Aufstand in Syrien: Hamas sucht neues Hauptquartier

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Der Hamas wird der Boden in Damaskus zu heiß: Wegen der Unruhen in Syrien will die islamistische Bewegung ihr dortiges Hauptquartier aufgeben. Chalid Maschaal, Chef der Organisation, sucht fieberhaft nach einem neuen Standort für die Exilführung.

Hamas-Chef Chalid Maschaal in Amman: Nahost-Tour auf der Suche nach einem neuen Exil Zur Großansicht
REUTERS

Hamas-Chef Chalid Maschaal in Amman: Nahost-Tour auf der Suche nach einem neuen Exil

Hamburg/Damaskus: Schwere Gefechte in Vororten von Damaskus, reihenweise desertierende Soldaten, wachsender Druck aus dem Ausland: Die Lage für Syriens Diktator Baschar al-Assad wird immer bedrohlicher. Der prominenteste Gast des Regimes, Hamas-Chef Chalid Maschaal, zieht daraus nun die Konsequenzen. Die Führungsriege der Bewegung hat sich bereits größtenteils aus ihrem Hauptquartier in Damaskus zurückgezogen und ist auf der Suche nach einem Standort. "Es gibt keine Hamas-Führer mehr in Damaskus", erklärte ein Sprecher gegenüber der "New York Times". "Die Situation vor Ort lässt das nicht mehr zu."

Maschaal tourt seit Wochen durch die Region, um nach einer neuen Basis für seine Organisation zu suchen. Unter anderem standen zunächst Ägypten und Katar auf dem Reiseplan des 55-Jährigen. Am Sonntag traf sich der Hamas-Chef in Amman mit Jordaniens König Abdullah. Es war das erste Treffen der beiden, seit der Monarch 1999 die Hamas-Führung aus ihrem damaligen Exil in Jordanien verbannte.

Maschaals rege Reisetätigkeit unterstreicht die brenzlige Lage, in der sich seine Partei seit Beginn des Arabischen Frühlings befindet. Anfangs unterstützte die Hamas die Protestbewegungen in Nordafrika. Im Gaza-Streifen organisierte sie gar Demonstrationen, auf denen der Sturz des libyschen Machthabers Gaddafi gefordert wurde. Doch als auch in Syrien die Menschen gegen das Assad-Regime auf die Straße gingen, geriet die Bewegung in Bedrängnis. Einerseits ist Damaskus Gastgeber der Exilführung und wichtigster Unterstützer der Hamas. Andererseits sind die Mehrzahl der Regimegegner in Syrien Sunniten. Sie begehren gegen die von der alawitischen Minderheit dominierte Staatsführung auf. Das Rückgrat der syrischen Protestbewegung bilden die Muslimbrüder, die sich selbst als Bruderorganisation der Hamas begreifen und mit dem TV-Prediger Jussuf al-Karadawi den gleichen spirituellen Mentor haben.

Die Hamas scheut die Solidarität mit Assad

In dieser Zwickmühle entschied sich die Hamas-Führung in Damaskus bislang für einen Kurs der passiven Neutralität. Anders als etwa die libanesische Hisbollah hielt sich Chalid Maschaal bislang mit Solidaritätsbekundungen für das angeschlagene Regime zurück. Die etwa 500.000 in Syrien lebenden Palästinenser sollen im sich abzeichnenden Bürgerkrieg nicht zwischen die Fronten geraten. "Die Allianz der Hamas mit dem syrischen Regime ist rein strategischer Natur", erläutert Maximilian Felsch, Hamas-Experte an der Haigazian-Universität in Beirut. "Sie basiert weder auf einer gemeinsamen politischen Ideologie noch auf einer gemeinsamen konfessionellen Identität."

Anders als die Hisbollah verfüge die Hamas zudem noch immer über gute Kontakte in die arabischen Golfstaaten, weshalb ihr die Distanzierung vom Assad-Regime leichter falle. "Selbst Saudi-Arabien hat die Hamas trotz ihres Bündnisses mit Syrien und Iran nie zum Gegner erklärt - sie galt weiterhin als potentieller Partner im sunnitisch-schiitischen Regionalkonflikt mit Teheran. Gelänge es Riad, die Hamas in der gegenwärtigen Situation stärker ans eigene Lager zu binden, würde Syrien - und damit Irans engster Verbündeter - weiter isoliert."

Deshalb erscheint ein Umzug der Hamas-Führung an den Persischen Golf auch als wahrscheinlichste Lösung. Katar soll bereits angeboten haben, zumindest einen Teil der Exilkader zu beherbergen. Schon nach seinem Rauswurf aus Jordanien 1999 fand Maschaal dort kurzzeitig Unterschlupf. Der Golfstaat, Speerspitze der Anti-Assad-Koalition innerhalb der Arabischen Liga, kennt keine Berührungsängste gegenüber militanten Islamisten: Schon in Kürze wollen die Taliban ein Verbindungsbüro in Katar eröffnen.

Aber auch andere Standorte sind im Gespräch: Nicht erst seit Maschaals Besuch am Sonntag wird über eine Rückkehr der Hamas nach Jordanien spekuliert. König Abdullah würde mir einem solchen Schachzug zum einen sein Prestige in der Region stärken und zum anderen die mit der Hamas verbündeten jordanischen Muslimbrüder besänftigen, die in den vergangenen Monaten selbst zu Protesten gegen die Regierung aufgerufen hatten.

