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Augenzeugen-Bericht: Nordkorea errichtet hochmoderne Uran-Anlage

Das Regime in Pjöngjang hat einem Bericht der "New York Times" zufolge heimlich eine Fabrik zur Urananreicherung gebaut. Ein US-Experte, der die nordkoreanische Anlage besichtigen durfte, zeigte sich "verblüfft" über deren Komplexität. Das Weiße Haus wurde von der Nachricht offenkundig überrascht.

Nordkoreanische Soldaten bei einer Parade: "Ultra-moderner Kontrollraum" Zur Großansicht
AP

Nordkoreanische Soldaten bei einer Parade: "Ultra-moderner Kontrollraum"

Washington - Das nordkoreanische Atomprogramm ist einem US-Zeitungsbericht zufolge weiter fortgeschritten als bislang angenommen. Vertreter des kommunistischen Landes hätten einem US-Wissenschaftler in der vergangenen Woche eine neue weitläufige Anlage zur Urananreicherung gezeigt, berichtete die "New York Times". In der Anlage, deren genauer Ort zunächst unbekannt blieb, seien Hunderte Zentrifugen installiert gewesen.

Wissenschaftler Siegfried Hecker, der die US-Forschungseinrichtung Los Alamos National Laboratory leitete, sagte der Zeitung demnach, er sei "verblüfft" gewesen angesichts des ausgeklügelten Komplexes. Er habe "Hunderte und Hunderte" Zentrifugen und einen "ultra-modernen Kontrollraum" gesehen. Nordkoreanischen Angaben zufolge seien dort bereits rund 2000 Zentrifugen im Einsatz. Er habe das Weiße Haus bereits über die Neuigkeiten informiert, das laut "New York Times" die Bündnispartner und den US-Kongress unterrichtete.

Die "New York Times" zitierte Hecker mit den Worten, es sei ihm verboten worden, in der Anlage Fotos zu machen. Auch habe er die Angaben der Nordkoreaner nicht überprüfen können, wonach die Fabrik bereits niedrig angereichertes Uran produziere. "Es gibt Gründe, sich zu fragen, ob das wahr ist", sagte Hecker. Auch bezweifele er, dass Pjöngjang in der Lage sei, das Projekt fertigzustellen. In dem Bericht hieß es weiter, Nordkorea hätte die Anlage ohne ausländische Hilfe so schnell nicht errichten können.

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Der junge General: Kim Jong Un bei der Militärparade
Nach Ansicht von US-Regierungsmitarbeitern hat die neue Anlage zumindest bis April 2009 noch nicht existiert. Damals waren die internationalen Beobachter nach Abbruch der Verhandlungen über das nordkoreanische Atomprogramm durch Pjöngjang zum Verlassen des Landes aufgefordert worden.

In hoch angereicherter Form kann Uran für den Bau von Atombomben verwendet werden. Die USA verdächtigen die Diktatur bereits seit Jahren, nach solchen Waffen zu streben.

Das in Washington ansässige Institute for Science and International Security (ISIS) hatte erst am vergangenen Donnerstag Satellitenbilder veröffentlicht, die auf den Bau eines neuen Leichtwasserreaktors im Atomkomplex von Yongbyon hindeuten, mit dem nach Einschätzung von US-Experten die Herstellung von waffenfähigem Plutonium möglich ist. Hecker zufolge soll der Reaktor nach nordkoreanischen Plänen bis 2012 fertig sein. Die Atomanlage in Yongbyon ist das Herzstück des nordkoreanischen Atomprogramms.

US-Gesandte wird erwartet

Am Sonntag wurde der US-Gesandte Stephen Bosworth in der Region zu Gesprächen über das nordkoreanische Atomprogramm und über die Wiederaufnahme der suspendierten Sechser-Gespräche erwartet. Bosworth wollte zuerst in Seoul Station machen und dann weiter nach Tokio und Peking reisen.

Pjöngjang hatte erstmals im Oktober 2006 und dann im Mai 2009 Atomwaffen getestet. Kurz vor dem zweiten Test war Nordkorea aus den Sechser-Gesprächen mit Südkorea, China, den USA, Russland und Japan ausgestiegen.

