Australien Minister will unwilligen Muslimen die Staatsbürgerschaft entziehen

Australiens Finanzminister hat nach einem Bericht der BBC gefordert, Muslimen, die "australische Werte nicht hochhalten", die Staatsbürgerschaft zu entziehen. Geistliche warnen nun vor einem Wiederaufflammen der Rassenunruhen.


Hamburg - "Einwanderer, die die australischen Gesetze und Traditionen nicht akzeptieren, sollen ihre Staatsbürgerschaft verlieren", sagte der australische Finanzminister, Peter Costello, auf einer Konferenz in Sydney. Auch die muslimische Gemeinschaft habe die Pflicht, "die australischen Werte hochzuhalten". Die Menschen die das nicht täten, seien in Australien nicht länger willkommen, so der Minister.

Rassistisch motivierte Krawalle im Dezember: Geistliche fürchten ein Wiederaufflammen der Gewalttaten.
AFP

Rassistisch motivierte Krawalle im Dezember: Geistliche fürchten ein Wiederaufflammen der Gewalttaten.

Er sagte laut BBC zwar, seine Worte richteten sich an eine "kleine, radikale Minderheit". Doch die Folgen könnten verheerend sein. Die islamische Gemeinde im Land ist besorgt und wütend. Geistliche sagten, Costellos Äußerungen würden die Spaltung der australischen Gesellschaft verschärfen. Sie werfen dem einflussreichen Politiker vor, absichtlich Ängste und religiösen Hass bei der Bevölkerung zu schüren und fürchten erneute Rassenunruhen.

Bei rassistisch motivierten Krawallen im Dezember waren in der australischen Hafenstadt Sydney Dutzende Menschen verletzt worden. Tausende meist weiße Jugendliche hatten Jagd auf Menschen mit arabischem Aussehen gemacht und sich dabei auch heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert.

Unter den 20 Millionen Australiern gibt es rund 300.000 Muslime. Der umstrittene Costello war bereits mehrfach in der Vergangenheit mit fremdenfeindlichen Äußerungen aufgefallen: So hatte er in den 90er Jahren gewarnt, Australien laufe Gefahr, von asiatischen Einwandern "überrannt" zu werden.

Tobias Lill



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