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Ausbruch aus Gaza: Ägypter setzen Schlagstöcke gegen Palästinenser ein

Ägypten hat damit begonnen, das Chaos auf dem Sinai mit Gewalt zu beenden. Polizisten setzten auf der Halbinsel an der Grenze Schlagstöcke ein, um Tausende Palästinenser wieder zurück in den Gaza-Streifen zu treiben.

Gaza/Al-Arisch - Ägypten will den chaotischen Verhältnissen auf dem Sinai nicht länger zusehen und dem Drängen Israels nachgeben. Die Grenzpolizei habe damit begonnen, Einwohner des Gaza-Streifens an der Einreise nach Ägypten zu hindern, berichteten Palästinenser.

Bewaffnete Palästinenser hatten am Mittwoch Breschen in die Grenze zwischen dem Gaza-Streifen und Ägypten gesprengt, was einen Massenansturm am Übergang Rafah auslöste. Die ägyptischen Grenzposten ließen die Palästinenser auf Befehl von Staatschef Husni Mubarak ungehindert passieren. Der Grenzübergang war seit Juni 2006 geschlossen.

Die ägyptischen Grenzpolizisten gingen nun bei ihrem Einsatz nicht zimperlich vor. Nach Augenzeugenberichten setzen sie an der Grenze auch Schlagstöcke ein, um Palästinenser wieder zurück in den Gaza-Streifen zu schicken. In den Städten und Dörfern der Sinai-Halbinsel hätten ägyptische Sicherheitskräfte außerdem Palästinenser eingekreist und zur Grenze zurückgebracht.

Auch gegen die Händler ging die Polizei vor. Augenzeugen berichteten, am Vormittag seien plötzlich alle Lastwagenfahrer, die Lebensmittel und Medikamente in die Städte Al-Arisch und Rafah bringen wollten, gestoppt worden. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Palästinenser dürften nur noch bis morgen in Ägypten bleiben. Die Polizei habe den Befehl erhalten, für ihre Rückkehr zu sorgen.

Nach Einschätzungen aus Sicherheitskreisen hielten sich am Morgen noch etwa eine halbe Million Palästinenser auf der Sinai-Halbinsel auf. Augenzeugen in der Stadt Al-Arisch berichteten, die Palästinenser, die am Mittwoch durch Lücken in der Grenzbefestigungsanlage nach Ägypten gekommen waren, hätten bei Verwandten, in Moscheen, Ferienwohnungen und Teestuben übernachtet. Sie kauften auf der Halbinsel Zement, Zigaretten oder Elektrogeräte und versorgten sich mit Lebensmitteln.

Israel will Verbindung zum Gaza-Streifen ganz kappen

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak forderte Ägypten im israelischen Armeerundfunk auf, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Der israelische Außenamtssprecher sagte, Kairo sei dafür verantwortlich, was sich an der Grenze abspiele. Ägypten müsse daher auch das Problem regeln. Wegen des palästinensischen Raketenbeschusses hatte Israel den Gaza-Streifen am vergangenen Freitag vollkommen abgeriegelt. Angesichts weltweiter Proteste lockerte es die Blockade und ließ am Dienstag Gas-, Diesel- und Heizöllieferungen zu.

Die ägyptischen Grenzwächter bemühten sich heute, den Ansturm weiterer Palästinenser zu verhindern. Für diejenigen, die in den Gaza-Streifen zurückkehren wollten, blieb die Grenze offen. Augenzeugen sagten, die Polizei wende keine Gewalt an, versuche aber teilweise, die Palästinenser zur Rückkehr zu bewegen. Die Beamten schlugen mit Stöcken auf die Motorhaube von Privatautos, um den Verkehr zurückzudrängen.

Israel erwägt eine völlige Trennung seiner Verbindungen zu dem von der radikalen Hamas kontrollierten Gaza-Streifen. "Wenn der Gaza-Streifen nach der anderen Seite offen ist, haben wir nicht mehr die Verantwortung dafür", sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Matan Wilnai im Rundfunk. "Daher wollen wir uns davon abtrennen", sagte er.

Die letzten israelischen Truppen und Siedler verließen 2005 den Küstenstreifen. Israel kontrolliert noch die nördliche und östliche Grenze Gazas sowie den Flugverkehr und die Küstengewässer. Die Abtrennung von Israel bedeutet laut Wilnai, dass die Versorgung des Gebietes mit Strom, Wasser und Medikamenten aus Israel eingestellt werden sollte. All dies könnte von anderen geliefert werden. "Wir sind nur dafür verantwortlich, solange es keine Alternative gibt", sagte er.

als/Reuters/dpa/AFP/AP

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