In den vergangenen Monaten signalisierte Pjöngjang wiederholt, es sei bereit, unter bestimmten Bedingungen an den Verhandlungstisch zurückzukehren. US-Präsident Barack Obama sagte vergangene Woche in Seoul, erst müsse der Norden "die Aufrichtigkeit seines Anliegens" unter Beweis stellen.

jdl/AFP/dpa

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insgesamt 115 Beiträge
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1. schlafen die Dienste
elbröwer 21.11.2010
Was machen eigentlich die Nachrichtendienste? Die Iraner Theokraten und Nordkorea sollen doch angeblich an Atomwaffen arbeiten oder sie schon haben. Überwacht das denn keiner?
2. Actio-Reactio
DoubleU, 21.11.2010
Ich bin der Letzte der das abartige Regime in NK verteidigen würde, aber es ist nur allzu natürlich, daß jedes Land, daß auch unabhängig bleiben will Atomwaffen bzw. die Technologie anstrebt oder weiter daran arbeitet - eine logische Folge der kriminellen und egozentrischen (sehr harmlos ausgedrückt) "Politik" der USA mit all ihrer Rücksichts-und Skrupellosigkeit, die eher Kriegsführung auf allen Ebenen ist. Ich mag das Regime in NK obv nicht, aber das grundsätzliche Handeln in dem Punkt ist verständlich. Wäre es auch für Iran und viele andere.
3. Kontrolle der Projekte?!
onigiri-chan 21.11.2010
Zitat von elbröwerWas machen eigentlich die Nachrichtendienste? Die Iraner Theokraten und Nordkorea sollen doch angeblich an Atomwaffen arbeiten oder sie schon haben. Überwacht das denn keiner?
Anscheinend nicht. Dabei ist es doch schon seit Jahren ein offenes Geheimnis, dass Nordkorea und Iran solche Waffen haben / haben wollen. Der Iran hat ja neuerdings doch sogar ein Atomkraftwerk, das aus Russland mit Uran oder irgendeinem anderen radioaktiven Stoff versorgt wird. Da befürchtet man doch auch, dass sie die Brennstäbe für Waffen zweckentfremden könnten. Ich vermute mal, dass es mit Nordkorea ganz ähnlich ist. Wahrscheinlich werden die von China mit dem nötigen Material versorgt. (Schlicht und ergreifend deshalb, weil China das einzige Land ist, das mit Nordkorea solidarisiert.)
4. Und, wie hätte man es verhindern können?
Paul-1 21.11.2010
Ist doch nur eine Frage der Zeit!
5. Daß die Erb-Diktatoren-Dynastie...
Centurio X 21.11.2010
Zitat von sysopDas Regime in Pjöngjang hat einem Bericht der "New York Times" zufolge heimlich eine Fabrik zur Uran-Anreicherung gebaut. Ein US-Experte, der die nordkoreanische Anlage besichtigen durfte, zeigte sich "verblüfft" über die Komplexität. Das Weiße Haus wurde von der Nachricht offenkundig überrascht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,730286,00.html
...damit einen Angriffskrieg führen möchte, halte ich für ausgeschlossen. Sie werden es als Faustpfand für weitere Erpressungen der freien Welt gegenüber benutzen. Eine schlimme Entwicklung würde sich anbahnen, wenn dann Nordkorea mit dem Export der Massenvernichtungswaffen an Länder mit Psychopathen wie Gaddafi et alii beginnen würde. Letztendlich hätte nur China Möglichkeiten Einfluss auszuüben. Hier könnte China zeigen, daß es wirklich in einer friedlich gsonnenen Weltgemeinschaft angekommen ist.
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Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 25,027 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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Kim Jong Un: Nordkoreas Pokerface
Nord- und Südkorea
Nordkorea und Kim Jong Il
Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.
Die Teilung Koreas
Seit 1910 war Korea eine japanische Kolonie. Nach der Niederlage Japans 1945 rückten sowjetische Truppen im Norden und US-amerikanische Truppen im Süden des Landes vor und trafen sich am 38. Breitengrad. Die Vereinbarungen der Alliierten über die Bildung einer provisorischen Regierung und die Abhaltung freier Wahlen in ganz Korea konnten nicht verwirklicht werden, da sich die UdSSR widersetzte. Im September 1948 wurde in Nordkorea die Volksdemokratische Republik Korea ausgerufen; Südkorea (Republik Korea) gab sich im Juli 1948 eine Verfassung.
Korea-Krieg
Am 25. Juni 1950 begann die militärische Auseinandersetzung zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit Unterstützung der Volksrepublik China und der Republik Korea (Südkorea), die von Uno-Truppen unter Führung der USA unterstützt wurde. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Panmunjom am 27. Juli 1953, das die Teilung am 38. Breitengrad zementierte.
Südkorea
Am 15. August 1948 wurde die Republik Korea gegründet. Staatspräsident ist Lee Myung Bak , der im Dezember 2007 die Präsidentschaftswahlen gewann und seit Februar 2008 im Amt ist. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte Südkorea dank seiner exportorientierten Wirtschaftspolitik und der großzügigen Unterstützung Japans und der USA einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.
Militärische Stärke
Militär in Nord- und Südkorea
Nordkorea Südkorea
Truppenstärke insgesamt 1.106.000 687.000
darunter Heer 950.000 560.000
Marine 46.000 68.000
Luftwaffe 110.000 64.000
Reservisten 4.700.000 4.500.000
Kampfpanzer 3.500 2.750
Artilleriegeschütze 17.900 10.774
Boden-Boden-Raketen 64 12
einsatzbereite Kampfflugzeuge 620 490
darunter Jagdflugzeuge 388 467
Bomber 80 -
Kriegsschiffe 8 47
darunter Zerstörer - 10
Fregatten 3 9
Korvetten 5 28
taktische U-Boote 63 13
kleinere Küstenwachboote 329 76
(Quelle: International Institute for Strategic Studies (IISS, London)

