Augenzeugen in Oslo: "Es war ein enormer Knall"

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Der Anschlag in Oslo hat das Herz der norwegischen Hauptstadt getroffen. Die Menschen sind verstört, telefonieren nervös mit Freunden und Bekannten. Augenzeugen berichten von großer Verwüstung im Stadtzentrum.

Oslo - Straßen sind mit Scherben, geborstenen Fensterrahmen und Steinen übersät, Sirenen von Krankenwagen, Feuerwehr- und Polizeiautos klingen schrill in Oslos Innenstadt. Eine Bombenexplosion in Norwegens Hauptstadt hat mehrere Menschen getötet, viele verletzt und einige Regierungsgebäude stark beschädigt.

Daniel Kaerger, 33, wohnt seit eineinhalb Jahren in Oslo. Als die Bombe hochging, arbeitete er weniger als einen Kilometer von den beschädigten Gebäuden entfernt am Computer. "Es war ein enormer Knall", sagt er.

Er habe die Erschütterung der Detonation selbst in dieser Entfernung gespürt. "Es knallte, die Fenster vibrierten", sagt der freiberufliche IT-Berater. "Erst habe ich gedacht, das ist aber ein lauter Donner." Er habe dann aber relativ schnell gemerkt, "dass das kein Naturereignis war".

Kaerger machte sich sofort zum Ort der Explosion auf, der an einer viel genutzten Straße liegt. Sie verbindet laut Kaerger zwei Stadtteile. Im Regierungsgebäude seien Scheiben geplatzt. Hinter dem Gebäude, wo die Explosion wohl stattgefunden habe, sei "alles zerborsten".

"Alle telefonieren nervös"

Dass es mehrere Tote und viele Verletzte gab, ist inzwischen sicher. Die Zeitung "Dagbladet" berichtete, ein Familienvater habe erzählt, seine 16-Jährige Tochter habe angerufen. Sie könne nicht mehr atmen, weil ein Stück Glas in ihrem Hals stecke.

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"Die Norweger sind natürlich aufgewühlt", sagt Kaerger. "Es ist eine ziemlich große Geschichte für so eine kleine Stadt und so ein friedliches Land." Es gebe teilweise große Verunsicherung. "Alle telefonieren nervös, Bekannte und Freunde sichern sich ab, wo wer war." Jeder vergewissere sich, dass es Angehörigen und Freunden gut gehe. Unter den Menschen gebe es aber keine Panik. Es seien einige Schaulustige vor Ort.

"Die Behörden haben gut reagiert." Schnell sei der Ort der Explosion abgeriegelt gewesen - für Autos im Umkreis von etwa einem Kilometer. "Zu Fuß und mit dem Fahrrad kommt man bis auf hundert Meter ran", sagt Kaerger.

Ähnliches wie Kaerger erlebte auch Simen Kristoffersen. Der Anwalt fuhr gerade vom Osloer Flughafen in die Stadt, als er auf seinem Handy von der Explosion las. Sofort machte sich der 28-Jährige ins Stadtzentrum auf.

"Niemand ist in Panik"

Als er ankam, hatte die Polizei das Gelände schon weiträumig abgesperrt. Aber selbst hinter den Absperrungen, etwa 200 Meter vom Explosionszentrum entfernt, sah er kaputte Fensterscheiben. Gräulicher Rauch steige auf, es rieche nach verbranntem Gummi. "Es sind viele Polizeiautos, Feuerwehrwagen und Krankenwagen unterwegs." Soweit er es beurteilen könne, hätten die Behörden alles unter Kontrolle.

Kristoffersen, der seit 2001 in Oslo lebt, beschreibt die Situation vor Ort als ruhig und besonnen. "Niemand ist in Panik. Viele Leute telefonieren mit ihrer Familie, um zu sagen, dass es ihnen gut geht."

"Menschenmengen stehen an den Absperrungen", sagt Kristoffersen. "Sie versuchen, sich ein Bild von der Situation zu machen." Allerdings gebe es nicht viel zu sehen und es gebe nicht viele Informationen. "Sie wissen nicht, was wirklich passiert ist."

"Die Polizei will nichts zur Ursache der Explosion sagen", sagt er. "Aber wir wissen alle, was auf der Welt vor sich geht."

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"Abscheuliche Akte der Gewalt"

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Fläche: 323.787 km²

Bevölkerung: 4,920 Mio.

Hauptstadt: Oslo

Staatsoberhaupt:
König Harald V.

Regierungschef:
Erna Solberg

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