Unruhen im Nordosten: Indiens Militär marschiert in Krisenzone ein

Im Nordosten Indiens eskaliert der Konflikt zwischen muslimischen Siedlern und hinduistischen Bodo-Stämmen. Dutzende Menschen sind bereits umgekommen, Häuser brennen, Plünderer treiben ihr Unwesen. Nun sollen Tausende Soldaten das Chaos unter Kontrolle bringen.

Unruhen in Nordost-Indien: Hunderttausende auf der Flucht Fotos
AP

Kokrajhar - Im Nordosten Indiens haben ethnische Konflikte Dutzende Menschen das Leben gekostet und einen Einsatz der Streitkräfte ausgelöst. Tausende Soldaten versuchten, die betroffenen Distrikte des indischen Bundesstaats Assam wieder zu befrieden.

Im Streit um Ländereien zwischen hinduistisch geprägten Bodos und muslimischen Siedlern seien bereits 34 Menschen ums Leben gekommen, gab die Polizei am Mittwoch bekannt. Bei Zusammenstößen zwischen beiden Seiten seien zuletzt in der Nacht zum Mittwoch neun Menschen getötet worden. Ihre Leichen wurden demnach in Reisfeldern und am Straßenrand gefunden.

Fast 200.000 Menschen sollen inzwischen auf der Flucht sein. Augenzeugen berichteten von Plünderungen und Dutzenden brennenden Häusern. Laut anderen Angaben sind schon 500 Dörfer abgefackelt worden. Mindestens 170.000 Dorfbewohner fanden bislang Zuflucht in Regierungsgebäuden, Schulen und Flüchtlingslagern.

Die Beziehung zwischen den Bewohnern der Region und den Einwanderern vor allem aus Bangladesch ist seit Jahren angespannt. Die Unruhen halten nun schon seit Freitag an. Nach Angaben der indischen Nachrichtenagentur Press Trust of India waren tödliche Schüsse auf muslimische Studentenführer im Bezirk Kokrajhar der Auslöser für die Unruhen. Aus Rache griffen daraufhin dort lebende Bodos Muslime an, denen sie die Taten zur Last legten. Am Montagnachmittag blockierten der Polizei zufolge Hunderte, teils mit Speeren bewaffnete Menschen Bahngleise und hinderten so einen Expresszug an der Weiterfahrt. Sie verlangten die Aushändigung mehrerer Männer, die im Zusammenhang mit der Tötung der Jugendlichen in Gewahrsam sitzen.

Der Nordosten Indiens ist nur über ein schmales Landstück mit dem Rest des Landes verbunden. In der Region gab es in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt Kämpfe zwischen ethnischen und separatistischen Gruppen. Einige der größten Rebellengruppierungen der Region führen mittlerweile jedoch Friedensgespräche mit der Regierung. Die muslimischen Siedler sind seit Jahren in Gebietsstreitigkeiten in der entlegenen Region verwickelt.

ffr/dapd/AFP/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Indien
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren
  • Zur Startseite

Fläche: 3.166.414 km²

Bevölkerung: 1213,370 Mio.

Hauptstadt: Neu-Delhi

Staatsoberhaupt:
Pranab Mukherjee

Regierungschef: Manmohan Singh

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Indien-Reiseseite