Außenspiegel: Häme gegen Merkozy

Von Carolin Lohrenz

Angela Merkel und Nicolas Sarkozy sollen den Euro retten. Doch die Kommentatoren in der europäischen Presse sind skeptisch: "Das glauben wir erst, wenn wir es sehen", unkt der britische "Guardian". Mehr als ein Schmunzeln könne "Merkozy" nicht bringen, befürchtet Genfs "Le Temps".

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Sarkozy und Merkel: Spott über ein ungleiches Paar

Europa steht vor entscheidenden zwei Gipfeln. Auf der Tagesordnung steht die Rekapitalisierung der Banken, ein Schuldenschnitt für Griechenland, die Gläubigerbeteiligung, die europäische Wirtschaftspolitik. Im Zentrum sieht der "Guardian" dabei eine neue Hauptperson: "Merkozy", also die Symbiose aus der deutschen Kanzlerin und dem französischen Präsidenten. Und dieser Hauptdarsteller möge zwar eine tapfere Miene zur Schau tragen, aber diese Krise sei noch nicht zu Ende, schreibt das britische Blatt:

"Die Märkte fingen sich in der Hoffnung, dass 'Merkozy', wie einige Witzbolde das kampfbereite Führungsduo aus Deutschland und Frankreich nennen, eine 'umfassende Strategie' zur Lösung der Schuldenkrise ausarbeiten. Das glauben wir erst, wenn wir es sehen. Seit über einem Jahr wurden Investoren mit dem Auftauchen jedes neuen 'Plans' aufrecht gehalten; aber ihr Überschwang währte nicht mehr lange, als die Details ans Tageslicht kamen."
("The Guardian", London, 11. Oktober)

Die Merkozy-Formel reiche höchstens für ein Schmunzeln, meint auch "Le Temps" aus Genf. Zu viele Streitpunkte trennten das unfreiwillige Paar. Das Misstrauen in der EU bleibe groß.

"Die Liste der Klagen ist bekannt: Übertriebene Vorsicht und der fast religiöse Wille, die schuldbeladenen Länder und Banken für ihre Fehler büßen zu lassen, bei Merkel; zwanghafte Überstürzung und eine fragwürdige politische Zuverlässigkeit bei Sarkozy. Dazu kommt das Gewicht der Zahlen. Sie zeugen von deutschen Opfern und französischer Unverfrorenheit. [...] Es besteht die Gefahr, dass Berlin und Paris auf dem Weg zu ihrer mühseligen Einigung nur ihre internen Interessen berücksichtigen. Oder dass sie zur Überwindung ihrer Differenzen einen auf ihre Wähler zugeschnittenen Kompromiss basteln."
("Le Temps", Genf, 20. Oktober)

Und während der Hauskarikaturist des "Groene Amsterdammer" über das ungleiche Paar auf dem Sprungbrett spottet, fühlt sich der "Economist" schließlich an Großbritannien und die USA erinnert. Das schwächelnde Frankreich umklammere das stärkere Deutschland, in der Hoffnung, seine Politik mitzugestalten.

"Das Merkozy-Duumvirat nervt so manchen: die Italiener sagen, 'eine globale Krise kann nicht von einer bilateralen Achse gelöst werden.' Dennoch bleibt der deutsch-französische Motor äußerst wichtig. Heute würde man ihn besser das deutsch-französische Triebwerk nennen; Oder, besser noch, stellen Sie sich ein BMW-Motorrad mit einem Peugeot-Beiwagen vor; Merkel in Lederkombi, und Sarkozy trottet hinterher. Ein erfahrener Eurokrat drückte es so aus: die Partnerschaft dient heute vor allem einem: 'Deutschlands Stärke und Frankreichs Schwäche zu verbergen'. [...] Der wahre Test für die Partnerschaft liegt im Inhalt der Reformen [die auf die EU zukommen]. Deutschland wird eine Neuauflage seines föderalen Systems mit harter Steuerpolitik und einem mächtigen Europäischen Parlament wollen; die Franzosen einen Spiegel ihrer V. Republik, mit gemeinsamen Eurobonds und viel Macht (und zahlreichen Hinterzimmern) für die Eliten."
("The Economist", London, 15. Oktober)

Ganz realistisch habe das Kanzleramt auch schon die Erwartungen heruntergeschraubt, meint die Athener Wirtschaftszeitung "Naftemporiki".

