Video aus Kiew Behörden gestehen Misshandlung von Gefangenen ein

Ein Video schockiert die Ukraine. Man sieht Spezialkräfte der Polizei, die einen offenbar bei Ausschreitungen festgenommenen Gefangenen nackt bei eisiger Kälte vorführen. Die Behörden haben mittlerweile bestätigt, dass das Video authentisch ist - und entschuldigten sich.

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Aus Kiew berichtet


Es kommt nicht oft vor in den chaotischen Tagen der gewaltsamen Proteste in der Ukraine, dass sich die Behörden entschuldigen. Bisher behaupten Sicherheitskräfte wie auch Regierung, bei den Demonstranten vom Maidan-Platz handele es sich um aus dem Ausland gesteuerte Krawallmacher, denen man leider mit Gewalt begegnen müsse.

Umso bemerkenswerter war eine Mitteilung, die das ukrainische Innenministerium am Donnerstagabend auf seiner Webseite veröffentlichte. Demnach sei durch ein Video ein möglicher Übergriff der Sicherheitskräfte bekannt geworden, für diesen wolle man sich entschuldigen, es seien umgehend Ermittlungen aufgenommen worden. Gleichzeitig bestätigte das Ministerium, dass es sich bei den Polizisten um Mitglieder der berüchtigten Berkut-Einheit handele.

Spezialeinheit "Goldener Adler"

Das Video läuft seit Donnerstagmorgen in fast jeder ukrainischen Nachrichtensendung, gegen 4 Uhr morgens wurde es ins Netz gestellt. Zu sehen sind martialisch gekleidete Mitglieder der Spezialeinheit "Goldener Adler". Sichtlich amüsiert führen sie nach den schweren Ausschreitungen in der Nacht zu Mittwoch einen nackten Gefangenen aus einem Polizeibus und lassen ihn posieren. Der verängstigte Mann hat blaue Flecken am ganzen Körper.

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Bei den Demonstranten sorgten die Aufnahmen für große Aufregung, scheinen sie doch ein schlagkräftiger Beleg für die exzessive Gewalt der Sicherheitskräfte während der Ausschreitungen zu sein. Besonders die Kräfte der Sondereinheiten werden dieser Tage beschuldigt, gezielt mit Hartgummigeschossen auf Demonstranten, aber auch auf Kameraleute geschossen zu haben. Sie sollen Gefangene schwer misshandelt haben.

In den Nachrichtensendungen der unabhängigen TV-Stationen sind die Vorwürfe gegen die Polizei das Top-Thema. Vor Krankenhäusern werden Mütter und Väter interviewt, die ihre Söhne und Töchter vermissen. Schon kursieren Gerüchte, dass die Polizei Oppositionelle entführt und in geheime Gefängnisse gesteckt habe. Allein der Verdacht heizt den Hass der Demonstranten auf die Staatsmacht weiter an.

In einem Fall hat das Innenministerium bereits den Tod eines Oppositionellen bestätigt. Jurij Werbitski war Anfang der Woche gemeinsam mit einem weiteren Aktivisten aus einem Krankenhaus entführt worden, er wurde Tage später tot aufgefunden. Der mit dem Getöteten gemeinsam entführte Igor Lutsenko berichtete später, seine Kidnapper hätten mit ihm eine Scheinhinrichtung durchexerziert, nur durch Glück hätte er flüchten können.

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insgesamt 90 Beiträge
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Seite 1
mercadante 23.01.2014
1. Mit diesen Demostranten wird Demokratie nie möglich
Was für ein Wert soll Neuwahlen haben wenn die Demostranten die Ergebnissen nicht akzeptieren ? Die Diktatur ist auf dem Platz , unter den Demostranten , die Staatsmacht wird solange provoziert bis eingreifen muss, die Töne auch von Mister Klitschko klingeln wie eine Kriegserklärung , wer würde sich sowas gefallen lassen ? Oder hätte die Polizei bei uns zugeguckt wenn die Demostranten mit Katapulten angegriffen hätten ? Leute der Presse ihr seit auch Vorbilder für die Junge Leser.
Barath 23.01.2014
2. ...
Zitat von mercadanteWas für ein Wert soll Neuwahlen haben wenn die Demostranten die Ergebnissen nicht akzeptieren ? Die Diktatur ist auf dem Platz , unter den Demostranten , die Staatsmacht wird solange provoziert bis eingreifen muss, die Töne auch von Mister Klitschko klingeln wie eine Kriegserklärung , wer würde sich sowas gefallen lassen ? Oder hätte die Polizei bei uns zugeguckt wenn die Demostranten mit Katapulten angegriffen hätten ? Leute der Presse ihr seit auch Vorbilder für die Junge Leser.
Ich betrachte das alles ja auch misstrauisch, aber solche Praktiken können sie doch nicht ernsthaft gutheißen, oder?
egal 23.01.2014
3. @marcadate
Schön, dass es Menschen mit Durchblick gibt. Mir fällt es schwe, so einfach Gut und Böse auseinander zu halten. Aber dank Ihrer uneigennützigen Hilfe bin ich ja jetzt umfassend und objektiv informiert. Hab Dank, edler Poet und Reiter der allumfassenden Wahrheit.
rastahh 23.01.2014
4.
Was hat das bitte mit Hamburg zu tun. Erst denken. Dann Kommentar.
m&m92 23.01.2014
5. @mercadente
Wie ich sehe kennst du dich ja aus mit dem Thema... ja das war reine Ironie! Der Beitrag beschreibt nur die Spitze des Eisberges. Es werden systematisch (fast) alle verletzte Demonstranten aus den Krankenhäusern verschleppt... und das sind nicht alles Gewalttätige und Nazis! Es sind vor allem Menschen die endlich nach Jahren des Schweigens und des Zusehens aufstehen und und durch ihren Mut und ihre Standhaftigkeit klar machen, dass die Ukraine nicht weiter unter Verbrechern wie Janukowitsch vor die Hunde gehen darf! Schaut ich die Liveübertragungen aus Kiew im Netz an und ihr seht allein schon da mehr, als euch die Presse mitteilt! An die Spiegel - Redaktion: wenn jeder seine Meinung frei äußern darf, warum bestimmt Ihr dann, welches Kommenter erscheint und welches verschwindet? (Nur interessenshalber)
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