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Demo gegen Arbeitslosigkeit: Ausschreitungen vor Gauck-Auftritt in Athen

Staatsbesuch: Gauck bei den Griechen Fotos
DPA

Die griechische Polizei setzte vereinzelt Schlagstöcke und Pfefferspray ein: Wenige Stunden vor einer Kranzniederlegung von Bundespräsident Gauck versuchten Demonstranten, vor dem Parlament in Athen gegen Entlassungen und Arbeitslosigkeit zu protestieren.

Athen - Die griechische Polizei hat am Donnerstag rund 500 Demonstranten an einer Protestaktion vor dem Parlament in Athen gehindert - dort will Bundespräsident Joachim Gauck am Nachmittag einen Kranz vor dem Grabmal des Unbekannten Soldaten niederlegen, das an der Mauer des Gebäudes liegt.

Die Demonstranten wollten gegen Entlassungen und Arbeitslosigkeit protestieren. Die Polizei hatte wegen des Gauck-Besuchs alle Demonstrationen vor dem Parlament verboten. Als die Demonstranten versuchten, eine Sperre zu durchbrechen, kam es zu Rangeleien. Die Polizei setzte vereinzelt auch Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Viele der Demonstranten trugen Transparente der kommunistischen Gewerkschaft P.A.M.E.. Die Lage habe sich schnell beruhigt, teilte die Polizei mit. Sprechchöre gegen Gauck gab es nicht.

Gauck hatte zuvor die Solidarität Deutschlands für Griechenland bekundet. "Wir bleiben solidarisch mit Griechenland, als Deutsche und als Europäer", sagte der Bundespräsident bei einem Treffen mit dem Staatschef Karolos Papoulias: "Die allermeisten Deutschen hegen freundschaftliche Gefühle gegenüber Griechenland."

Uneinigkeit über deutsche Reparationszahlungen

Gauck und Papoulias waren sich jedoch uneins in der Frage deutscher Kriegsreparationen. Der griechische Staatschef wies nach dem Treffen mit dem Bundespräsidenten darauf hin, dass sein Land die Forderungen nach Reparationen und nach einer Entschädigung für Zwangsanleihen im Zweiten Weltkrieg nie aufgegeben habe. "Wichtig ist, dass diese Frage gelöst wird mit der schnellstmöglichen Aufnahme von Verhandlungen", fügte Papoulias hinzu.

Gauck machte dagegen deutlich, dass er diese Forderung nicht unterstützt: "Sie wissen, dass ich darauf nur so antworten kann, dass ich meine, der Rechtsweg dazu ist abgeschlossen." Dies sei auch die offizielle Haltung der Bundesregierung, der er nicht widersprechen wolle. Deutschland sei aber bereit, die moralische Schuld anzuerkennen. Gauck verwies auf die Pläne für die Errichtung eines deutsch-griechischen Jugendwerks, das "Brücken des Verständnisses" bauen solle - "auch um den dunklen Seiten der Vergangenheit zu begegnen".

Die deutschen Besatzer hatten Griechenland 1942 zu einer zinsfreien Zwangsanleihe von 476 Millionen Reichsmark genötigt. Dieses Darlehen wurde nie zurückgezahlt. In Griechenland wird zudem lebhaft darüber debattiert, ob Deutschland Reparationen für die Schäden der Besatzungszeit zahlen muss. Die griechische Regierung gab dazu im letzten Jahr ein Gutachten in Auftrag, dessen Ergebnisse aber nicht offiziell veröffentlicht wurden.

als/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
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1.
zynik 06.03.2014
Zitat von sysopAPDie griechische Polizei setzte Schlagstöcke und Pfefferspray ein: Wenige Stunden vor einer Kranzniederlegung von Bundespräsident Gauck versuchten Demonstranten, vor dem Parlament in Athen gegen Entlassungen und Arbeitslosigkeit zu protestieren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ausschreitungen-vor-gauck-auftritt-in-athen-a-957271.html
...ob sich unser Präsident der "Freiheit" dazu äußert?
2. Ich weiß nicht,
taxiralle59 06.03.2014
wieviel 476 Millionen Reichsmark heute wert wären - bestimmt nicht wenig. Wenn dieses Darlehen bisher nicht zurückgezahlt wurde, wäre ich auf Seiten der Griechen ganz still. Wenn es dennoch Reparationszahlungen für die Besatzung vor 1945 geben sollte, wäre allerdings die Feststellung von Nöten, dass die BRD direkter Nachfolger des III. Reiches ist.
3.
RenegadeOtis 06.03.2014
Zitat von taxiralle59wieviel 476 Millionen Reichsmark heute wert wären - bestimmt nicht wenig. Wenn dieses Darlehen bisher nicht zurückgezahlt wurde, wäre ich auf Seiten der Griechen ganz still. Wenn es dennoch Reparationszahlungen für die Besatzung vor 1945 geben sollte, wäre allerdings die Feststellung von Nöten, dass die BRD direkter Nachfolger des III. Reiches ist.
Das wäre irrelevant. Nicht irrelevant ist, dass Reparationen 70 Jahre nach Ende des Krieges völkerrechtlich echt sportlich wären. Hinzu kommt, dass der Potsdamer Vertrag von 1945 ausdrücklich von Sach- und Gegenstandsreparaturen spricht (man hat aus Versailles was gelernt) - Die Sowjets haben ja ganze Werke in der SBZ abgebaut und weggetragen. Die Gesamtsumme inflationsbereinigt ist übrigens 40 Milliarden Euro. Und man sollte erwähnen, dass die Reparationszahlungen auf "nach einem Friedensvertrag" verschoben wurden - wohlweislich hat der 2+4-Vertrag zwar volle Souveränität garantiert (ist also de fakto ein Friedensvertrag), jedoch ist er ausdrück "anstelle eines Friedensvertrages" geschlossen worden.
4. Wo bleibt der Aufschrei?
sysiphus-neu 06.03.2014
Wo bleibt der Aufschrei der Weltgemeinschaft? Das griechische Regime geht mit brutaler Gewalt gegen das eigene Volk vor. Das Demonstrationsrecht wurde massiv eingeschränkt, von morgens 8.00Uhr bis abends 19.00Uhr wurde ein Demonstrationsverbot in der Athener Innenstadt verhängt - das riecht nach Diktatur! Die Schergen des Regimes setzten Tränengas, Pfefferspray und Schlagstöcke gegen die Aktivisten ein. Die amerikanische Regierung zeigte sich "angewidert" von der Gewalt gegen friedliche Demonstranten - ach so Entschuldigung, jetzt bin ich doch in der falschen europäischen Hauptstadt gelandet. Das war ja gar nicht Kiew sondern Athen...
5.
agua 06.03.2014
Zitat von zynik...ob sich unser Präsident der "Freiheit" dazu äußert?
Tja, das ist die gelebte Demokratie in Europa. In Lissabon findet heute eine angemeldete Demonstration der Polizei statt, um 17.30. Es wurden 4000 Sonderpolizisten bereitgestellt, um das Parlament zu schützen, weil es bei der letzten Demonstration gelungen war(21.November)die Treppen zum Parlament zu stürmen. Ich hoffe, dass alles gut ausgeht!
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Hauptstadt: Athen

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