Ausschreitungen in Griechenland Demonstranten beschießen Bus der Athener Polizei

Angriff mit einer Kalaschnikow: Eine griechische Untergrundorganisation hat sich zu dem Beschuss eines Polizeifahrzeugs in Athen bekannt. Bei dem Anschlag wurde niemand verletzt. Auch über Weihnachten drohen in dem Land Unruhen.


Athen - Ein Einsatzfahrzeug der Athener Polizei ist in der Nacht zum Dienstag unter Beschuss gekommen. Keiner der 19 Beamten in dem Bus wurde verletzt, doch wurden zwei Kugeln vom Kaliber 7,62 Millimeter sichergestellt, wie die Behörden mitteilten. Nach Angaben des griechischen Rundfunks waren es sogar sieben Kugeln. Ungeklärt ist bislang, ob die Schüsse gezielt abgegeben wurden oder Querschläger waren.

Angriffe auf die Polizei: Auch am Tag vor Heiligabend gibt es gewaltsame Proteste
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Angriffe auf die Polizei: Auch am Tag vor Heiligabend gibt es gewaltsame Proteste

Damit scheinen Hoffnungen von Regierung und Polizei enttäuscht zu werden, dass die gewaltsamen Proteste an den Weihnachtsfeiertagen abebben. Auslöser für die seit gut zwei Wochen andauernden Ausschreitungen war der Tod des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos bei einem Polizeieinsatz in Athen am 6. Dezember. Angefacht wurden die Proteste außerdem von der Unzufriedenheit mit der Wirtschafts- und Sozialpolitik der Regierung und der hohen Arbeitslosigkeit.

Die Verantwortung für die Schüsse übernahm mit einem Anruf an eine Nachrichten-Internetseite in Athen eine bislang unbekannte Untergrundorganisation namens "Laiki Drasi" (Volksaktion). Die Polizei sicherte am Tatort insgesamt sieben Kugeln, die allen Anzeichen nach von einem AK-47 (Kalaschnikow) Maschinengewehr abgefeuert worden sind, berichtete der griechische Rundfunk. Die Polizei hatte bis Dienstagabend keine offizielle Stellungnahme dazu gemacht.

Die Schüsse auf den Polizeibus löste neue Sorgen aus, dass die jüngsten Unruhen in Griechenland auch über Weihnachten anhalten könnten. Der Bus wurde nach Behördenangaben angegriffen, als er am Universitätsgelände der Hauptstadt vorbeifuhr. Die Sicherheitskräfte dürfen nach griechischem Recht den Campus nicht betreten, solange sie nicht von der Universitätsverwaltung dazu aufgefordert werden. In der Nacht zum Dienstag hatten zudem Unbekannte vier Autos und ein Motorrad an verschiedenen Orten der Hauptstadt in Brand gesetzt.

Am Dienstagnachmittag zogen abermals gut 3000 Demonstranten durch Athen und beschimpften die Polizei als "Schweine und Mörder". Für Mittwoch wurde ein weiterer Protestmarsch im Geschäftszentrum von Athen angekündigt. Dort wurden bereits hunderte Läden beschädigt oder zerstört. Insgesamt wurden bislang bereits mehr als 300 Menschen festgenommen.

cte/Reuters/AP/dpa

insgesamt 1386 Beiträge
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SaT 08.12.2008
1. deren Probleme sind die unsrigen
Polizisten warfen einfach mit den Steinen auf Demonstranten zurück – das Wasser war ausgegangen. Eigentlich eine menschliche Reaktion. Und doch bestätigt es mich in dem Urteil, dass Griechenland als Mutterland Europas noch nicht reif für die EU war und ist – 1981 nicht und heute auch nicht. Zu groß sind die Unterschiede die seit dem West und Oströmischen Reich existieren. Nun ist aber das Land in der EU und deren Probleme sind die unsrigen. Mit den Demonstranten habe ich nicht allzu viel Sympathie. Ich war früher selbst links (inzwischen habe ich dazugelernt) und nahm an Demonstrationen teil – war allerdings nie gewalttätig. Durch das zerstören öffentliches und privates Gut wird sicher nichts besser.
Bre-Men, 08.12.2008
2. ?
Zitat von sysopBahnverbindungen sind blockiert, Universitäten besetzt: In Griechenland haben die schweren Ausschreitungen schon mehr als hundert Millionen Euro Schaden angerichtet. Wie kann das Land seine aktuellen Probleme lösen?
das Thema dürfte die griechisch-stämmige Bevölkerung hier sicher interessieren. Ich fahr dort auch gerne hin in Urlaub. Aber, warum sollen eigentlich wir hier in Deutschland diese Frage beantworten? Können wir hier nicht mal die Leute selbst ihre Probleme regeln lassen?
dragonmasterx2 08.12.2008
3.
So wie ich das sehe ist die derzeitige griechische Regierung unfähig und korrupt.
Xiuhcoatl 08.12.2008
4. Vorurteil
Je weiter man in Europa nach Süden kommt, desto bananenrepublikanischer. (Nicht, dass mir das ansympathisch wäre.)
Michael KaiRo 08.12.2008
5. ?
Zitat von sysopBahnverbindungen sind blockiert, Universitäten besetzt: In Griechenland haben die schweren Ausschreitungen schon mehr als hundert Millionen Euro Schaden angerichtet. Wie kann das Land seine aktuellen Probleme lösen?
Kann SPON in einfachen Sätzen nicht mal erklären, was dort eigentlich los ist? Dass die Demonstrationen / Krawalle nunmehr entgleist sind (angeblich wegen dem Tod eines 15jährigen) habe ich ja noch mitbekommen. Aber was war der Auslöser überhaupt. Worum geht es? Bitte die 5 W beantworten: Wer, was, wann, wie und wo und dann vielleicht noch die letzten beiden Ws: Warum und weshalb. Danke!
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