Beirut - Die Bilder sind dramatisch: Über der seit Tagen von syrischen Regierungstruppen belagerten Stadt Homs steht eine gewaltige schwarze Rauchwolke, eine Ölpipeline steht nach einer Explosion in Flammen.
Wer für das Inferno verantwortlich ist, dafür gibt es, wie so oft in diesen Tagen, verschiedene Erklärungsansätze. Die Rebellen berichten, Einheiten der Assad-Truppen hätten die Pipeline bombardiert. Die Regierung in Damaskus hingegen macht "Terroristen" für die Explosion verantwortlich. Überprüfen lässt sich der Sachverhalt derzeit nicht, eine unabhängige Berichterstattung aus der Region ist SPIEGEL ONLINE wegen der Restriktionen des Regimes nicht möglich.
Fest steht immerhin: In Homs ist ein Großbrand ausgebrochen. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, dass der dichte Qualm aus einer Wohngegend aufsteigt. In der Stadt liegen zwei Ölraffinerien. In den vergangenen Monaten ist es in Syrien immer wieder zu Anschlägen auf Öl- und Gaspipelines gekommen.
Aus Homs wurden am frühen Mittwochmorgen außerdem neue Angriffe auf Wohngebiete gemeldet. Die Armee habe wieder mehrere Stadtteile der Sunniten unter Beschuss genommen, berichteten Menschenrechtsaktivisten. Allein am Dienstag waren in Homs sechs Menschen getötet worden. Damit stieg die Zahl der Toten seit Beginn der jüngsten Offensive gegen die Protesthochburg auf mehr als 400. Im ganzen Land sind seit Beginn des Aufstands gegen Assad vor knapp einem Jahr nach Uno-Schätzungen mehr als 5400 Menschen getötet worden.
Bewohner von Hama melden nächtlichen Beschuss durch Panzer
Nicht nur aus Homs werden an diesem Mittwoch Gefechte gemeldet. Aus mehreren Städten des Landes gibt es Meldungen über eine Eskalation der Kämpfe. Es ist das erste Mal seit Beginn des Aufstandes, dass die Truppen des Regimes gleichzeitig an mehreren Brennpunkten im Land gegen die Aufständischen vorgehen.
In Hama nahmen Panzer in der Nacht mehrere Wohngebiete unter Beschuss, wie Anhänger der Opposition per Satellitentelefon berichteten. Die Armee habe Festnetz und Mobilfunk in der gesamten Stadt unterbrochen. Wegen der Kommunikationsprobleme sei das Ausmaß der Gewalt und die Anzahl der Toten noch unklar. In der sunnitisch geprägten Stadt Hama hatte 1982 der damalige Präsident Hafis al-Assad einen Aufstand blutig niederschlagen lassen. Dabei sollen bis zu 10.000 Menschen getötet worden sein.
Selbst in Damaskus ist es offenbar zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. Nach Angaben von Augenzeugen haben Eliteeinheiten des Regimes zentrale Teile der Hauptstadt gestürmt. Sie wurden von gepanzerten Fahrzeugen unterstützt und feuerten mit Maschinengewehren in die Luft, berichteten Anwohner und Oppositionsvertreter. Den Angaben zufolge sind die Truppen bei ihrem Vorstoß besonders weit in das Zentrum von Damaskus vorgedrungen.
Assad kündigt Referendum an
Der Aufstand gegen Assad dauert trotz heftiger internationaler Kritik schon elf Monate an. Nach Uno-Angaben sind seit Ausbruch der Proteste inzwischen mehr als 5400 Menschen getötet worden. Die Opposition spricht von 6000 Menschen.
Eine Uno-Resolution zur Verurteilung der Gewalt war zuletzt am Veto Russlands und Chinas im Sicherheitsrat gescheitert. Arabische Staaten wollen am Donnerstag einen Anlauf für eine Syrien-Resolution in der Uno-Vollversammlung starten, wo es keine Veto-Möglichkeiten gibt. Eine solche Resolution wäre allerdings völkerrechtlich nicht bindend.
Saudi-Arabien und Katar bereiteten den Resolutionsentwurf vor, dessen Annahme am Uno-Sitz als sicher gilt. Der Text sieht vor, dass die syrische Führung zur Beendigung aller Angriffe auf die Zivilbevölkerung aufgefordert wird. Ferner sollen die Pläne der Arabischen Liga für einen demokratischen Umbruch unterstützt und die Entsendung eines Uno-Sonderbeauftragten gefordert werden. Der Sonderbeauftragte solle von Generalsekretär Ban Ki Moon ernannt werden.
Am Mittwoch reagierte das Assad-Regime mit einer neue Ankündigung auf die anhaltende Kritik. Für den 26. Februar hat die Regierung ein Referendum über die Verfassung in Aussicht gestellt. Das meldete das Staatsfernsehen.
Den Rücktritt von Assad schließt die Führung in Damaskus weiter kategorisch aus, die neue Gruppe der Freunde Syriens nennt sie Terrororganisation. Diese wolle "Terrorgruppen in Syrien finanzieren", erklärte die syrische Botschaft in Moskau am Mittwoch nach Angaben der Agentur Interfax. Die Vertretung beklagte zugleich einen "blutigen, fast globalen Krieg gegen Syrien - sowohl diplomatisch als auch wirtschaftlich, sowohl in den Medien als auch militärisch".
Der Gruppe der Freunde Syriens gehören mehrere arabische und westliche Staaten an. Deren Vertreter beraten am 24. Februar in Tunesien über das Vorgehen gegen Assad.
ffr/heb/dapd/Reuters/AFP/dpa
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