Uran und Atomwaffen
Uran
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.
Anreicherung
Uranerz wird nach dem Abbau zunächst zu einem gelblichen Pulver verarbeitet, dem sogenannten Yellowcake. Es dient zur Herstellung von Brennelementen für Reaktoren, kann aber zwecks Anreicherung auch in Uran-Hexafluorid (UF6) umgewandelt werden, das bis 56 Grad Celsius in kristalliner Form vorliegt und darüber gasförmig ist.

Die meisten Anreicherungsanlagen weltweit basieren auf der Gasdiffusion: Gasförmiges Uran-Hexafluorid wird durch halbdurchlässige Membrane gepresst, wobei sich das Uran 235 vom Rest trennt. Das Verfahren gilt inzwischen jedoch aufgrund seines hohen Energiebedarfs als veraltet.

Eine modernere Methode ist die Gaszentrifuge, an der auch in Iran experimentiert wird. Bei ihr macht man sich den Massenunterschied zwischen beiden Uran-Isotopen zunutze: Wird Uran-Hexafluorid in die Zentrifugen gegeben, sammeln sich die schwereren Uran-238-Moleküle bei bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute außen in den Zylindern, die Uran-235-Moleküle bleiben innen.
Einsatz in Atomwaffen
Für den Einsatz in Kernreaktoren genügt es bereits, wenn Uran 235 zu drei bis fünf Prozent in den Brennelementen angereichert ist. Ab 20 Prozent ist von hochangereichertem Uran die Rede. Für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 80 Prozent erforderlich, da sonst eine zu große Uranmenge notwendig wäre.

Uran 235 kam in der ersten jemals eingesetzten Atombombe, die am 6. August 1945 Hiroshima zerstörte, als Sprengstoff zum Einsatz. Die Sprengkraft lag bei rund 13 Kilotonnen TNT. Die Bombe, die drei Tage später auf Nagasaki abgeworfen wurde, erreichte 20 Kilotonnen TNT. In ihr kam allerdings nicht Uran zum Einsatz, sondern Plutonium 239, das per Neutronenbeschuss in Brutreaktoren aus Uran 238 gewonnen wird.

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