Machthaber Assad hatte zuvor das Ultimatum der Arabischen Liga ignoriert. Er will weiterhin*mit aller Härte*gegen seine Kritiker vorgehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,798837,00.html
Mr. Assad sollte sich schnell nach Den Haag begeben, wenn er dem Schicksal seiner Amtskollegen entgehen will. Mit und ohne NATO-Bomben wird Syrien politisch verändert werden. Wohin es sich entwickelt, wer weiß das schon vorher?? Maxi S.
3. ....
dirk.kunkel.ronnenberg 20.11.2011
Im Prinzip ist es doch ein Skandal, wenn der jemand wie der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak sagt, dass "möglicherweise (...)auf Assad das gleiche Schicksal (warte), das den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi und den irakische Machthaber Saddam Hussein ereilt habe.". Assad ist weder mit Gaddafi noch mit Hussein vergleichbar. Assad ist ein demokratisch gewählter Präsident und kein Massenmörder wie die beiden zuvor genannten.
4. blutiger Bürgerkrieg
martin-gott@gmx.de 20.11.2011
wenn es Assad nicht gelinkt seine Macht schnell zu festigen, denn wird Syrien wohl ein sehr blutiger Bürgerkrieg bevorstehen. Dieser Krieg dürfte um einiges blutiger werden als Libyen. Denn wenn die Alawiten die Macht verlieren denn werden viele auch ihren Besitz und ihr Leben verlieren. Daher werden sie kämpfen.
5. Ein umgekehrter Kreuzzug ...
gaga007 20.11.2011
Assad ist der Einzige, der es richtig macht ! Die erneuten Unruhen in Ägypten zeigen, dass dieser sog. "Frühling" nur der Versuch der Islamisten ist, unter dem Deckmantel einer Demokratiebewegung die Macht zuübernehmen. Es geht weder in Tunesien, Libyen und in Ägypten um mehr Freiheiten für das Volk - es geht um die so sinnentleerte Frage, welcher Gott der Wahre ist.
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Imad Khamis

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