"Wunder sind keine zu erwarten. Die Nachricht aus der deutschen Regierung ist wahrscheinlich der realistischste Ansatz, um die Situation in der Euro-Zone anzugehen. Gleichzeitig wollte sie ein wenig Zeit gewinnen bei den Verhandlungen über die Art und Höhe des bevorstehenden Schuldenschnitts. [...] Die deutsche Warnung ist auch Ausdruck der harten Realität, dass es wohl kaum einen schmerzlosen Ausweg aus der Krise gibt.
("Naftemporiki", Athen, 18. Oktober)

Die Kollegen von "Kathimerini" regen sich dagegen über die "unverbesserlich irrationalen" Griechen auf.

"Genauso besorgniserregend [wie der soziale Aufruhr] sind die eskalierenden Probleme mit Deutschland. Es wird hier wie eine Besatzungsmacht wahrgenommen, der die Griechen Widerstand leisten müssen, wie früher. Vielleicht ist das größte Problem aber, dass der 'Rettungsplan', der den aktuellen Stand der Dinge kippen könnte, so kindisch aufgenommen wird." ("Kathimerini", Athen, 20. Oktober)

Ohne Angst vor Anachronismus wagt auch der "Guardian" den Blick in die Geschichte. Simon Jenkins hatte vor einem Monat noch einen oft kommentierten Artikel über Englands Obsessionen mit Nazi-Deutschland geschrieben, und die Briten dazu aufgerufen, dieses Kapitel nun doch mal abzuschließen. Diese Woche bemühte er den Nazi-Vergleich schon in der Überschrift: "Europas erloschener Idealismus ist wie die Wiederkehr von München", titelt er. Mit Griechenland in der Hauptrolle.

"Nein, es ist nicht Nazi-Deutschland. Aber es sind dieselben endlosen Treffen und angeblichen Abmachungen, die gleiche Hin- und Herfliegerei ins Nirgendwo, die selbe Weigerung, eine Katastrophe anzukündigen, in der Hoffnung, dass jemand anders die harten Entscheidungen trifft. [...] Diejenigen, die sich unkritisch für den Euro engagierten, machen sich jetzt aus dem Staub. Einige behaupten, nie eine in einer Währungsunion aufgehende EU gewollt zu haben. Andere behaupten, dass alles gut wäre, wäre man nur disziplinierter gewesen. Wieder andere plädieren, dass so eine Kleinigkeit wie eine Rezession nicht etwas in Frage stellen dürfe, dem sie ihre Karriere und ihren Idealismus gewidmet haben. Das sind genau die Verhaltensweisen, die zwischen den Kriegen den Völkerbund, Locarno und die Peace Pledge Union schufen, diese kollektive europäische Idee, dass man den Krieg nur tot reden müsse, um ihn wirklich zu verhindern. Dann bewaffnete sich Deutschland neu, und keiner traute sich zu reagieren. Jetzt ist Griechenland bankrott, weitere Staaten wohl auch, und keiner traut sich zu reagieren. Europas Politiker stürzen lieber den Kontinent in die Arbeitslosigkeit und verzetteln sich in der Unterstützung eines erloschenen Idealismus."
("The Guardian", London, 18. Oktober)


