Atomstreit Außenminister dämpfen Hoffnung auf schnelle Einigung mit Iran

Ein Kompromiss im Atomstreit mit Iran rückt näher, doch der britische Außenminister warnt vor überzogenen Erwartungen. "Die Verhandlungen sind schwierig", sagte William Hague in Genf. Sein iranischer Kollege bekräftigte, er werde "überzogene Forderungen" nicht akzeptieren.

  Britischer Außenminister Hague: "Gespräche sind nicht abgeschlossen"
DPA

Britischer Außenminister Hague: "Gespräche sind nicht abgeschlossen"


Genf - In den Atom-Gesprächen der Weltmächte mit Iran ist offenbar eine Kompromissformel gefunden worden. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen ist eine diplomatische Formulierung gefunden worden, mit der zwar nicht ausdrücklich das Recht Irans auf Urananreicherung bestätigt wird, aber die Anerkennung, dass alle Staaten ein Recht auf Nutzung der Atomtechnik haben.

Damit steigen die Hoffnungen, dass sich die Außenminister bei den Gesprächen in Genf einigen könnten. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle sagte, es gebe eine realistische Chance auf eine Einigung. Es stünden aber noch schwierige Gespräche bevor. Noch vorsichtiger äußerte sich Westerwelles britischer Amtskollege William Hague: "Die Verhandlungen bleiben schwierig. Wir sind hier, weil die Gespräche noch nicht abgeschlossen sind."

Auch der iranische Außenminister dämpfte die Erwartungen auf eine schnelle Lösung: "Wir widersetzen uns jeder überzogenen Forderung", sagte Mohammed Dschawad Sarif im iranischen Staatsfernsehen. Die Verhandlungen befänden sich derzeit "in einer sehr schwierigen Phase". Die Unterhändler seines Landes in Genf bestünden darauf, dass Iran die Atomkraft zu zivilen Zwecken nutzen könne.

Aussetzung der Anreicherung im Gespräch

Seit Samstag verhandeln erneut die Außenminister der USA, Frankreichs, Großbritanniens, Russlands, Chinas und Deutschlands persönlich in Genf. Sie hatten sich bereits vor zwei Wochen in die Verhandlungen eingeschaltet. Ein Durchbruch blieb jedoch aus, die Minister reisten ohne Ergebnis wieder ab.

Am Freitag hatte Sarif gesagt,ein Durchbruch sei "näher gerückt". Sein Stellvertreter und Verhandlungsführer in Genf, Abbas Araghchi, sagte am Samstag, es gehe noch um "zwei oder drei Streitpunkte". Beide Seiten kämen einem Abkommen aber immer näher.

Der Westen verdächtigt den Iran, nach Atomwaffen zu streben, was Teheran abstreitet. Im Mittelpunkt des Streits steht die Anreicherung von Uran, das zur Energiegewinnung und zu Forschungszwecken, in höher angereicherter Form aber auch zur Herstellung von Atomwaffen genutzt werden kann.

Im Gespräch sind eine Aussetzung der Anreicherung auf 20 Prozent, ein Abbau der bestehenden Uranbestände und strengere UN-Inspektionen. Im Gegenzug für ein solches Übergangsabkommen könnten die gegen Iran verhängten harten internationalen Sanktionen gelockert werden.

cte/Reuters/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Schraube 23.11.2013
1. Echt nervig,...
...dass sich die Iraner die Atomkraft nicht ausreden lassen wollen. Die Welt könnte nahezu Atomkraft frei sein, wenn der Iran nicht immer querschießen würde. Solange müssen natürlich auch auch die für die Bevölkerung sehr schlimmen Sanktionen aufrecht erhalten bleiben. Das versteht sich von selbst.
aljoschu 23.11.2013
2. Auf Verlogenheit gedeiht keine Fairness
Zitat: "Der Westen verdächtigt den Iran, nach Atomwaffen zu streben, was Teheran abstreitet." Zitat Ende. Die internationale Gemeinschaft muss anerkennen, dass auch der Gottesstaat Iran - genauso wie andere Theokratien der Region - ein Recht auf territoriale Unversehrtheit hat. Angesichts der jahrzehntelangen Hetzpropaganda der USA, Großbritanniens und Frankreichs sowie ganz besonders der theokratischen Scharfmacher in Israel, angesichts der Morde und Attacken durch verdeckte Aktionen der Geheimdienste, insbesondere des Mossad, und angesichts von Cyber-Attacken und der wiederholten Versuche von Milizen in das Staatsgebiet des Iran einzudringen, ist es völlig nachvollziehbar und legitim, dass sich eine Nation mit dem einzigen Mittel ausstatten möchte, das es ihm nachhaltig ermöglicht diese Unversehrtheit zu bewahren: die Atombombe. Der Westen - einschließlich der alten BRD - hat vor 40 Jahren Israel klammheimlich und voller Absicht mit den Ingredienzien zum Bau der Bombe ausgestattet. Ein schlimmer Fehler. Warum sollte heute der Westen es nicht zulassen, dass sich der Iran das gleiche Recht sichert? Die Folge wäre ein militärisches Gleichgewicht im Nahen Osten - also noch lange nicht der Weltuntergang! Noch viel besser und erstrebenswerter wäre es, wenn man den Iran davon überzeugen könnte, auf den Bau der Bombe zu verzichten, indem man gleichzeitig darauf dringt, dass Israel seine ABC-Waffen zu vernichtet. Natürlich würde das nicht ohne massiven Druck passieren. Leider hat der Westen jedoch dazu nicht die moralische Kraft.
klfm01 23.11.2013
3.
Zitat von Schraube...dass sich die Iraner die Atomkraft nicht ausreden lassen wollen. Die Welt könnte nahezu Atomkraft frei sein, wenn der Iran nicht immer querschießen würde. Solange müssen natürlich auch auch die für die Bevölkerung sehr schlimmen Sanktionen aufrecht erhalten bleiben. Das versteht sich von selbst.
Man muß schon reichlich merkbefreit sein, um es nicht komisch zu finden, daß die Iraner auf eine *Anreicherung* des Urans bestehen. Denn besser kann man nicht-zivile Hintergedanken nicht unter Beweis stellen. Mit anderen Worten: die Iraner wollen die Bombe, und nicht etwa die fadenscheinig vorgeschobene Nutzung für Kernkraft.
kaynchill 23.11.2013
4. Gleichheit
Allererste VOraussetzung für die Verhandlungen sollte die Anerkennung des Iran als gleichebrechtigten Staat sein. Es ist eine andere Kultur, ja, aber das rechtfertigt nicht die Dämonisierung! Was hat der Iran eigentlich für seinen Ruf getan? so weit ich das sehe kommen immer nur Anschuldigungen von Westen. Verständlich dass der Iran so nicht verhandeln will
GeorgiosOrwellos 23.11.2013
5.
Zitat von Schraube...dass sich die Iraner die Atomkraft nicht ausreden lassen wollen. Die Welt könnte nahezu Atomkraft frei sein, wenn der Iran nicht immer querschießen würde. Solange müssen natürlich auch auch die für die Bevölkerung sehr schlimmen Sanktionen aufrecht erhalten bleiben. Das versteht sich von selbst.
Ich frage mich ob Ihre Ausführung lediglich sarkastisch gemeint... Sie können doch nicht ernsthaft davon ausgehen, dass die Welt nahezu "Atomkraft frei" wäre, wenn Iran auf sein Atomprogramm verzichten würde. Sowas würde ja noch nicht einmal Nut' n-yahu von sich geben. Das nenne ich mal "chuzpe" in vollendeter Form.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.