Entscheidung im Machtkampf Scott Morrison wird neuer Premierminister Australiens

Die parteiinterne Kampfabstimmung bei den australischen Liberals ist entschieden - und das Land bekommt schon wieder einen neuen Premierminister: Scott Morrison folgt auf Malcolm Turnbull.

Scott Morrison
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Scott Morrison


Australien bekommt einen neuen Premierminister: Der bisherige Amtsinhaber Malcolm Turnbull hat nach zunehmender Kritik am Freitag erneut eine parteiinterne Abstimmung über den Spitzenposten in der Liberal Party abhalten lassen. Die gewann Scott Morrison.

Auch der ehemalige Einwanderungsminister Peter Dutton sowie Vizepremierministerin und Außenministerin Julie Bishop waren angetreten. Bishop unterlag in der ersten Runde. Am Ende kam Dutton auf 40 Stimmen, Morrison auf 45. Turnbull hatte bereits am Vortag angekündigt, im Falle einer erneuten Abstimmung nicht erneut anzutreten, sondern sich stattdessen aus dem Parlament zurückzuziehen.

In Australien wird der Premierminister nicht direkt vom Volk gewählt. Das Amt hat traditionell der Vorsitzende der Partei inne, die die Regierung führt. Der Regierungschef kann seinen Posten deshalb auch durch eine parteiinterne Vertrauensabstimmung verlieren.

Der Hintermann der Revolte: Ein alter Turnbull-Rivale

Am Dienstag hatte Turnbull eine solche Abstimmung gegen seinen parteiinternen Rivalen Dutton noch gewonnen, der war daraufhin von seinem Ministerposten zurückgetreten. Turnbulls Sieg fiel mit 48 zu 35 Stimmen aber zu knapp aus, um seine Ämter sicher behaupten zu können. Drei Tage später - und nach anhalten Angriffen aus dem konservativen Lager seiner Partei - sah er sich dann am Freitagmittag genötigt, eine erneute Abstimmung einzuberufen. Seine Kritiker hatten dafür die nötigen Stimmen gesammelt.

Als Hintermann der Revolte gilt der frühere Premierminister Tony Abbott, den Turnbull vor drei Jahren selbst aus dem Amt gedrängt hatte. Er ist Teil des konservativen Lagers innerhalb der Partei und hatte Dutton unterstützt.

"Die Aufständischen wurden nicht belohnt", sagte Turnbull bei einer Pressekonferenz über die Schlappe für seinen Gegenspieler Dutton. Er freue sich nun darauf, künftig mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen - für die die Zeit mit einem Premierminister als Ehemann und Vater "nicht einfach" gewesen sei.

Malcolm Turnbull
AAP/Lukas Coch/REUTERS

Malcolm Turnbull

Morrison wird dem gemäßigten Flügel der Liberal Party zugerechnet: Er hatte 2015 das sogenannte Treasurer-Amt übernommen und war damit in der Regierung der Hauptverantwortliche für Wirtschaftsfragen. Als Stellvertreter des künftigen Premierministers wurde Josh Frydenberg gewählt.

In Australien hat seit 2007 kein Premierminister mehr eine volle Amtszeit durchgehalten. Seitdem gab es vier verschiedene Regierungschefs - nun kommt ein fünfter hinzu:

  • Kevin Rudd, Labor Party, 2007 bis 2010
  • Julia Gillard, Labor Party, 2010 bis 2013
  • Kevin Rudd, Labor Party, Juni 2013 bis September 2013
  • Tony Abbott, Liberal Party, 2013 bis 2015
  • Malcolm Turnbull, Liberal Party, 2015 bis 2018
  • Scott Morrison, Liberal Party, seit 2018

In Australien regieren die Liberalen mit der Nationalen Partei. In den Umfragen liegt das Bündnis derzeit deutlich hinter der Labor-Opposition. Die nächste reguläre Wahl steht im kommenden Jahr an.

aar

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Margit Alm 24.08.2018
1. In Windeseile um die Welt
Herzlichen Glueckwunsch Spiegel im Besonderen und den Zeitungsagenturen Deuschlands im Allgemeinen: die Nachricht vom Prime Minister-Wechsel ist noch im Babyalter, aber schon geht sie um die Welt. Was haelt der Durchschnittsbuerger davon (zu denen ich gehoere)? Viele schalten einfach bei so viel Chaos ab. Wo in der westlichen Welt gibt es noch stabile Regierungshaeupter??? Mir faellt nichts ein.
aude2 24.08.2018
2. Toller Artikel
Seht gut recherchiert. Ich lebe in Australien seit 10 Jahren und bin beeindruckt wie gut informiert der Spiegel ist. Das australische politische System ist recht stabil. Generell kriegt jede Partei (Labor und Liberals) zwei Amtszeiten hintereinander im Wechsel. Es sind nur die Parteien selbst die sich nicht auf ihren Chef einigen können. Deswegen ändert sich der Premierminister so oft.
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