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1. Vorsicht geboten....
faltro 21.10.2011
Sarkozy und Frankreich wissen doch längst, dass die EFSF-Banklizenz nicht durchführbar ist. Dennn 1. DE hat 50% Anteil (200 Milliarden am 400 Milliardenpool) sollte dementsprechend auch 50% Stimmgewalt haben (hoffe ich doch). 2. Mitsprache auch noch anderer Länder, z.B. Niederlande, Österreich; 3. Gegen die Verträge. Es steckt was andere dahinter. Frankreich verhandelt geschickter und professionieller. Würd mich nicht wundern, wenn in dem ganzen Vertragswerk ein Passus steht, der den Franzosen unheimlich wichtig ist (evt. in Bezug auf die Rettung franz. Banken). Das ganze soll ein verhandlungstechnische Ablenkungsmanöver sein. Die Franzosen hoffen, dass die amateuhaften dt. Politiker wieder mal etwas durchwinken, das sie nicht verstanden haben. Oder Merkel und Sarkozy spielen ihr Spielchen zusammen. Am Ende wird Merkel sagen können. Ja, ich hab mich gegen Sarkozy durchgesetzt. Sarkozy wird am Ende sagen, seht her ich hab den Passus durchgekriet, unsere Banken werden von Europa gerettet, keine Angst wir müssen nicht sparen, wir müssen nicht reformieren, ihr dürft mich jetzt wieder wählen. Das ist ein Geschachere, mit gezinkten Karten.
2. #1 Vom Politiklehrling zum Staatslenker in drei Schritten
Kurt2 21.10.2011
Zitat von sysopAngela Merkel und Nicolas Sarkozy sollen am Wochenende den Euro retten. Doch die Kommentatoren in der europäischen Presse sind skeptisch: "Das glauben wir erst, wenn wir es sehen",*unkt*der*britische "Guardian". Mehr als ein Schmunzeln könne "Merkozy" nicht bringen,*befürchtet*Genfs*"Le Temps". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,793128,00.html
"Le Temps" stellt fest: bei Merkel; zwanghafte Überstürzung und eine fragwürdige politische Zuverlässigkeit bei Sarkozy. Dazu kommt das Gewicht der Zahlen. Sie zeugen von deutschen Opfern und französischer Unverfrorenheit. [...] Wirft man Merkel nicht seit Monaten Zögerlichkeit vor? Warum glaubt man in der Schweiz, dass deutsche Zuverlässigkeit neuerdings fragwürdig ist? Das scheint mir sehr an den Haaren herbeigezogen. Entlarvender und zutreffender finde ich den Passus über Opfer und ....
3. #1
Kurt2 21.10.2011
Zitat von sysopAngela Merkel und Nicolas Sarkozy sollen am Wochenende den Euro retten. Doch die Kommentatoren in der europäischen Presse sind skeptisch: "Das glauben wir erst, wenn wir es sehen",*unkt*der*britische "Guardian". Mehr als ein Schmunzeln könne "Merkozy" nicht bringen,*befürchtet*Genfs*"Le Temps". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,793128,00.html
Es schält sich immer klarer heraus, dass GB kollektiv auf die Couch gehört mit seinem Nazifimmel. Langsam wird es lästig. Frau Merkel hat schon recht wenn Sie sagt, dass die ständige Besserwisserei auf der Insel niemandem hilft. Nützlicher wäre die britische Unterstützung in der Krise, aber da kommt nichts.
4. Mit freunden soll man Lachen aber keine Geschäfte machen
hairforce 21.10.2011
Nicht ganz so einfach Angela das muss man durch und dem Nicolas mal sagen das die Grenzen der deutschen Belastbarkeit erreicht sind. Es glaube nicht das wir auch noch Nicolas´ weisse Weste für die Französischen Wahlen mit- finanzieren sollten und können. Der Nicolas würde uns umgekehrt fallen lassen, wie eine heisse POMME DE TERRE.
5. Blauer Dunst
ManfredoRSA 21.10.2011
Zitat von Kurt2Es schält sich immer klarer heraus, dass GB kollektiv auf die Couch gehört mit seinem Nazifimmel. Langsam wird es lästig. Frau Merkel hat schon recht wenn Sie sagt, dass die ständige Besserwisserei auf der Insel niemandem hilft. Nützlicher wäre die britische Unterstützung in der Krise, aber da kommt nichts.
[QUOTE=Kurt2;8965319]Es schält sich immer klarer heraus, dass GB kollektiv auf die Couch gehört mit seinem Nazifimmel. Langsam wird es lästig. Dass wir in Deutschland die schlechteste Regierung haben seit der Gruendung der BRD, ist offensichtlich. Dass Merkel von Sarkozy permanent ausgespielt wird, worueber hinaus dann vergessen oder ueberspielt wird, wie pleite und fertig eigentlich Frankreich ist, auch keine Frage. Dass Deutschland wie immer den groessten Beitrag zur Rettung der jetzt-schon-und-bald-Pleite-Staaten zahlen soll, auch klar. Wir hamm's ja - wir arbeiten ja auch und produzieren etwas, was man sogar exportieren kann. Dass man in England, nicht nur die "Sun", die keiner mit 3 Zellen ernst nimmt, sondern nun auch sogar der gute alte "Guardian" die Nazi-Nummer wieder spielt, ist verwunderlich. Was traegt denn GB zu einer moeglichen Loesung der europaeischen Krise bei ? Wie immer, zumindest schon seit Blair : nichts! Gross im Produzieren von Spruechen, blauem Dunst, wertlosen Papieren, die am Londoner Finanzplatz hin und hergeschoben werden. Stahlindustrie an Tata, Motorindustrie ohne englischen Anteil, alles weg - die groesste Arbeitslosig-keit seit Jahren, Jugend ohne Perspektive, Premiere League (fast) ohne Englaender, Wimbledon seit 70 Jahren null Erfolg - die Liste kann man noch seitenweise fortsetzen. Ist man dort deswegen so frustriert und zieht immer wieder die alten Nummern aus der Schublade? Muss wohl - obwohl es leider immer wieder nervig ist. Es gab ja mal diesen tollen englischen Humor - heute sind die nur noch "pompous" - "Pommies" halt. Nur mal bei Jeremey Clarkson und dem 4-Letter-Word Koch reinhoeren, oder bei den Premiere League Kommentatoren, die auch die Nazi Nummer spielen, wenn sie wieder mal von Jogi aufs Maul bekommen . Das ist leider heute die englische Norm.
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