US-Außenminister Kerry sieht Israel auf dem Weg zum "Apartheid-Staat"

Die Kritik an Israel fiel ungewöhnlich deutlich aus: Laut einem Medienbericht hat US-Außenminister Kerry das Land davor gewarnt, ein Apartheid-Staat zu werden. Seine Rede war nicht für die Öffentlichkeit gedacht.

Außenminister der USA, John Kerry: "Nehmt es oder lasst es sein"-Lösung möglich
AP/dpa

Außenminister der USA, John Kerry: "Nehmt es oder lasst es sein"-Lösung möglich


Washington - US-Außenminister John Kerry hat Israel davor gewarnt, zu einem Apartheidsstaat wie das frühere Südafrika zu werden, falls es weiterhin auf dem Westjordanland und Ost-Jerusalem besteht. "Weil ein Einheitsstaat entweder in einem Apartheid-Staat mit Bürgern zweiter Klasse oder in einem Staat enden könnte, der die Fähigkeit Israels zunichtemachen würde, ein jüdischer Staat zu sein", zitierte ihn das US-Online-Magazin "The Daily Beast" am Sonntag (Ortszeit).

Kerry versucht seit mehreren Monaten, den Friedenprozess zwischen Israelis und Palästinensern wieder in Gang zu bringen. Er erlitt dabei jedoch in letzter Zeit immer wieder Rückschläge.

Am Freitag habe er sich dann in einer nichtöffentlichen Rede vor Experten der Trilateralen Kommission aus Europa, Russland und Japan geäußert, schrieb das Magazin, das sich auf einen Mitschnitt der Rede beruft. Er schließe nicht aus, dass er angesichts der Kompromisslosigkeit beider Seiten diese auch mit einem fertigen US-Friedensplan konfrontieren könnte. An dem ließe er dann keine Detailänderungen mehr zu. "Hier habt ihr es, Leute. So sieht es aus. Nehmt es oder lasst es sein", zitierte ihn das Magazin. Die Frist für die von Kerry vermittelten Friedensgespräche endet diesen Dienstag.

Eine offizielle Bestätigung für die Äußerungen gab es zunächst nicht. Eine Sprecherin des Außenministeriums sagte jedoch, Kerry habe einfach seinen bekannten Standpunkt wiederholt, dass Israel nur in Frieden mit den Palästinensern leben könne, wenn es eine Zweistaatenlösung akzeptiere. Präsident Obama hat schon früher den Begriff "Apartheid" als unangebracht für den Staat Israel bezeichnet.

Auch jüdische Organisationen in den USA kritisierten Kerrys Wortwahl: Das Wort "Apartheid" zu verwenden sei "absolut nicht hilfreich", sagte David Harris vom American Jewish Committee, einer Organisation, die die Zweistaatenlösung eigentlich unterstützt.

Zwar habe er Verständnis dafür, dass Kerry durch deutliche Sprache die Bedeutung der Verhandlungen unterstreichen wolle. Der Begriff Apartheid wecke aber Assoziationen, "die in dieser Diskussion keinen Platz haben". Der Bericht wurde auch von israelischen Medien prominent wiedergegeben.

ade/dpa

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