Illegale Einwanderer Australien lässt Flüchtlingskinder aus Abschiebeknast frei

Australien hat eines der restriktivsten Einwanderungsgesetze weltweit, Hunderte minderjährige Flüchtlinge werden seit Jahren in Gefangenenlagern eingesperrt. Nun will die Regierung zumindest einen Teil von ihnen freilassen.


Canberra - Die australischen Behörden halten derzeit 876 Kinder in Gefangenenlagern fest. Zumindest 150 von ihnen sollen demnächst die Lager verlassen dürfen.

Einwanderungsminister Scott Morrison kündigte an, dass Kinder und ihre Familien, die vor der Verschärfung der Gesetze am 19. Juli 2013 nach Australien gekommen waren, eine befristete Aufenthaltsgenehmigung erhalten sollen. Während ihr Asylantrag bearbeitet wird, dürften sie sich außerhalb der Lager aufhalten.

Morrison stellte klar, dass diese Regelung nur für Flüchtlinge gelte, die auf dem australischen Festland einsitzen. Einwanderer, die zum Beispiel in Lagern auf Nauru, Papua-Neuguinea oder der Weihnachtsinsel festgehalten werden, seien davon ausgeschlossen.

Christliche Würdenträger werfen Regierung Kindesmissbrauch vor

Australiens Regierung verteidigt diese Entscheidung: "Die Abwicklung der Asylverfahren außerhalb Australiens ist eine der Maßnahmen, um die Boote zu stoppen", sagte Morrison. "Ich denke nicht, dass es akzeptabel ist, Kinder zu ermutigen, in Boote zu steigen. Die Regierung wird ihre Regelungen zum Grenzschutz, die Menschenleben auf dem Meer retten, nicht aufweichen." Unklar ist derzeit noch, ob die 94 Babys, die seit Juli 2013 in Haft geboren wurden, mit ihren Müttern freigelassen werden.

In der australischen Bevölkerung ist die Zustimmung für die restriktive Einwanderungspolitik der Regierung des konservativen Premierministers Tony Abbott nach wie vor groß. Bürgerrechtsgruppen kritisieren den Kurs vehement.

Einwanderungsminister Morrison muss in den kommenden Tagen vor der australischen Menschenrechtskommission Rede und Antwort stehen. Bei bisherigen Untersuchungen der Kommission kam bereits heraus, dass Kinder in den Gefangenenlagern an schweren psychischen und physischen Problemen leiden. Unter anderem schluckten Kinder Waschmittel, stülpten sich Plastiktüten über den Kopf und ritzten sich selbst. Manche Jungen und Mädchen sitzen in käfigähnlichen Verschlägen hinter Drahtzäunen.

Christliche Würdenträger warfen Morrison "staatlich sanktionierten Kindesmissbrauch" vor. Die Vereinten Nationen warnten die Regierung in Canberra, sie verletze ihre Verpflichtungen als Unterzeichner der Uno-Flüchtlingsrechtskonvention.

syd/Reuters

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tobiash 19.08.2014
1. Klar, und die Ursache für dieses Übel ...
... ist die australische Regierung und nicht etwa die Flüchtlinge, die ihre Kinder in eine bessere Welt entsenden, ohne jegliches Gefühl für Verantwortung. Wenn Australien den selben Fehler macht wie die EU und den Menschen suggeriert, dass sie als illegale Einwanderer eine segensreiche Zukunft haben, dann machen sie sich mitschuldig am Tod tausender Menschen, die das Risiko der Überfahrt in Kauf nehmen und elendig ertrinken.
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