Port-au-Prince - Duvalier kehrte am Wochenende nach fast 25-jährigem Exil überraschend in seine Heimat zurück - und darf nun erstmal nicht mehr weg. "Gegen Duvalier wurde ein Ausreiseverbot erlassen", sagte ein haitianischer Richter, der anonym bleiben wollte, am Donnerstagabend. Duvalier dürfe das Land nicht verlassen, weil ein Gerichtsbeschluss gegen ihn vorliege.
Sein Anwalt, Reynold Georges, hatte zuvor gesagt, Duvalier habe nicht die Absicht, das Land zu verlassen. Er wolle dafür kämpfen, von den Vorwürfen freigesprochen zu werden. Zudem werde Duvalier "für immer" in Haiti bleiben und sich in die Politik einbringen. Das sei "sein Recht".
"Baby Doc" hatte 1971 im Alter von 19 Jahren die Macht in Haiti von seinem Vater François "Papa Doc" Duvalier geerbt. Bis zu seinem Sturz 1986 soll er mit seinen Getreuen hunderte Millionen Dollar an Staatsgeldern veruntreut haben. Die dem Duvalier-Clan treu ergebene Geheimpolizei Tonton Macoutes soll bis zu 30.000 Regierungskritiker entführt, gefoltert und ermordet haben.
Seit Dienstag laufen in Haiti Ermittlungen wegen Korruption und Veruntreuung gegen Duvalier. Am Mittwoch strengten vier Haitianer zudem ein Strafverfahren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit an. Duvaliers Anwalt Georges protestierte gegen die Ermittlungen, da die Straftaten bereits verjährt seien. Ein weiterer Anwalt, Gervais Charles, erklärte am Donnerstag, ein Strafverfahren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit sei ungültig, da dieses "Prinzip" im haitianischen Recht "nicht existiert".
Nach der plötzlichen Heimkehr Duvaliers wird in dem Karibikstaat über die politischen Absichten des vor einem Vierteljahrhundert geschassten Machthabers spekuliert. Während Vertraute Duvaliers am Mittwoch eine mögliche Rückkehr an die Staatsspitze ins Gespräch brachten, dementierte der 59-Jährige, in das Chaos um die aktuelle Präsidentenwahl eingreifen zu wollen.
In einer Erklärung wies Duvalier "alle politischen Stellungnahmen" von Getreuen zurück, die "auf Szenarien im Zusammenhang mit dem Wahlprozess anspielen". Er schloss aber nicht aus, künftig eine politische Rolle in Haiti zu übernehmen.
ler/AFP
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