Die Zeit läuft zugunsten der Hamas

Doch gerade Maschaal hat schlechte Erinnerungen an sein Exil in Amman: Im September 1997 vergifteten ihn israelische Agenten bei einem Attentat in der jordanischen Hauptstadt. Der damalige König Hussein rettete dem Hamas-Führer das Leben, indem er die Angreifer festsetzte und mit der Aufkündigung des Friedensvertrags mit Israel drohte. Daraufhin übergab der Mossad das Gegengift und Maschaal überlebte. Der Vorfall zeigt jedoch, dass bei einer Übersiedlung nach Jordanien für die Hamas-Spitze die Gefahr israelischer Angriffe steigen würde.

Gleiches gilt für Ägypten. Auch am Nil wäre die Organisation kaum vor möglichen israelischen Geheimdienstoperationen sicher. Dabei wäre das Land nach einer Übergabe der Macht an eine zivile Regierung eigentlich ein logischer Standort: Die Politik in Kairo wird künftig von den Muslimbrüdern bestimmt. Aus deren palästinensischem Arm entwickelte sich in den achtziger Jahren die Hamas. Zu keiner anderen arabischen Organisation sind deshalb die persönlichen und ideologischen Beziehungen der Hamas so eng wie zur Bruderschaft.

Obwohl die Bewegung mit dem Assad-Regime ihren wichtigsten Verbündeten in der Region zu verlieren droht, laufe die Zeit daher zugunsten der Hamas, analysiert Felsch. Nicht nur der türkische Präsident Erdogan hofiert die Palästinenser-Bewegung. Bei den ersten freien Wahlen nach den Umstürzen in Tunesien und Ägypten siegten islamistische Parteien mit besten Kontakten zur Hamas. "Über kurz oder lang wird die Hamas von der steigenden Zahl potentieller Verbündeter profitieren."

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1. Ja,Ja
ronald1952 31.01.2012
Zitat von sysopDer Hamas wird der Boden in Damaskus zu heiß: Wegen der Unruhen in Syrien will die islamistische Bewegung ihr dortiges Hauptquartier aufgeben. Chalid Maschaal, Chef der Organisation, sucht fieberhaft nach einem neuen Standort für die Exilführung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,812268,00.html
die ratten verlassen das sinkende Schiff.Es zieht sich doch durch die gesamte Weltgeschichte, wird es brenzlig dan hauen die Feiglinge zuerst ab. Die müssen doch ihr kostbares Leben schützen um woanderst unruhe und Chaos zu stifften.Selbst nach jahrtausenden der Schlachten und Kriege scheint es immer noch dem dummen Normalmenschen nicht aufzufallen,das die sogenannten Führer immer da vonkommen. Leider niemals das Kanonenfutter. schönen Tag noch,
2.
zakalwe. 31.01.2012
Zitat von sysopDer Hamas wird der Boden in Damaskus zu heiß: Wegen der Unruhen in Syrien will die islamistische Bewegung ihr dortiges Hauptquartier aufgeben. Chalid Maschaal, Chef der Organisation, sucht fieberhaft nach einem neuen Standort für die Exilführung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,812268,00.html
Man könnte ja fast Mitleid haben: Die islamistische, terroraffine Hamas ist heimatlos.... vielleicht hat ja nun das Morden im Gaza-Streifen ein Ende, zumindest bis sie wieder Tritt gefaßt haben. Eventuell fliegen ja in Zukunft auch weniger Katjuschas über die Grenze nach Israel. Die Hoffnung stirbt ja zuletzt.
3. Ruhiges Plaetzchen
tailspin 31.01.2012
Zitat von sysopDer Hamas wird der Boden in Damaskus zu heiß: Wegen der Unruhen in Syrien will die islamistische Bewegung ihr dortiges Hauptquartier aufgeben. Chalid Maschaal, Chef der Organisation, sucht fieberhaft nach einem neuen Standort für die Exilführung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,812268,00.html
Empfehle London oder Paris. Dort kann man komfortabel die Demokratiebewegung der Araber abwettern.
4.
jb_78 31.01.2012
Zitat von sysopDer Hamas wird der Boden in Damaskus zu heiß: Wegen der Unruhen in Syrien will die islamistische Bewegung ihr dortiges Hauptquartier aufgeben. Chalid Maschaal, Chef der Organisation, sucht fieberhaft nach einem neuen Standort für die Exilführung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,812268,00.html
Für "Spiegelverhältnisse" ein erstaunlich gut recherchierter Bericht. Vermutlich das äusserste was man beim Spiegel schreiben kann. Kommt doch tatsächlich das Machtstreben der Sunniten zumindest im Ansatz zur Sprache. Hoffentlich gibt es keinen "Liebes-/Dollarentzug" für den Spiegel.
5. Frieden macht man mit seinen Feinden
wwwwalter 31.01.2012
Chalid Maschaal tourt durch die Golfstaaten und trifft gerade Jordaniens König Abdullah. Das zeigt wieder mal deutlich, wie unterschiedlich die Sichtweisen des Westens und die der Arabischen Welt (plus Türkei, plus Russland, plus der meisten afrikanischen Länder und vieler anderer Staaten) sind. Die einen betrachten die Hamas als islamistische Terrororganisation, die anderen als legitimen Gegner Israels im Nahostkonflikt. Schon interessant, was man hier so zwischen den Zeilen lesen kann, ganz jenseits der bei uns quasi verordneten Meinung. Mit einfachen Freund-Feind-Schemata kommt man nicht weit, wenn man wirklich Frieden in Nahost schaffen will. Vielleicht werden das auch Israel und der Westen irgendwann einsehen, und die Hamas als Verhandlungspartner einbeziehen. Wie heißt es so schön: Frieden macht man mit seinen Feinden.
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